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WirtschaftskriminalitätManager sind die Hauptverantwortlichen

Unternehmen sind gut beraten, stets ein wachsames Auge auf ihre Chefs zu haben. Grund: Drei Viertel der Delikte von Wirtschaftskriminalität gehen zu Lasten des Managements. Die Bosse haben das veruntreute Geld für Luxusautos, Schönheitsoperationen und Prostituierte ausgegeben.

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sas/scc

Gewerbsmässiger Betrug und Veruntreuung von Investorengeldern stehen hoch im Kurs. Das zeigt das «Fraud Barometer» von KPMG Schweiz. Für 75 Prozent der Deliktsummen aller zur Anklage gebrachten Fälle von Wirtschaftskriminalität war im ersten Halbjahr 2009 das Management verantwortlich. In der Schweiz landeten 30 Delikte mit einer Totalsumme von 200 Millionen Franken vor Gericht.

Blick noch stärker auf Chefetage richten

Eine ähnliche Konstellation war bereits im Barometer 2008 ersichtlich, wobei das Management damals für mehr als die Hälfte der Deliktsumme verantwortlich war. Laut der Beratungsfirma KPMG bedeutet dies nichts anderes, als dass der Blick noch stärker auf das Wirken der Führungsebenen gerichtet werden muss. «Hier bietet sich aufgrund von hierarchischen Positionen und Vertrauen nach wie vor das grösste Schadens- und Deliktpotenzial», sagt Arno Thürig, Director Forensic bei KPMG Schweiz.

Die veruntreuten Gelder wurden laut der Studie für ganz unterschiedliche Zwecke verwendet: Im Vordergrund: Der Kauf von Luxusfahrzeugen und die Finanzierung eines aufwändigen Lebensstils. Verbraten wurde das erschwindelte Geld aber auch für Schönheitsoperationen, zur Finanzierung der Spielsucht oder für Besuche im Rotlichtmilieu.

Betrugsbekämpfung nicht effizient

Dass Unternehmen in Sachen Betrugsbekämpfung nicht gut genug aufgestellt sind, weiss Anne van Heerden, Leiterin der Abteilung Forensic bei KPMG Schweiz: «In der momentanen Wirtschaftslage kann sich ein Betrugsfall schwerwiegend auswirken. Viele Firmen ergreifen immer erst nach einem schmerzhaften Betrugsfall präventive Massnahmen». Zwar verfügten viele Unternehmen über ein System von Betrugsprävention, betrieben dieses aber oft dezentral und somit nicht effizient. Das Problem ortet van Heedren in den unterschiedlichen Stellen, die sich gleichzeitig mit im Grunde aber zusammenhängenden Aufgaben befassen. Laut dem Experten bedeutet eine effektive Betrugsprävention jedoch, die Kompetenzen der verschiedenen Abteilungen zu koordinieren, um damit dem Fehlverhalten vorzubeugen.

Nur ein geringer Teil der Wirtschaftsstraftaten gelangt vor Gericht

Nicht alle Fälle von Wirtschaftskriminalität führen zu einer Strafanzeige oder kommen überhaupt vor Gericht. Laut KPMG häufen sich Fälle, bei denen die betroffenen Unternehmen den Sachverhalt intern selber aufarbeiten und ihr Augenmerk ausschliesslich auf die Wiederbeschaffung der entzogenen Mittel richten. Folglich lässt sich die Gesamtzahl der Fälle von Wirtschaftskriminalität in der Schweiz nicht konkret beziffern. Einer Studie aus dem Jahr 2007 zufolge wurden in lediglich 20 Prozent aller Wirtschaftsstraffälle die Justizbehörden eingeschaltet. Sicher ist, dass in der Rezession die Wahrscheinlichkeit zunimmt, dass betrügerische Handlungen aufgedeckt werden, da sich die Unternehmen vermehrt um interne Prozesse kümmern.

Grösster Fall von Geldwäscherei

Laut dem «Fraud Barometer» beschäftigten sich die Gerichte im ersten Halbjahr 2009 auch mit zwei Fällen von Geldwäscherei mit einer Deliktsumme von weit über einer Million Franken. Darunter auch der bislang grösste Fall von Geldwäscherei und organisierter Kriminalität in der Schweizer Geschichte. Vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona mussten im Frühling neun mutmassliche Angehörige der Zigarettenmafia antraben. Verurteilt wegen Unterstützung einer kriminellen Organisation wurden schliesslich aber nur zwei der Angeklagten. Vom Vorwurf der Geldwäscherei wurden alle freigesprochen.

Im «Fraud Barometer» berücksichtigte KPMG Fälle von Betrug und ähnlichen Wirtschaftsdelikten mit einem Schadensbetrag von mindestens 50 000 Franken, welche vor einem Schweizer Strafgericht zur Verhandlung kamen oder angeklagt (rechtshängig) sind.

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