Aktualisiert 02.03.2017 17:48

Singender Tram-Chauffeur

«Manche Passagiere schütten mir ihr Herz aus»

Der Basler Christof Meissburger ist mehr als ein Tram-Chauffeur: Fahrgäste teilen ihre Freuden und Leiden mit ihm und erfreuen sich an seinen Stationsansagen.

von
las

Christof Meissburger ist ein Unikat unter den Tram-Wagenführern von Basel. Wer des öfteren im städtischen ÖV-Netz unterwegs ist, kennt seine Stimme. Denn der 56-Jährige sagt alle Stationen mit ihren Anschlüssen selber an und singt diese sogar vor, wenn es sich anbietet – wie etwa bei der Haltestelle Musikakademie.

Bei seiner Ausbildung zum Trämmler vor 30 Jahren war dies noch gang und gäbe. Als die automatischen Durchsagen kamen, sah Meissburger keinen Grund, eine Ansagen einzustellen. «Ich mache das aus Leidenschaft», sagt er. In seiner Zeit bei den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB) habe sich zwar vieles verändert – es gibt weniger Trammodelle und die neuen seien einfacher zu fahren – doch die Freude an seinem Beruf sei geblieben.

Ein besonderes Fahrerlebnis

Für viele Fahrgäste ist Meissburger mehr als ein Tramfahrer. So lässt er regelmässig das Fenster zur Fahrerkabine offen, um ein paar Worte mit seinen Passagieren zu wechseln. Jene, die regelmässig mit ihm fahren, kennen ihn und grüssen freundlich. «Andere schütten mir ihr Herz aus», erzählt Meissburger. Dadurch kennt er die Freuden und Leiden vieler Menschen, die er an ihr Ziel bringt.

Am meisten schätzt er an seinem Job das frühe Losfahren und das er im Führerstand sein eigener Herr ist. «Wenn das Trassee bei Sonnenaufgang noch halb im Nebel liegt, ist das immer etwas Besonderes», so Meissburger. Aber auch die Veränderungen der Stadt gehen nicht spurlos an ihm vorbei. Vor allem die zunehmende Anzahl der Wildtiere ist ihm aufgefallen. «Auf dem Bruderholz leben Füchse und Dachse. Die Mütter sammeln ihre Jungen immer schnell ein, wenn das Tram kommt», erzählt er.

Vom Gesangsunterricht zur BVB

Zum Singen kam Meissburger, weil er als junger Mann Gesangsunterricht nahm. Doch aus der Karriere wurde nichts und er bemühte sich um eine Stelle im Verkauf. Jahre später kam er zur BVB, wo er seine zweite Berufung fand, ohne auf die erste verzichten zu müssen. «Manche Stationen bieten sich einfach an, um gesungen zu werden», sagt er. In einem Chor ist er zwar nicht tätig, für ein paar Strophen in der Dusche reiche es aber durchaus.

Auf die Fasnacht freut sich Meissburger besonders: «Ich war früher aktiv. Zuerst habe ich bei der Guggemuusig Räpplispalter Sousaphon gespielt, später war ich bei der Spale-Clique im Vortrab.» Dieser Tage gönnt er sich gerne einen Abend in einem Fasnachts-Keller, wenn sein Arbeitsplan es zulässt.

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