Aktualisiert 13.01.2014 18:22

Dirnen als Dealer«Manche lassen sich beim Sex auf Experimente ein»

Immer wieder landen Männer, die bei Prostituierten Kokain rauchen, bei der Arud, den Zentren für Suchtmedizin. Darunter sind sogar Senioren, wie Arud-Arzt Lars Stark sagt.

von
rom
Gewisse Prostituierte bieten ihren Freiern Drogen aktiv an.

Gewisse Prostituierte bieten ihren Freiern Drogen aktiv an.

Bei der Arud, den Zentren für Suchtmedizin in Zürich, suchen regelmässig Männer Hilfe, die bei Prostituierten auf den Geschmack des Kokainrauchens kamen und abhängig wurden. «Wir kennen das Phänomen seit rund 15 Jahren – es sind aber nur wenige Fälle jährlich», sagt Lars Stark, ärztlicher Leiter des Arud-Zentrums Hauptbahnhof. «Zudem stellen wir keine Zu- oder Abnahme fest.»

Vom Alter her sei der jüngste Klient um die 30 Jahre alt, der älteste pensioniert. Dass keine 20-Jährigen darunter sind, wundert Stark nicht: «Für junge Männer ist die Kombination von Kokain und käuflichem Sex wohl schlicht zu teuer», sagt Stark. Zudem würden sich Probleme auch häufig erst nach einiger Zeit entwickeln.

Mit Backpulver aufgekocht

Das Gefährliche am Kokainrauchen – auch Freebase oder Crack genannt – sei das hohe Abhängigkeitspotenzial. «Man ist sehr schnell süchtig danach», sagt Stark. «Soviel ich weiss, wird das Kokain meist mit Backpulver aufgekocht und dann sofort mit einer Pfeife oder Folie geraucht.»

Unter den Männern, die Crack bei Prostituierten konsumieren, seien solche, die Kokain vorher schon gekannt haben. «Es gibt aber auch andere, die es dort zum ersten Mal ausprobieren», sagt Stark. «Beim Sex verlieren manche eben ihre Hemmungen und lassen sich auf Experimente ein.» Zudem würde die Droge von den Prostituierten teils aktiv angeboten.

Zunächst verheimlicht

Anfänglich könnten diese Männer ihre Sucht noch verheimlichen – etwa vor ihrer Partnerin. «Doch irgendwann fehlen sie am Arbeitsplatz oder haben massive finanzielle Probleme», sagt Stark. «Spätestens dann suchen sie Hilfe, unter anderem bei uns.» Die Arud behandle sie ambulant wie andere Suchtkranke auch. Dazu gehörten regelmässige Gespräche – wie gehe ich mit dem Verlangen nach Crack um? Wie kann ich widerstehen? In manchen Fällen sei zudem ein Klinikaufenthalt nötig.

Trotz Entzug – eine Rückfallgefahr besteht gemäss Stark immer wieder. «Das ist nicht anders als bei anderen Drogen – auch damit muss ein Klient lernen umzugehen.»

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