Naturschauspiel: «Man spürt die Wüstenluft sofort»
Aktualisiert

Naturschauspiel«Man spürt die Wüstenluft sofort»

Eine erste Ladung Sahara-Staub hat die Schweiz erreicht. Der Abendhimmel dürfte heute besonders farbenfroh leuchten. So imposant wie im 2009 wird das Naturschauspiel aber nicht.

von
Adrian Müller

Der Fotograf Arno Balzarini braucht keine Meteo-Modelle, um aufkommende Sahara-Winde im Churer Rheintal vom normalen Föhn zu unterscheiden. Der Bündner beschreibt die mit feinsten Sandkörnern gespickte Luftmasse als «eigenartig milde, sehr trockene Wärme.» «Man spürt die Wüstenluft sofort.» Er habe sich gefühlt wie einst in seinen Marokko-Ferien.

Dieses Wochenende ist es wieder so weit: Tief «Petra» schaufelt Wüstensand aus der Sahara direkt nach Mitteleuropa. Die Staubwolke ist in der Schweiz bereits angekommen. So sind die Feinstaub-Werte auf dem Jungfraujoch seit Freitagmorgen kontinuierlich angestiegen. So viel Sand wie am 24. Mai 2009 dürfte der Föhn in diesen Tagen nicht in die Alpentäler tragen, die Sand-Partikel schweben diesmal laut der Meteorologin Fabienne Muriset in sehr grosser Höhe.

Als sich der Himmel senfgelb färbte

Vor drei Jahren kriegten die Föhntäler eine geballte Ladung Sand ab: «Das war ein extremes Ereignis», erinnert sich Balzarini, der das Naturschauspiel mit seiner Kamera festhielt (siehe Diashow oben). Im Laufe des Tages habe sich der Himmel über dem Calanda immer stärker verfärbt. «Gegen Abend schienen die Wolken wie eine gelb-braune Masse, mit dem Sonnenuntergang wurde es richtig dramatisch.» Obschon kein Regen fiel, habe sich der Sand auf die Erde abgesenkt. So habe am nächsten Tag ein hochdünner, staubtrockener Sandfilm auf den Autos gelegen.

Spektakuläre Sonnenuntergänge liegen auch an diesem Wochenende drin: «Durch den Staub gibt es sehr intensive Farben», sagt Muriset. Während des Tages ist der Sahara-Staub aber kaum erkennbar: «Wenn die Sonne nicht scheint, bleibt einfach grauer Dunst liegen.»

Wüstensand über der Schweiz: Wir können uns bis Sonntag ob dem Naturschauspiel erfreuen, weil in der Sahara gigantische Stürme in den vergangenen Tagen tonnenweise Sand in die Atmosphäre gewirbelt haben. Eine Satellitenanimation von Mitte April zeigt dies eindrücklich auf:

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So machte sich der Sahara-Staub 2004 über dem Säntis bemerkbar:

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