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Rapper wirft Gemeinde Oberriet Rassismus vor«Man will den Secondos hier keinen Schweizer Pass geben»

Rapper Gimi wurde die Einbürgerung verweigert, weil er Beizen nicht beim Namen nennen konnte. Der Kanton St. Gallen gab seinem Rekurs Recht. Trotzdem sagt er, dass man Secondos in Oberriet den roten Pass aus persönlich motivierten Gründen verweigere.

von
Daniela Gigor

Mit dem kürzlich veröffentlichten Song «Schwizer Pass» prangert der Montlinger Rapper Gimi - mit richtigem Namen Mergim Ahmeti - die Einbürgerungspraxis bei seiner Gemeinde Oberriet SG an. Vor drei Jahren scheiterte der Einbürgerungsversuch des Betriebswirtschafters. Einer der Gründe war unter anderem, dass Ahmeti zu wenig Beizen im Dorf kenne.

Der 26-jährige Gimi aus der Gemeinde Montlingen, die zu Oberriet gehört, sagt: «Meine Kollegen aus Zürich fanden dies so absurd und es war für sie unerklärlich, dass ich wegen der Restaurants, die ich nicht vollständig beim Namen kannte, abgelehnt wurde.» Laut Gimi war dies nur ein Vorwand für die Ablehnung seiner Einbürgerung. Dies habe er schon bei der Befragung gespürt.

So sei er etwa Folgendes gefragt worden: «Herr Ahmeti, Sie haben aber auch keinen typischen Haarschnitt, ihre Landsleute haben andere Frisuren.» Später habe die Einbürgerungskommission wissen wollen, wie er seinen Glauben, den Islam praktiziere. Gimi: «Ich antwortete ehrlich und offen, dass ich jeden Tag bete.» In der Folge sei der Spruch gefallen: «Aber nicht, dass sie jetzt vor uns den Teppich hervornehmen und beten», sagt Gimi weiter. Alle fünf Personen im Raum hätten gelacht, er habe darauf nichts erwidert. «Ich finde, das geht gar nicht», sagt Gimi weiter.

Der Rapper hat gegen den Entscheid rekurriert und vom Kanton St. Gallen Recht bekommen. Heute kann er sich glücklicher Besitzer eines Schweizer Passes nennen. An der Einbürgerungspraxis in der Gemeinde Oberriet habe sich laut Gimis Aussagen seither aber nicht viel verbessert. Gimi: «Ich bin nach wie vor der Meinung, dass diese Entscheide persönlich motiviert sind, man will den Secondos in Oberriet keinen Schweizer Pass geben.»

So sei etwa einer 24-jährigen Kollegin, die ebenfalls in der Gemeinde Oberriet geboren wurde, ähnliches widerfahren, als sie ihren zweiten Einbürgerungsversuch unternommen habe.

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