06.04.2020 10:18

Fetische

«Manche fühlen sich durch Schmerzen lebendig»

Felix (28) erregt es, Frauen sein Geld zu geben und dafür erniedrigt zu werden. Es ist sein heimlicher Fetisch. Eine Sexologin beantwortet die wichtigsten Fragen.

von
juu
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Felix (28) hat einen heimlichen Fetisch: Er ist ein sogenannter Geldsklave. Das bedeutet, dass er Frauen dafür bezahlt, dass sie ihn erniedrigen und schlagen. (Hier ein Ausschnitt aus der Netflixserie Bonding, die sich rund um Fetische dreht.)

Felix (28) hat einen heimlichen Fetisch: Er ist ein sogenannter Geldsklave. Das bedeutet, dass er Frauen dafür bezahlt, dass sie ihn erniedrigen und schlagen. (Hier ein Ausschnitt aus der Netflixserie Bonding, die sich rund um Fetische dreht.)

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«Wenn ich ihnen das Geld gebe, fühle ich mich wie ein menschlicher Bankautomat, das törnt mich an», sagt Felix. Die zumeist jungen Frauen findet der Berner über Kontaktanzeigen im Internet. (Symbolbild aus Bonding)

«Wenn ich ihnen das Geld gebe, fühle ich mich wie ein menschlicher Bankautomat, das törnt mich an», sagt Felix. Die zumeist jungen Frauen findet der Berner über Kontaktanzeigen im Internet. (Symbolbild aus Bonding)

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Zu sexuellen Handlungen kommt es laut dem 28-Jährigen in der Regel nicht. «Manchmal erlauben mir die Frauen aber noch, dass ich ihre Füsse küssen darf. Das ist für mich eine tolle Belohnung.» (Symbolbild aus Bonding)

Zu sexuellen Handlungen kommt es laut dem 28-Jährigen in der Regel nicht. «Manchmal erlauben mir die Frauen aber noch, dass ich ihre Füsse küssen darf. Das ist für mich eine tolle Belohnung.» (Symbolbild aus Bonding)

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Da Sexualität genauso individuell wie der Mensch selber ist, gibt es Dutzende Fetische, die weltweit praktiziert werden. Doch einige gelten noch immer als Tabuthemen. Einen davon lebt der 28-jährige Felix* aus. In seiner Freizeit ist er ein sogenannter Geldsklave. Es erregt ihn, fremden Frauen sein Geld zu geben und dafür von ihnen verspottet zu werden. «Ich fühle mich dann wie ein menschlicher Bankautomat, das törnt mich an», sagt Felix. Doch der 28-Jährige steht nicht nur auf den Spott, sondern auch auf Schmerz. «Meine erste Herrin fand ich damals im Internet. Sie war auf Fussfetisch und Ballbusting (in die Hoden treten) spezialisiert. Es hat mich vorher schon gereizt, aber nach der Session wusste ich, dass mich das sehr erregt.»

Doch warum entwickeln Menschen solche Fetische und wieso erregt es sie, wenn ihnen Gewalt widerfährt? Sexualwissenschaftlerin Andrea Burri klärt auf:

Warum fühlen sich Menschen durch Schmerzen und Erniedrigungen erregt?

Schmerz und Erniedrigung sind zwei verschiedene Fetische. Es ist ein Unterschied, ob man ausgepeitscht wird und einem das Unterwürfige gefällt oder ob man Freude am Schmerz an sich hat. Bei Letzterem gibt es Menschen, die sich durch die Schmerzen lebendig fühlen. Es kann aber auch in Richtung Selbsthass und geringes Selbstwertgefühl gehen. Diese Menschen glauben, dass sie die Bestrafung verdienen, weil sie etwa schlechte Menschen sind. Andere stehen auf dem Überraschungseffekt, weil man dem Partner ausgeliefert ist. Das ist aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Warum schämen sich Menschen für ihre sexuellen Neigungen?

Menschen schämen sich dann für ihre sexuellen Neigungen, wenn diese gesellschaftlich nicht so konform sind. Im Prinzip sollte ja alle erlaubt sein, was einem selbst oder anderen nicht schadet oder aufgezwungen wird. Aber wir haben in der Gesellschaft natürlich Vorstellungen, wie Sex zu funktionieren hat. Wenn also jemand bei sich selbst merkt, dass er da etwas aus der Reihe tanzt, kann das ein Schamgefühl verursachen und man hat dann das Gefühl, dass man etwas Verbotenes oder Unnormales macht.

Wie entwickeln sich Fetische?

Man weiss eigentlich nicht, wie Fetische im Allgemeinen entstehen. Das ist von Individuum zu Individuum unterschiedlich. Die meisten gehen allerdings davon aus, dass es so etwas wie prädisponierende Faktoren gibt, also bestimmte Bedingungen, die das Auftreten eines Fetischs begünstigen. Andere Theorien sagen auch, dass man bereits während der Schwangerschaft solche Präferenzen entwickeln kann. Eine weitere ist, dass in der Pubertät ein Reiz mit sexueller Energie gekoppelt wird und sich so konditioniert. Oft merkt man das in der Jugend gar nicht, weil man es nicht wahrhaben will oder nicht realisiert.

*Name geändert.

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