Sprinterinnen Kambundji und Del Ponte - «Man wünscht einer anderen Athletin ja nichts Schlechtes»
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Sprinterinnen Kambundji und Del Ponte«Man wünscht einer anderen Athletin ja nichts Schlechtes»

Mujinga Kambundji und Ajla Del Ponte messen sich im 100-m-Sprint an Weltklasse Zürich mit den Besten der Welt. Im Doppelinterview mit 20 Minuten schildern die schnellsten Schweizer Sprinterinnen, wie heiss sie auf den Event sind.

von
Adrian Hunziker

Ajla Del Ponte und Mujinga Kambundji freuen sich auf Weltklasse Zürich.

20 Minuten

Darum gehts

  • Ajla Del Ponte und Mujinga Kambundji sind die schnellsten Schweizer Sprinterinnen.

  • Sie freuen sich riesig auf Weltklasse Zürich am Donnerstagabend.

  • Dort messen sich die beiden im 100-m-Sprint mit den Besten der Welt.

Sie haben eine starke Saison hinter sich, in der sie beide Landesrekorde über 100 Meter gelaufen sind. An den Olympischen Spielen lief die Bernerin Mujinga Kambundji 10,95 s im Vorlauf und egalisierte damit ihren eigenen Schweizer Rekord. Nur kurz darauf übersprintete sie die Tessinerin Ajla Del Ponte mit 10,91 s. Ihre eigene Bestmarke unterbot sie gleich um 16 Hundertstel.

An Weltklasse Zürich, in diesem Jahr das letzte Diamond League Meeting der Saison, laufen beide am Donnerstagabend (das ganze Meeting live bei uns ab 19 Uhr) über 100 Meter, Kambundji auch über 200 Meter. 20 Minuten hat die beiden Sprinterinnen vor dem Schweizer Leichtathletik-Highlight des Jahres zum Doppelinterview getroffen.

Ajla Del Ponte, Mujinga Kambundji, inwiefern ist dieses Doppel-Interview mit einer Konkurrentin spezieller als normale Interviews?

Mujinga: Wir sind das gewohnt, wir trainieren ja auch mit anderen Konkurrentinnen. Für uns ist das normal, dass wir auch mit Konkurrentinnen befreundet sind. Es gibt den Wettkampf und die Zeit daneben. Im Wettkampf sind alles Kontrahentinnen, egal, ob man sie nun mag oder nicht, egal, ob es deine Schwester ist oder nicht.

Ajla: Auf der Bahn renne ich für mich selbst und ich schaue nicht zu viel, was neben mir passiert. Erst nach dem Rennen realisierst du, was sonst noch alles passiert ist.

Sie sind die schnellsten Schweizerinnen, haben Rekorde ausgetauscht – verspüren Sie nie Neid?

Mujinga: Ich denke, man schaut auf sich selbst. Jede versucht so schnell zu rennen, wie sie kann. Ob das dann der Rekord ist oder nicht, ist nicht entscheidend. Ich bin mehr enttäuscht, wenn ich ein schlechtes Rennen hatte und mit dem Ergebnis nicht zufrieden bin. Ich kann ja nicht beeinflussen, was die anderen im Rennen machen.

Ajla: Wir kennen das Potenzial der anderen Athletinnenfwünscht und man will sein eigenes ausschöpfen. Am Ende ist man damit zufrieden oder eben nicht. Wenn man eine persönliche Bestleistung abliefert, ist man natürlich immer zufrieden. Wir können uns aber auch für die anderen freuen.

Mujinga: Das sehe ich auch so. Wir machen ja alle dasselbe durch, haben die gleichen Probleme. Und man wünscht einer anderen ja nichts Schlechtes. Man freut sich, wenn sich die Arbeit der anderen auszahlt.

Welchen Vorteil hat es, dass Sie beide so schnell sind? Pushen Sie sich gegenseitig?

Ajla: Mujinga war die erste Schweizerin, die unter 11 Sekunden gelaufen ist (über 100 Meter, Red.), davor meinten wir alle, dass das nicht möglich ist. Ich denke, nicht nur ich, sondern auch andere Athletinnen haben dann gedacht, vielleicht ist es doch möglich.

Mujinga: Für mich ist es auch gut, wenn Konkurrenz da ist, das hat mir früher gefehlt.

Was schätzen Sie an der anderen?

Mujinga: Ich finde es immer angenehm mit Ajla, sie ist sehr «easy-going». Es gibt keine komischen Situationen zwischen uns, auch wenn jemand besser läuft.

Ajla: Gleichfalls (lacht).

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Mujinga Kambundji (l.) und Ajla Del Ponte freuen sich auf Weltklasse Zürich. 

Mujinga Kambundji (l.) und Ajla Del Ponte freuen sich auf Weltklasse Zürich.

20min/Michael Scherrer
Im Rennen über 100 Meter schauen sie nur auf sich selber und nicht darauf, was die Konkurrentinnen machen. 

Im Rennen über 100 Meter schauen sie nur auf sich selber und nicht darauf, was die Konkurrentinnen machen.

20min/Michael Scherrer
Für die Sprinterinnen ist es ein Highlight, vor heimischem Publikum im Letzigrund aufzutreten. 

Für die Sprinterinnen ist es ein Highlight, vor heimischem Publikum im Letzigrund aufzutreten.

20min/Michael Scherrer

Welche sportlichen Qualitäten der anderen hätten Sie gerne?

Ajla: Bei dir würde ich Belastbarkeit sagen.

Mujinga: Du hast schnell viele Fortschritte gemacht und du kannst dein Niveau halten. Das ist mega beeindruckend, diese Konstanz auf einem guten Niveau.

In der Staffel starten Sie gemeinsam – wie gut kennen Sie sich sportlich?

Mujinga: Ich denke, sehr gut. Was bei der Staffel hilft: Wir haben alle dasselbe Ziel und wir sind alle aufeinander angewiesen. Wir schätzen, dass wir aufeinander zählen können und wir wissen, dass wir alle 100 Prozent geben.

Ajla: Das Vertrauen ist zu 110 Prozent da. Wir wollen gemeinsam etwas Schönes erreichen.

Welche Bedeutung hat Weltklasse Zürich für Sie?

Mujinga: Für mich ist es das Schweizer Highlight des Jahres. Die Athletinnen werden jedes Jahr besser, das sehen auch die Zuschauerinnen und Zuschauer und unterstützen uns.

Ajla: Für mich gab es 2019 einen Schlüsselmoment: Vor der Staffel rief das ganze Publikum: «Hopp Schwiiz!» Das zeigt, dass die Leute wegen uns kommen.

Was sind Ihre Erwartungen für Donnerstag?

Ajla: Es wird eine grosse Show geben. Es ist das erste Mal, dass in Zürich alle Disziplinen stattfinden. Es wird auch ein guter Weg sein, dieses erfolgreiche Jahr zu feiern.

Mujinga: Es wird ein super Event, für uns Athletinnen, die Zuschauerinnen und Zuschauer. Wir haben so viele gute Leistungen erbracht in diesem Jahr, es freuen sich alle, uns zuzuschauen und anzufeuern. Wir freuen uns auch auf das Publikum. Es war schon super in Lausanne, endlich mal wieder vor dem Schweizer Publikum zu performen.

Sie hatten beide eine erfolgreiche Saison, steigt dadurch der Druck?

Ajla: Ich denke, der Druck kann auch motivieren. Wir wollen eine gute Leistung zeigen – und das zuhause.

Mujinga: Ein gewisser Druck ist immer da, egal, ob man gut gelaufen ist oder nicht. Es ist aber hier ein unterstützender Druck.

Was sind Ihre Ziele?

Mujinga: Ich bin noch nicht ganz zufrieden mit beiden Disziplinen, 100 Meter und 200 Meter, ich habe das Gefühl, dass ich noch schneller laufen kann.

Ajla: Wenn meine Leistung stimmt, bin ich zufrieden. Aber ich möchte auch den Event geniessen, denn unsere Familien sind da und wir möchten eine Show für alle machen.

Was halten Sie von einem Deal: Ajla gewinnt 100 Meter, Mujinga 200 Meter?

Mujinga: Das wäre auf jeden Fall ein Highlight zum Zuschauen.

Ajla: Das finde ich auch, machen wir das (beide lachen).

Mujinga: Alle, die an den Start gehen, möchten gewinnen, aber hoffen wir auf Schweizer Siege.

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