Doktor Sex: Wie kann man starke Eifersucht überwinden?

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Doktor Sex«Manchmal denke ich, es wäre besser, die Beziehung zu beenden!» 

Eigentlich möchte Seraina ihrem Freund vertrauen, aber die Eifersucht steht ihr im Weg. Was kann sie tun, um diese unangenehmen Gefühle abzulegen und die Beziehung zu geniessen?

von
Bruno Wermuth
Seraina (32) ist wahnsinnig eifersüchtig, will ihrem Freund aber mehr Freiraum geben. Dr. Sex weiss Rat.

Seraina (32) ist wahnsinnig eifersüchtig, will ihrem Freund aber mehr Freiraum geben. Dr. Sex weiss Rat.

Unsplash / Tamara Bellis

Frage von Seraina (32) an Doktor Sex

Antwort von Doktor Sex

Liebe Seraina

Ob und wie jemand misstrauisch oder eifersüchtig ist, hängt weitgehend von den frühen Beziehungen in der Kindheit und Jugend ab. Und davon, wie die betroffene Person diese Verbindungen – die ja meist von Abhängigkeit gekennzeichnet sind – erlebt hat und welche Prägungen sie hinterlassen haben.

Es geschieht, dass Menschen durch ihr augenblickliches Erleben emotional mit einem Vorfall aus der Vergangenheit verbunden werden. Das funktioniert mit unangenehmen Wahrnehmungen wie Angst, Wut oder Eifersucht genauso wie mit positiven wie Freude, Glück und Leichtigkeit.

Weil sich die Person, die dies erlebt, dem Zusammenhang zwischen Gegenwart und Vergangenheit nicht bewusst ist, glaubt sie, die Emotionen seien ursächlich auf die aktuell erlebte Situation zurückzuführen. Deshalb bekämpft sie das Verhalten der als Verursacher wahrgenommenen Person. Für letztere ist diese Reaktion häufig nicht nachvollziehbar. Sie staunt, dass das Gegenüber sich so verhält, und reagiert oft ebenso ungehalten auf das in ihren Augen völlig unangemessene Misstrauen mit Unverständnis und Empörung.

Manche Paare verstricken sich tief in dieses emotionale Ping-Pong und nicht selten führen Ohnmachtsgefühle und Erschöpfung, die als Folge solcher endlosen Streitereien entstehen, dazu, dass der eine oder die andere den Bettel hinschmeisst und aus der Beziehung austritt.

Der erste und gleichzeitig wohl auch wichtigste Schritt zur Veränderung ist, voll und ganz die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Also damit aufzuhören, mit äusseren Umständen zu hadern und diese für das eigene Leid verantwortlich zu machen. Denn solange man sich als «Opfer» erlebt, ist man versucht, die Lösung beim «Täter», also draussen in der Welt, zu suchen.

Indem du eine Therapie machst, hast du diesen Weg bereits eingeschlagen. Bedenke aber, dass das Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht. Nutze die Beziehung zu deinem Freund für deinen Prozess, indem du ihn involvierst. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, einzelne Therapiesitzungen in seiner Anwesenheit abzuhalten und darin aktuelle Vorfälle zu thematisieren?

Alles Gute!

Bist du eifersüchtig?

Deine Frage an Doktor Sex

Bruno Wermuth führt in eigener Praxis in Bern und Zürich Paarberatung und Sexualberatung durch. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sexualität. www.brunowermuth.ch

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Tschau, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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