Börsenboom: Manager machen Kasse mit eigenen Aktien
Aktualisiert

BörsenboomManager machen Kasse mit eigenen Aktien

Seit die Börsen wieder boomen, verkaufen Schweizer Spitzenmanager Aktien des eigenen Unternehmens im grossen Stil. Weit in Front liegen die Topshots der Credit Suisse, die seit Frühling über 60 Millionen Franken mit Insidertransaktionen gelöst haben.

von
Lukas Hässig

Der Tiefpunkt war am 9. März erreicht. An der Schweizer Börse hatte der Swiss Market Index (SMI) damals mehr als die Hälfte seines Werts seit dem Zenit im Sommer 2007 eingebüsst. Dann aber setzte er zu einer rasanten Aufholjagd an. 40 Prozent des Einbruches hat der SMI inzwischen wettgemacht.

Die steigenden Kurse nutzten viele Spitzenmanager von Grossunternehmen, um Aktien und Optionen der eigenen Firma auf den Markt zu werfen. Eine Auswertung dieser so genannten Insidertransaktionen bei fünf Multis, wo es zu besonders vielen Verkäufen kam, zeigt, dass interne Manager zwischen dem Tiefpunkt und heute insgesamt 88 Millionen Franken gelöst haben.

Kein einziger Insider kaufte Papiere der eigenen Bank

Allein auf weiter Flur bewegen sich die Insider der Grossbank Credit Suisse . Zwischen dem 27. März und dem 23. November dieses Jahres haben Mitglieder der CS -Teppichetage insgesamt 60 Millionen Franken durch Verkäufe eingeheimst. Kein einziger CS-Topmanager entschloss sich in dieser Periode, Aktien oder Optionen der eigenen Firma zu kaufen.

Beim Nahrungsmittelmulti Nestlé waren es 10 Millionen Franken, welche die Topmanager durch Verkäufe von Titeln des eigenen Unternehmens seit Frühling einheimsten, bei den beiden Pharmagiganten Novartis und Roche kommt man auf knapp 8 respektive 5 Millionen, beim Versicherungskonzern Zurich waren es gut 4 Millionen Verkaufserlöse. Überall herrschte ein deutliches Übergewicht von Verkäufen gegenüber Käufen.

Ob die Top-Manager einen günstigen Zeitpunkt für ihre Verkäufe erwischt haben, kann nur die Zukunft zeigen. Steigen die Kurse weiter, hätte sich ein Zuwarten gelohnt, kommt hingegen eine nächste Schwächephase mit einbrechenden Notierungen, haben sie ein glückliches Händchen bewiesen.

CS-Verkaufswelle nach Rekordgewinn

Das Besondere am 60-Millionen-Verkaufsvolumen der CS-Manager ist der Zeitpunkt grosser Transaktionen. Ende Oktober löste ein einziges Mitglied der Konzernleitung knapp 17 Millionen Franken mit einem Verkaufsauftrag. Drei weitere Deals summierten sich auf rund 11 Millionen.

Das Timing stimmte. Wenige Tage zuvor hatte die Grossbank einen Quartalsgewinn von über 2 Milliarden Franken publiziert und stand damit wieder so gut da wie vor der Krise. Angesichts dieses Erfolgs sagten sich offenbar mehrere CS-Insider, dass der Aktienkurs ihres Unternehmens in der nächsten Zukunft eher sinken als weiter steigen würde.

Tatsächlich ging der Kurs seither leicht zurück. Den Insidern gelang es insbesondere, mit ihren Verkäufen der rekordhohen Busse der CS von mehr als 500 Millionen Dollar von letzter Woche wegen Fälschungen im Zahlungsverkehr zuvorzukommen. Während Jahren hatte die Bank US-Sanktionen gegen Iran und weitere Staaten missachtet.

CS auf den Spuren der alten UBS

Der massive Exodus bei der CS erinnert an eine Welle von Insiderverkäufen bei der UBS in der Zeit vor der Krise. Von November 2006 bis Juni 2007 trennten sich Topshots der Grossbank von Papieren ihrer eigenen Arbeitgeberin im Wert von 55 Millionen Franken. Drei Monate später vermeldete die Bank die ersten Milliardenverluste, worauf der UBS-Aktienkurs in den Keller rasselte.

Diesmal fehlen die UBS-Topshots unter den eifrigsten Insider-Verkäufern. Nur wenige Transaktionen fanden seit Frühling dieses Jahres statt, und insgesamt halten sich Kauf- und Verkaufssummen bei der zweiten Grossbank die Waage. Das mag mit dem bei 16 Franken dümpelnden Aktienkurs zu erklären sein.

Hingegen hätte man beim Rückversicherungskonzern Swiss Re eine Verkaufswelle von Insidern erwarten können. Der Swiss-Re-Kurs hat sich seit Frühling mehr als verdreifacht. Trotzdem verharrten die Topshots des Multis bisher an der Seitenlinie und trennten sich nicht im grossen Stil von ihren Papieren. Offenbar erwarten sie, dass der Höhenflug der Swiss Re auch im Jahr 2010 anhält.

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