Aktualisiert 26.02.2020 23:08

Champions League

Manchester Citys Traum lebt

Die Engländer gehen bei Real Madrid in Rückstand. Doch dann dreht das Team von Pep Guardiola die Partie und gewinnt 2:1.

von
Dominic Wuillemin

Endlich ist Feuer drin: Real erkämpft im Mittelfeld den Ball, der schnelle und wirblige Vinícius Júnior findet links für einmal Platz vor, er legt quer auf Isco, der aus kurzer Distanz und freistehend City-Torhüter Ederson bezwingt. Das 1:0 Reals in der 60. Minute ist kein Tor, das sich abgezeichnet hat. Das Heimteam agierte im Santiago Bernabéu bis dahin vorsichtig, es ist City, das besser aus der Pause gekommen ist. Momente vor dem Gegentor kam Riyad Mahrez zweimal gefährlich zum Abschluss.

Doch das 1:0 gibt dem Heimteam Auftrieb, plötzlich ist Stimmung im Stadion, das kontrollierte Ballgeschiebe weicht einem Schlagabtausch. Sergio Ramos, eigentlich Abwehrchef bei Real, taucht im gegnerischen Strafraum auf, sein Volley fliegt knapp über das Tor. Real ist einem komfortablen Heimsieg nahe, der stolzen Premier League droht erneut eine Schlappe: Tottenham, Chelsea und Liverpool haben ihre Achtelfinal-Hinspiele allesamt verloren und dabei kein einziges Tor erzielt.

Der Rekurs

Dazu kommt, dass Mitte Februar bekannt wurde, dass City von der Uefa wegen «schwerwiegender Verstösse» gegen die Regeln des Financial Fairplay für die kommenden zwei Saisons aus dem Europacup ausgeschlossen worden sind. City hat gestern einen Rekurs beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne Rekurs eingereicht. Es sei noch nicht möglich anzugeben, wann eine Entscheidung in dem Verfahren getroffen werde, hiess es in der Mitteilung.

Das Urteil, das wie ein Damoklesschwert über dem Club schwebt, verstärkt die Dringlichkeit, nach Jahren des teuren und vergebenen Versuchens endlich die Champions League zu gewinnen. Zumal City in der Premier League schon 22 Punkte hinter Liverpool liegt.

Guardiola begegnet der Aufgabe, in dem er Gabriel Jesus für Sergio Aguero in die Sturmspitze beordert und am Flügel Mahrez dem wieder genesenen Raheem Sterling vorzieht. Es dauert zwanzig Minuten, bis die Engländer ihren ersten Angriff zustande bringen. Jesus scheitert aus kurzer Distanz am stark reagierenden Real-Goalie Thibaut Courtois. Das als Leckerbissen des europäischen Fussballs angekündigte Duell schmeckt zäh wie ein Stück Fleisch, das zu lange auf dem Grill lag. Karim Benzema kommt für das Heimteam einmal gefährlich zum Kopfball, und als die erste Halbzeit fast schon beendet ist, kann Jesus beinahe von einer Unsicherheit Courtois' profitieren.

Die Reaktion

Es braucht schon ein Tor, damit die Physiognomie des Spiels verändert wird. Und City fängt sich nach Minuten des Taumelns, ausgerechnet Jesus ist es, der nach Vorlage des einmal mehr überragenden Kevin De Bruyne das 1:1 erzielt. Der Schachzug Guardiolas geht auf. Der Spanier ballt die Fäuste.

Die Laune des Trainers wird noch besser, kurz darauf fällt der eingewechselte Sterling im Strafraum, De Bruyne verwandelt den Elfmeter. 2:1, Real hat innert Minuten völlig die Kontrolle über das Spiel verloren. Dazu passt, dass die Madrilenen kurz darauf auch noch ihren Captain Ramos verlieren, er sieht für eine Notbremse die Rote Karte. Die Aussichten auf ein Weiterkommen sind für Manchester City nun mehr als intakt, der Traum vom Triumph in der Champions League lebt. Derweil droht Reals Trainer Zinedine Zidane nach 12 erfolgreichen K.o.-Runden mit den Königlichen das erstmalige Ausscheiden. Das Rückspiel Mitte März ist lanciert.

Juventus zu schwach für Lyon

Immer wieder fing die Kamera Cristiano Ronaldo ein, den verzweifelten Blick des Portugiesen. Es war einer dieser Abende, an denen nichts zu klappen schien. Er hämmerte einen Freistoss in die Mauer, er verlor den Überblick bei einer Tanzeinlage oder wurde im Sturm von seinen Kollegen nicht gefunden. Und als wäre das nicht alles schon schlimm genug gewesen, waren es die Gegenspieler, die jubeln durften.

Die Highlights der Partie zwischen Lyon und Juventus. (Video: Teleclub)

Juventus Turin fand in der Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Olympique Lyon erst in der Schlussphase den Rhythmus, agierte davor im Angriff oft pomadig, ohne Konzept und Tempo. So konnte das natürlich nichts werden, trotz Superstar im Sturm. Auf der anderen Seite waren es die Franzosen, die mit wenigen Chancen gefährlich wurden. In der 31. Minute war es Lucas Tousart, der im Strafraum nach einem Angriff über den linken Flügel vergessen wurde. Der Franzose musste nur noch den Fuss hinhalten. Die Spieler feierten sich, die Fans jubelten, und Cristiano Ronaldo stand weit weg und konnte es nicht fassen.

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