Johann Schneider-Ammann: «Manche Studenten kommen ins Jammern»
Aktualisiert

Johann Schneider-Ammann«Manche Studenten kommen ins Jammern»

Nach dem 20-Minuten-Live-Chat zur Stipendieninitiative zieht Johann Schneider-Ammann Bilanz – und erzählt von Begegnungen mit betroffenen Studenten.

von
J. Büchi/ S. Marty
1 / 8
Bildungsminister Johann Schneider-Ammann (FDP) bekämpft die Stipendien-Initiative. Er sagt: «Das Stipendienwesen war eine grössere Baustelle. Seitdem das Stipendienkonkordat 2013 in Kraft getreten ist, ist diese aber beseitigt.»

Bildungsminister Johann Schneider-Ammann (FDP) bekämpft die Stipendien-Initiative. Er sagt: «Das Stipendienwesen war eine grössere Baustelle. Seitdem das Stipendienkonkordat 2013 in Kraft getreten ist, ist diese aber beseitigt.»

Stevan Bukvic/ Tilllate.com
Im Interview erzählt der Bundesrat von seinen Begegnungen mit Studierenden im Rahmen des Abstimmungskampfs: «Man hört sicher zuerst jene, die das Gefühl haben, sie würden zu wenig gut unterstützt. Sie argumentieren beispielsweise, im Ausland sei alles viel besser, und kommen so manchmal tatsächlich etwas ins Jammern. Aber ich traf auch ganz viele , die sagten: Wir können uns zwar nicht alles leisten, aber wir können unseren Lebensunterhalt mit einem Nebenjob gut bestreiten.»

Im Interview erzählt der Bundesrat von seinen Begegnungen mit Studierenden im Rahmen des Abstimmungskampfs: «Man hört sicher zuerst jene, die das Gefühl haben, sie würden zu wenig gut unterstützt. Sie argumentieren beispielsweise, im Ausland sei alles viel besser, und kommen so manchmal tatsächlich etwas ins Jammern. Aber ich traf auch ganz viele , die sagten: Wir können uns zwar nicht alles leisten, aber wir können unseren Lebensunterhalt mit einem Nebenjob gut bestreiten.»

Stevan Bukvic/ Tilllate.com
Davor beantwortete Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Live-Chat Fragen der 20-Minuten-Leser zur Stipendien-Initiative. «Die Stipendien-Initiative bringt nach Rechnung der Initianten Mehrkosten von 450 bis 500 Millionen Franken. Das Parlament wäre gezwungen, riesige Summen zu kompensieren. Dies müsste mit grösster Wahrscheinlichkeit andernorts in der Bildung geschehen», sagt er im Chat.

Davor beantwortete Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Live-Chat Fragen der 20-Minuten-Leser zur Stipendien-Initiative. «Die Stipendien-Initiative bringt nach Rechnung der Initianten Mehrkosten von 450 bis 500 Millionen Franken. Das Parlament wäre gezwungen, riesige Summen zu kompensieren. Dies müsste mit grösster Wahrscheinlichkeit andernorts in der Bildung geschehen», sagt er im Chat.

Stevan Bukvic/ Tilllate.com

Herr Bundesrat, wie haben Sie Ihren ersten Live-Chat erlebt?

Es war ein spannender, guter, direkter Dialog. Man merkt, dass sich die Leser Gedanken machen. Interessant war etwa die Frage, ob zinslose Darlehen eine Alternative zu Stipendien wären. Manche Bürger befürchten offenbar, die Studenten könnten zu leicht zu Geld kommen oder zu grosszügige Geschenke erhalten.

Viele Chat-Teilnehmer bekundeten allerdings auch Sympathien für die Stipendieninitiative. Und die bisherigen Abstimmungsumfragen attestieren der Initiative ebenfalls gewisse Erfolgschancen …

Abgestimmt wird am 14. Juni. Bis dahin müssen wir den Bürgern aufzeigen, dass die Kantone bereits weitgehend erfüllen, was die Initianten verlangen. Im Stipendienkonkordat, dem bald 17 Kantone mit fast 90 Prozent der Studenten angehören, ist ein Minimalstipendium von 16'000 Franken im Jahr vorgesehen. Das ist finanzierbar – durch die Kantone und die Unterstützung des Bundes. Die Initiative brächte hingegen enorme Mehrkosten von 450 bis 500 Millionen Franken, weil sowohl die Stipendienbeiträge als auch die Empfängerquoten steigen würden. Um das bezahlen zu können, müsste der Bund kompensieren: Indem man beispielsweise in der Berufsbildung spart. Und das kann niemand wollen.

Warum hält der Studentenverband denn an seiner Initiative fest, wenn die Forderungen bereits erfüllt sind? Jammern die Studenten einfach gerne?

Ich stand in den letzten Wochen mit zahlreichen Studierenden im Kontakt. Man hört sicher zuerst jene, die das Gefühl haben, sie würden zu wenig gut unterstützt. Sie argumentieren beispielsweise, im Ausland sei alles viel besser, und kommen so manchmal tatsächlich etwas ins Jammern. Aber ich traf auch ganz viele , die sagten: Wir können uns zwar nicht alles leisten, aber wir können unseren Lebensunterhalt mit einem Nebenjob gut bestreiten. So sollte es sein: Eigenleistung der Studenten, Unterstützung der Familie – und wenn es nicht reicht, springt der Staat mit den Stipendien ein. So hat heute in der Schweiz generell jeder die Chance zu studieren, der dafür qualifiziert ist.

In der Westschweiz sind die Stipendien tendenziell höher als in der Deutschschweiz. Auch die Zustimmung zur Initiative ist Umfragen zufolge höher. Ist Bildung in der Romandie mehr wert?

Das glaube ich nicht. In der Romandie ist vielleicht die Überzeugung verbreiteter, der Staat könne es besser richten. Gerade deshalb betreiben wir auch in der Westschweiz engagierte Informationsarbeit.

Genügt die Kampagne der Gegner, um die Initiative zu bodigen? Das Gegenkomitee war in der Öffentlichkeit bislang kaum präsent …

Man kann immer mehr machen. Das Komitee ist aktiv, es wird auch gezielt im studentischen Umkreis informiert. Aber die Stipendieninitiative steht sicher im Schatten anderer Abstimmungsthemen. Die finanziellen Mittel für die Kampagne sind limitiert. Ich engagiere mich bis zum Schluss und bin sicher, dass unsere Argumente überzeugen.

Wenn nicht in der Stipendienvergabe – wo sehen Sie dann heute die grössten Baustellen in unserem Bildungswesen?

Wir haben ein sehr gutes Bildungssystem. Es hat eine hohe Durchlässigkeit und ist zweigleisig aufgebaut: Wir haben die einzigartige Berufsbildung und hervorragende Hochschulen. Das Stipendienwesen war eine grössere Baustelle. Seitdem das Stipendienkonkordat 2013 in Kraft getreten ist, ist diese aber beseitigt. Ein Blick ins Ausland zeigt: In gewissen Nachbarländern bekommen die Studenten zwar mehr Stipendien. Dort ist die Arbeitslosenquote unter Studierten allerdings sehr hoch. Bei uns ist die Jugendarbeitslosigkeit mit 3,1 Prozent hingegen ausserordentlich tief. Fast jeder findet einen Job und damit eine Perspektive. Das zeigt, wie erfolgreich unser Bildungswesen ist.

Deine Meinung