Aktualisiert 27.03.2013 16:15

Teenager unter Druck

«Man wird systematisch fertiggemacht»

Schule, Schönheit, Sex – viele junge Mädchen sind dem Leistungsdruck nicht gewachsen und brauchen psychologische Unterstützung. Das bestätigen auch unsere jungen Leserinnen.

von
cat
Immer mehr junge Mädchen zerbrechen am Leistungsdruck.

Immer mehr junge Mädchen zerbrechen am Leistungsdruck.

Die Schönste, Klügste, Beliebteste sein - sich an einem solch unrealitischen Ideal einer perfekten Frau zu orientieren, muss zwangsläufig zu Zusammenbrüchen führen. Dass dies bereits bei 14-Jährigen der Fall ist, bestätigte uns gestern Moana Crescionini von Pro Juventute. Die Story schlug hohe Wellen: Über 500 Kommentare gingen bereits zum Thema ein - viele davon von jungen Lesern, die selbst unter dem harten Wettbewerb unter Teenagern leiden oder gelitten haben.

Userin Bettina M. trieb der Druck gar bis zum Äussersten. «Ich wurde in der Schule gemobbt. Resultat: Suizidversuch mit 14, hospitalisiert, danach wieder in dieselbe Klasse. Dann wurde ich auch noch dafür gehänselt, dass ich schwach sei. Man darf nicht zugeben, dass man nicht mithalten kann, sonst wird man überfahren.»

«Eltern sagen, ich soll auf die Figur achten»

Dass ein rauherer Wind durch die heutigen Klassenzimmer weht, bestätigt auch «Junge Erwachsene»: «Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Ton unter Jugendlichen härter geworden ist. Wer nicht in die Gruppe passt, wird nicht nur ausgegrenzt, sondern systematisch psychisch und physisch fertiggemacht.»

Aber auch im Elternhaus orten viele die Wurzel des Übels. Die 18-jährige Laura etwa: «Bei mir kommt der Druck auch häufig von meinen Eltern die mir sagen, ich muss auf meine Figur achten, gute Noten machen. Was den Rest meines Lebens betrifft: Der ist meinen Eltern total egal. Zum Glück habe ich wahre Freunde.» Bei Userin Nici ist das ähnlich. «Mein Lehrbetrieb verlangt perfekte Noten, mein Vater nervt mich, weil ich zu wenig Sport treibe. Meine Mutter macht sich Sorgen, weil ich am Wochenende lieber schlafe und erst gegen Abend rausgehe.»

«Ich sollte voller Lebensfreude sein»

Auch Ella leidet unter den hohen Erwartungen. «Und dann fragen sich alle, warum gerade ich depressiv geworden bin. Ich bin 17 und relativ gut in der Schule. Ich sollte voller Lebensfreude sein! Aber diese verkorkste Gesellschaft, die sich nur auf Noten und Leistungen und nicht auf das Talent eines Menschen konzentriert, widert mich nur noch an.» Ähnlich sieht das User «Jung»: «Man wird gar nicht als Mensch wahrgenommen, sondern als ein Produkt seiner Noten, seiner Anzahl Freunde, seiner Figur, seiner ersten Liebe. Ich fühle mich, als ob ich mein Leben bereits bis 30 durchgeplant hätte. Die Welt dreht sich schneller und vielen ist nun schwindlig.»

Für manche bleibt dann nur der Ausweg Medikamente. «Ich bin 18 Jahre alt und seit einigen Monaten in psychiatrischer Behandlung, inklusive Antidepressiva», sagt Userin Andrea. Wie es so weit kommen konnte, ist ihr leider nur allzu klar: «Der Druck von allen Seiten in praktisch allen Bereichen des Lebens war mir zu gross.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.