SBB-Putzpersonal: «Manche müssen während der Arbeit erbrechen»

Aktualisiert

SBB-Putzpersonal«Manche müssen während der Arbeit erbrechen»

Mitarbeiter der SBB-Reinigung sind sauer, weil ein Lohnzuschlag für schwere Arbeiten wegfällt.

von
S. Strittmatter
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Reinigungsmitarbeiter der SBB bekamen bis anhin eine Zulage für Arbeiten, die besonders schwer oder unangenehm sind.

Reinigungsmitarbeiter der SBB bekamen bis anhin eine Zulage für Arbeiten, die besonders schwer oder unangenehm sind.

Keystone/Martin Ruetschi
So gab es für die Entfernung von Graffiti im Wageninneren ...

So gab es für die Entfernung von Graffiti im Wageninneren ...

Keystone/Martin Ruetschi
... oder für die Reinigung von Zugtoiletten eine sogenannte «Arbeitserschwerniszulage».

... oder für die Reinigung von Zugtoiletten eine sogenannte «Arbeitserschwerniszulage».

Keystone

Es geht um 1.45 Franken pro Stunde. Diesen Betrag bekamen Reinigungsmitarbeiter der SBB bis anhin zusätzlich zu ihrem Stundenlohn, wenn sie hässliche Zug-WCs reinigen oder Graffitis im Innern eines Wagen entfernen mussten. Seit Anfang Jahr wird diese «Arbeitserschwerniszulage» jedoch nicht mehr ausbezahlt.

Für die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) ist das nicht tolerierbar: «Das Reinigungspersonal verdient ohnehin von allen Mitarbeitern am wenigsten. Die SBB spart hier also bei den tiefsten Einkommen», sagt Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni. Gemäss einem Bericht der SEV sparen die SBB mit dieser Neuregelung 200'000 Franken im Jahr. Betroffen seien 510 Personen mit einem Jahreseinkommen zwischen 42'000 und 62'000 Franken.

Der Gestank ist am schlimmsten

Eine davon ist C.L.*. Der 42-Jährige arbeitet seit bald zehn Jahren bei der SBB. Zu seinen täglichen Aufgaben gehört das Putzen der Zugs-WCs. Diese seien in der Regel nicht arg verschmutzt, doch gebe es immer wieder Einzelfälle, die «krass» seien: «Ich kann es nicht anders ausdrücken, aber manchmal ist alles voll Scheisse.» Insbesondere an Wochenenden finde er auch Kabinen voller Erbrochenem vor.

Die Putzarbeit erfolgt ohne Hilfsgeräte, «mit Handschuhen, Lumpen und viel Willensstärke», wie C.L. sagt. Das Schlimmste an dieser Arbeit sei der Gestank, es komme aber auch vor, dass ihn nach Feierabend Bilder von Fäkalien und Erbrochenem verfolgten. «Ich fühle mich dann nicht dreckig, aber irgendwie unwohl.» Er habe aber auch Kollegen, die weniger abgehärtet seien: «Manche müssen während der Putzarbeit selber erbrechen.»

«Ich weiss, dass das zu unserer Arbeit gehört», sagt C.L. Aber seit die kleine Zulage weggefallen sei, spüre er weniger Motivation im Team. Sein Kollege A.G.*, der seit drei Jahrzehnten bei der SBB angestellt ist, spricht von einer «Sauerei». Bei vielen seiner Kollegen entfallen nun rund 50 Franken pro Monat: «Für uns ist das ein grosser Betrag.»

Übergangslösung vorgesehen

Die SBB betont, dass per 1. 1. 2018 für die Funktion Cleaning das Lohnband angehoben wurde. Die Mitarbeiter in der untersten Lohngruppe seien dadurch in die nächsthöhere gerutscht. Zudem sei für das laufende Jahr eine Übergangslösung vorgesehen, für die mit den Sozialpartnern Gespräche geführt würden. Die Toiletten in den Zügen sauber zu halten, sei eine «Sisyphus-Aufgabe», die von den Cleaning-Mitarbeiter professionell erledigt werde.

*Name der Redaktion bekannt

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