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Polizeistunde«Man will uns das letzte bisschen Spass verbieten»

Der Städteverbandspräsident will Sperrzeiten im Nachtleben. Die Leser sind gespalten: Eine «spannende Idee», finden die einen, das schaffe nur «noch mehr Probleme», sagen die anderen.

von
jro
Viele Leser goutieren nicht, dass Nationalrat Kurt Fluri Mässigung im nächtlichen Ausgang fordert.

Viele Leser goutieren nicht, dass Nationalrat Kurt Fluri Mässigung im nächtlichen Ausgang fordert.

Kurt Fluri will das Nachtleben zähmen. Für den neuen Präsidenten des Städteverbandes zählt übermässiger Alkoholkonsum zu einem der grössten Probleme der Schweizer Städte. Diesem will der FDP-Nationalrat mit Verboten und Verschärfungen zu Leibe rücken. So befürwortet er eine Wiedereinführung der Polizeistunde, höhere Alkoholpreise und nächtliche Verkaufsverbote. Damit sticht er in ein Wespennest.

Nicht nur die Politik, sondern auch die Leserschaft ist gespalten. Eine Hälfte der Leser stört sich an nächtlichen Ausgangsexzessen, die andere Hälfte zweifelt an der Wirkung von Verschärfungen und fürchtet eine Verbotsgesellschaft. Ein Leser, der sich «normaler Mensch» nennt, ärgert sich: «Man will uns das letzte bisschen Spass verbieten.» Für Userin Doris zieht dieses Argument nicht: «Ich finde es wichtig, dass wir keine Innenstädte haben, in denen wegen nächtlichen Lärms niemand mehr wohnen kann und will.» Leser Lisbut ruft zu Mässigung im Ausgang auf: «Früher ging man um 19 Uhr in den Ausgang und kam um 23 Uhr nach Hause. Heute geht man um 23 Uhr in den Ausgang und kommt um 7 Uhr nach Hause.»

Chur als schlechtes Vorbild

Leser «XY» spricht sich gegen ein Revival der Polizeistunde aus. Seiner Meinung nach sprechen die Erfahrungen mit dem verschärften Polizeigesetz in Chur dagegen: «Ich finde nicht, dass man wegen der Polizeistunde weniger trinkt, man tut es einfach vorher.» Zudem habe die lokale Ausgangskultur gelitten. Eine Leserin, die sich «Studentin» nennt, zweifelt generell an der Wirkung von Verboten: «Durch eine Sperrstunde und das Verkaufsverbot wird es nur schlimmer. Dann wird vorgetrunken und auf Vorrat eingekauft.»

User «Nachtvogel» teilt diese Ansicht. «Die Partygänger kaufen sich den Alkohol vorgängig oder – noch schlimmer – betrinken sich im Rekordtempo, damit es vor Verkaufsschluss sicher zum Rausch reicht.» Auch nach Meinung anderer User wäre dies wenig konstruktiv: «Die Leute sind noch besoffener, einfach auf offener Strasse statt in Lokalen. Es gibt mehr Gewalt weil es keine Türsteher hat und mehr Abfall und Lärm, weil man eben draussen ist», so Leser Thommy.

Lieber Mindestalter erhöhen

Preiserhöhungen brächten laut Leser Christian Gross wenig. Das zeigten die negativen Erfahrungen anderer Staaten: «Was ist mit Norwegen, Kanada, Schweden und so weiter?», fragt er. User Orias Paimon möchte vor allem, dass Jugendliche im Ausgang weniger trinken. Er spricht sich für eine gezielte Verschärfung aus: «Es wäre eine bessere Idee, das Mindestalter hochzuschrauben. Heute kann ein 16-Jähriger Unmengen an Bier kaufen und das noch zu Spottpreisen.» Leser Thomas stimmt zu. «Solange alle mit 16 schon legal zu Alkohol kommen, ändert sich gar nichts.»

Kommentarschreiber Manuel wünscht sich eine Abstufung nach Alter: «Man könnte das Alter auf 20 schrauben und nach 24 Uhr erst ab 25.» Einige Leser sehen das aber kritisch. So sei es für viele Jugendliche möglich, an Spirituosen zu gelangen. Und, schreibt Leser Tommy: «Solche Regeln schaffen nur noch mehr Probleme und verhindern, dass Jugendliche einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol lernen.»

«Schon zu viele Verbote»

Laut User «Muellimaus» hat die richtige Kombination von Massnahmen trotzdem eine Berechtigung: «Die Idee finde ich spannend und diskussionswürdig. Zusammen mit einem Alkoholverkaufsverbot am Wochenende an Tankstellen und Bahnhofshops könnte die Rechnung aufgehen.»

Mauro A. hält von wenig vom Prinzip Verbot: «Unser Leben ist bereits genug durch Verbote, Regeln und Besteuerung beschnitten.» Allerdings würde er Alkoholsünder am liebsten finanziell in die Pflicht nehmen: «Man sollte die Kosten, die durch übermässigen Konsum der Polizei und Sanität entstehen, auf den Betroffenen übertragen. Sollten Jugendliche die Kosten nicht tragen können, sollen sie zu Sozialstunden verbrummt werden.»

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