Täter von Salez SG: «Man zog ihm die Hosen runter und beleidigte ihn»
Aktualisiert

Täter von Salez SG«Man zog ihm die Hosen runter und beleidigte ihn»

Simon S. (†27) hat die Messer- und Brandattacke auf Passagiere der Südostbahn verübt. Trotzdem wehrt sich sein einst bester Freund dagegen, dass man ihn als Monster sieht.

von
qll
1 / 14
Simon S. (27) griff am Samstag, 13. August 2016, in einem Regionalzug der Südostbahn andere Passagiere mit einem Messer und brennbarer Flüssigkeit an. Eines der Opfer starb, und auch S. erlag einen Tag nach seinem Angriff seinen Verletzungen. Nachbarn und ehemalige Arbeitskollegen beschreiben S. als Einzelgänger, der den Kontakt mit anderen Menschen gemieden und viel gelesen habe.

Simon S. (27) griff am Samstag, 13. August 2016, in einem Regionalzug der Südostbahn andere Passagiere mit einem Messer und brennbarer Flüssigkeit an. Eines der Opfer starb, und auch S. erlag einen Tag nach seinem Angriff seinen Verletzungen. Nachbarn und ehemalige Arbeitskollegen beschreiben S. als Einzelgänger, der den Kontakt mit anderen Menschen gemieden und viel gelesen habe.

ZVG
S. wohnte in diesem Haus in Eschen FL. Im nahegelegenen Buchs SG besuchte er die Hochschule für Technik. Offiziell gemeldet war S. aber in einer Gemeinde im Kanton Schwyz, in der auch seine Eltern leben.

S. wohnte in diesem Haus in Eschen FL. Im nahegelegenen Buchs SG besuchte er die Hochschule für Technik. Offiziell gemeldet war S. aber in einer Gemeinde im Kanton Schwyz, in der auch seine Eltern leben.

20 Minuten/tso/fej
Tatort Salez SG: Blick in das verkohlte und beschädigte Abteil, in dem Simon S. Zugpassagiere mit einer brennbaren Flüssigkeit angegriffen hat. (13. August 2016)

Tatort Salez SG: Blick in das verkohlte und beschädigte Abteil, in dem Simon S. Zugpassagiere mit einer brennbaren Flüssigkeit angegriffen hat. (13. August 2016)

Reporter 20 Minuten

Mit brennbarer Flüssigkeit und einem Messer hat Simon S.* am vergangenen Samstagnachmittag Passagiere eines Regionalzugs der Südostbahn angegriffen. Eines der sechs Opfer erlag seinen Verletzungen, auch der 27-jährige Schweizer Täter starb einen Tag nach seiner Bluttat.

Ein ehemaliger Freund (26), der mit dem Täter während der Primarschule und der Oberstufe die Schulbank gedrückt und viel Zeit verbracht hat, sagt zu 20 Minuten, sie hätten im Alter von zehn Jahren stundenlang das Ego-Shooter-Game «Halo» und andere Videospiele auf der Xbox gespielt. Sie seien zusammen Velo fahren, wandern und fischen gegangen. Weiter sagt er, S. habe daneben verschiedene «spezielle Hobbys» gehabt: «Er hängte eine Zielscheibe im Garten auf und übte, mit kleinen Beilen zu schiessen. Oder er spielte synchron Cello zu der Musik der Band Apocalyptica. Ich finde dies zwar nicht seltsam, nur hatte er keine Hobbies, die irgendwelche Menschen involviert hätten.»

«Er verstummte»

Der Freund weiter: «Es ist verständlich, dass man negativ über ihn denkt, seine Tat ist unverzeihlich.» Trotz der Amoktat von Samstag möchte der ehemalige Freund nicht, dass man S. als Monster sieht: «Nach so einem Vorfall ist es schwer verständlich, aber er war kein Monster. Er war zwar anders, aber nicht böse.» Er bezeichnet S. als extrem ruhig. «Er war aber nicht immer so.» Als Kind sei S. aktiv gewesen und habe sich auch gut mit ihm unterhalten. «Während aber andere Kinder immer kommunikativer wurden, verstummte er und frass alles in sich hinein.»

Ebenfalls kann er bestätigen, dass der Täter während der Schulzeit gemobbt wurde. «Weil er so gross und schlaksig war, zog man ihm im Turnen die Hosen runter, bewarf ihn mit Bällen oder schlug ihm auf dem Hinterkopf.» Auch hätten die Mitschüler S. beleidigt: «Sie nannten ihn ‹Opfer›, ‹Schielauge›, ‹Strich in der Landschaft›, ‹hässlicher Kopf› und ‹weisses Brot›.» Doch nie habe Simon S. zurückgegeben, weder körperlich noch verbal.

Deshalb sei er erschrocken, als er von dem Angriff in Salez erfahren habe. Vor allem weil er S. wenige Stunden vor dem Anschlag noch an einer Busstation an seinem Heimatort gesehen habe. «Ich begrüsste ihn, er nickte nur zurück. Er wirkte wie immer. Wer hätte gedacht, dass er kurz darauf so etwas macht?»

Deine Meinung