Ein neues Leben beginnen - Manager postet nach Herzattacke auf LinkedIn – Tausende reagieren
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Ein neues Leben beginnenManager postet nach Herzattacke auf LinkedIn – Tausende reagieren

Noch aus seinem Spitalbett postete der Brite Jonathan Frostick auf LinkedIn ein Gelöbnis: Ich ändere mein Leben. Ich will weniger arbeiten und mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Kommt euch das auch bekannt vor?

Jonathan Frostick: «Ich werde mich bei der Arbeit nie mehr mit  S#%e aufhalten – das Leben ist zu kurz» – einer  der Vorsätze nach der Herzattacke. 

Jonathan Frostick: «Ich werde mich bei der Arbeit nie mehr mit S#%e aufhalten – das Leben ist zu kurz» – einer der Vorsätze nach der Herzattacke.

LinkedIn

Jonathan Frostick ist Programmmanager bei der Investmentbank HSBC in London. Das heisst, dass er jeden Tag mindestens zwölf Stunden arbeitet, erst recht in Zeiten von Homeoffice. Auch an diesem Sonntag sitzt er vor dem Computer, als er einen stechenden Schmerz im linken Arm verspürt. Der Vater dreier Kinder kann nicht mehr atmen, seine Brust fühlt sich eng an, seine Ohren surren – er hat eine Herzattacke.

Später im Spital hat der Manager eine Eingebung, die er mit der Welt – und seinen Chefs – teilt: «Ich sah kein helles Licht oder mein Leben vor meinem inneren Auge vorbeirasen», schreibt er auf dem sozialen Geschäftsnetzwerk LinkedIn aus dem Krankenhausbett.

«Das kommt jetzt echt ungelegen»

«Statt dessen dachte ich: 1. Fuck, ich sollte mich morgen mit meinem Manager treffen, das kommt jetzt echt ungelegen. 2. Wie stelle ich das Funding für X sicher (Arbeitszeugs) 3. Shit, ich habe mein Testament nicht aktualisiert. 4. Ich hoffe, meine Frau findet mich nicht tot auf.»

Seit er im Spital liege, schreibt Frostick weiter, habe er sechs Entscheidungen getroffen: «Ich verbringe nicht den ganzen Tag auf Zoom. Ich restrukturiere, wie ich meine Arbeit angehe. Ich werde mich bei der Arbeit nie mehr mit S#%e aufhalten – das Leben ist zu kurz», sind die ersten drei Vorsätze des Bankers.

Zudem will er Gewicht verlieren (15 Kilo), bei der Arbeit jeden Tag etwas bewirken und mehr Zeit mit der Familie verbringen. «Und das ist es, was mich die Nahtod-Erfahrung bislang gelehrt hat», schliesst er seinen Post.

Frosticks Post kommt gut an in der Pandemie, in der Menschen weltweit nach einem Jahr ermüdet sind und bei der Arbeit Langeweile, Überforderung und allerlei anderen Stress erfahren. Jedenfalls ist der Post über 200’000 Mal geliked worden, über 10’000 User aus aller Welt kommentieren ihn.

«Jetzt erst wirst du richtig leben»

«Ich kenne unzählige Leute, die lebensbedrohlich krank wurden, weil sie immer arbeiteten und innerlich immer auf Abruf waren», schreibt etwa ein Unternehmensberater aus Alberta, Kanada. «Das ist für unsere Gesundheit derart schädlich, aber wir sind darauf ausgerichtet, dass wir immer pushen müssen».

Andere beschreiben, wie sie ihr Leben nach einer Erfahrung mit fast tödlichem Ausgang neu ausgerichtet und der Arbeit einen weniger hohen Stellenwert gegeben hätten. Viele beglückwünschen Frostick zu seinem Entschluss, neu anzufangen. «Ich verstehe es, Bro», so ein Geschäftsmann aus Kenia, der angibt, seine Autos und Anwesen für ein einfacheres Leben verkauft zu haben. «Bro, willkommen im echten Leben. Jetzt erst wirst du richtig leben.»

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(gux)

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