Zürich entfernt «M***kopf»: «Man sollte die Geschichte nicht totschweigen»
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Zürich entfernt «M***kopf»«Man sollte die Geschichte nicht totschweigen»

Der Stadtrat will zwei rassistische Inschriften im Zürcher Niederdorf entfernen lassen. Die Entscheidung kommt nicht bei allen Zürcher Jungparteien gut an.

von
Monira Djurdjevic
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Diese rassistische Inschrift verschwindet bald aus dem Zürcher Niederdorf.

Diese rassistische Inschrift verschwindet bald aus dem Zürcher Niederdorf.

Archäologie 2020
Diese Plakette wird angepasst.

Diese Plakette wird angepasst.

Archäologie 2020
Auch die Inschrift «Zum M***kopf» soll weg.

Auch die Inschrift «Zum M***kopf» soll weg.

Archäologie 2020

Darum gehts

  • Der Zürcher Stadtrat geht aktiv gegen rassistische Zeitzeichen im öffentlichen Raum vor.

  • Zwei Inschriften verschwinden, eine Plakette wird angepasst.

  • Während die Juso Stadt Zürich den Entscheid begrüsst, halten die Jungfreisinnigen Stadt Zürich und die Junge SVP Stadt Zürich die Aktion für verfehlt.

Bei zwei Liegenschaften im Zürcher Niederdorf werden rassistische Zeitzeichen entfernt. Das teilte der Stadtrat am Donnerstag mit. «Zum M***tanz» und «Zum M***kopf» sollen noch dieses Jahr verschwinden. Eine Plakette mit dem Titel «Zum kleinen M***kopf» an der Predigergasse wird angepasst. Bei der Juso Stadt Zürich zeigt man sich erfreut. «Zürich setzt damit ein wichtiges Zeichen gegen Rassismus und der Stadtrat zeigt, dass er sich mit der Thematik auseinandersetzt», sagt Co-Präsident Nathan Donno. «Wir hoffen, dass andere Gemeinden bald nachziehen und überprüfen, ob Zeitzeichen im öffentlichen Raum entfernt oder angepasst werden müssen.»

Bei den Jungfreisinnigen Stadt Zürich sieht man das anders. «Wir finden die Aktion des Stadtrats verfehlt», sagt Vorstandsmitglied Leroy Bächtold. Die Stadt hätte besser Hinweise angebracht, um das Ganze in einen historischen Kontext zu setzen. «Mit etwaigen Verfehlungen von historischen Persönlichkeiten sollte man sich auseinandersetzen, anstatt zu versuchen, die Geschichte totzuschweigen.»

Das findet auch Camille Lothe. Die Präsidentin der Jungen SVP Kanton Zürich sagt dazu: «Es ist wichtig, den historischen Hintergrund zu kennen. Die Stadt sollte besser informieren, anstatt Zeitzeichen zu entfernen.» Laut Lothe unterstelle man damit der Stadtzürcher Bevölkerung Rassismus. «Dass die Stadt hier interveniert, erachte ich als gefährlich. Die Bevölkerung ist sehr wohl in der Lage, die Schilder selber einzuordnen.»

Auf Hauseigentümer zugehen

Wie der Zürcher Stadtrat am Donnerstag mitteilte, folgt man damit den Empfehlungen einer Projektgruppe unter Einbezug der Denkmalpflege und des Stadtarchivs. Der Zürcher Stadtrat will auch auf private Hauseigentümer zugehen und sie auf das Thema sensibilisieren.

Andere Objekte werden nicht entfernt, sondern kontextualisiert. Dazu gehören die Darstellungen in der denkmalgeschützten Aula im Schulhaus Hirschengraben. Die Darstellungen repräsentieren die im 19. Jahrhundert weit verbreitete exotisierende Zurschaustellung fremder Völker. Nun wird geprüft, welche Massnahmen es braucht, damit die Darstellungen nicht als unhinterfragte Normalität dastehen. Das nehme allerdings etwas Zeit in Anspruch, heiss es in der Mitteilung weiter.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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