Freundschaftsforscher: «Manche sind mit nur einem Freund zufrieden»

Aktualisiert

Freundschaftsforscher«Manche sind mit nur einem Freund zufrieden»

Neue Freunde verdrängen alte, so eine neue Studie. Grund: Sie binden Zeit und Emotionen. Wer seine besten Freunde zu selten sieht, verliert sie, so Freundschaftsforscher Mitja Back.

von
hal
Eine beste Freundin oder lieber zehn? Die Zahl der Freunde hängt von der Persönlichkeit ab.

Eine beste Freundin oder lieber zehn? Die Zahl der Freunde hängt von der Persönlichkeit ab.

Herr Back, wie viele Freunde brauchen wir?

Mitja Back: Das ist individuell. Es gibt Leute, die mit einem oder zwei engen Freunden zufrieden sind. Andere haben bis zu zehn. Und beide können damit glücklich sein – wichtig ist einfach, dass sie so viele Freunde haben, wie sie sich wünschen.

Die Studie von Robin Dunbar zeigt, dass wir nur eine begrenzte Zahl von Freunden haben können und neue beste Freunde immer alte ersetzen. Weshalb?

Weil Freunde nicht «gratis» sind: Es braucht Zeit und emotionale Ressourcen und enge Freundschaften zu pflegen. Man trifft sich oder telefoniert regelmässig.

Auf Facebook haben wir im Schnitt 342 Freunde. Zählen die nicht?

Die heissen zwar Freunde, die meisten von ihnen sind aber eher Bekannte. Über sie will man primär an Informationen kommen und andere Leute kennen lernen, die einem beispielsweise beruflich etwas bringen können.

Müssen einem auch beste Freunde etwas bringen?

Ja, positives Feedback stärkt das Selbstbewusstsein. Und Freunde unterstützen uns konkret und emotional: Man kann zu ihnen gehen, wenn es einem schlecht geht oder wenn man handfeste Hilfe braucht. Das beruht bei engen Freundschaften im Gegensatz zu Bekanntschaften aber auf Gegenseitigkeit.

Muss man gute Freunde täglich sehen?

Nein. Man kann auch eine enge Freundschaft pflegen, wenn man sich nur jedes halbe Jahr sieht. Allerdings ist zentral für eine enge Freundschaft, dass man etwas miteinander teilt und sie deshalb regelmässig auffrischt. Wenn man sich zu selten sieht, ersetzt man die Freunde irgendwann durch neue. Das sieht man am Beispiel der Schulfreunde, die man irgendwann aus den Augen verliert.

Haben Frauen mehr Freunde als Männer?

Nein, nicht unbedingt. Aber die Funktionen sind im Durchschnitt unterschiedlich: Freundinnen wollen vor allem über Probleme sprechen. Männer helfen einander eher bei konkreten Vorhaben und teilen gewisse Tätigkeiten, wie zum Beispiel Fussball schauen. Das sind aber nur Mittelwerte. Die Unterschiede innerhalb der Geschlechter sind grösser als jene zwischen Frauen und Männern.

Haben Junge mehr gute Freunde als Ältere?

Tendenziell schon. In der Jugend sind Freunde sehr wichtig. Später werden sie teilweise durch den Partner abgelöst. Wie lange man jemanden kennt, ist hingegen nicht so wichtig: Enge Freunde kann man am ersten Tag finden – und ein Leben lang behalten.

Der Freundschaftsforscher Mitja Back ist Professor für Psychologie an der Universität Münster (D).

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