Jaël Krebs: «Manchmal fühl ich mich wie ein Pokal»
Aktualisiert

Jaël Krebs«Manchmal fühl ich mich wie ein Pokal»

Jaël Krebs von Lunik mag es nicht, wenn sich Freunde mit ihr schmücken. Und eitel ist sie, aber nur bei der Arbeit.

von
Martin Fischer

Jaël, du bist Luniks ­Gesicht, die schöne Frontfrau. Wie eitel bist du?

Jaël Krebs: Ich bin sehr eitel. Aber nur wenn ich arbeite, also auf der Bühne oder bei Shootings. Zu Hause überhaupt nicht. Auf einer Eitelkeitsskala von 1 bis 10 gibt das dann wohl im Schnitt etwa eine Sieben.

Geniesst du die Aufmerk­samkeit, die du bekommst?

Klar, bei Konzerten schon. Wenn ich aber in einer Bar bin und die Leute neben mir plötzlich ganz laut über Lunik reden, dann nervt es. Oder wenn ich mit meiner Mama Kaffee trinken gehe. Dann will ich Ruhe.

Bleibst du auch mal zu Hause, weil du keine Lust darauf hast, erkannt zu werden?

Das kommt vor, ja. Ich gehe deswegen abends auch nicht mehr so gern aus.

Schlechte Erfahrungen?

Ich war auch schon zu Partys eingeladen, wo ich plötzlich hörte: «Du hast doch gesagt, die von Lunik kommt noch. Wo ist sie?» Dann frage ich mich, ob ich für diese Leute wirklich eine Freundin bin. Oder eher ein Pokal, den man irgendwo schön hinstellen kann.

Auf der Bühne giltst du als scheues Mädchen mit Mikro.

Das war vor allem am Anfang so. Ich war damals sehr unsicher.

Wieso?

Ich hatte so viele Zweifel! An meinem Aussehen, meinem Songwriting und Gesang, an allem.

Dabei hörst du bestimmt die ganze Zeit, wie hübsch du bist und wie toll deine Stimme ist ...

Inzwischen bin ich selbstbewusster geworden. Ich merke, dass ankommt, was ich mache. Nach so vielen guten Kritiken kann ich nicht mehr sagen, ich könne nichts.

Also ist die scheue Jaël Vergangenheit?

Das ist schon auch ein Teil von mir. Aber heute sage ich: Schaut, das bin ich und das kann ich. Mehr habe ich nicht.

Deine Texte sind meist traurig. Ist dein Leben so schlimm?

Überhaupt nicht. Aber ich kaue auf allem sehr lange rum. Eine Trennung kann da durchaus 20 Songs ergeben (lacht).

Apropos: Was funkelt denn da für ein Ring an deinem Finger?

Der ist von meinem Grosi. Der Diamant soll mir Liebesglück bringen.

Und wirkt er?

Ja! Seit ich den Ring erhalten habe, stehts bei mir richtig gut um die Liebe.

Wovon träumst du?

Mit Lunik freue ich mich einfach auf dieses Jahr. Unser Album erscheint

in Europa, hoffentlich klappts auch in Übersee. Sehr aufregend!

Klingt bescheiden. Wie wärs mit einer Chartsplatzierung in England?

Ich bin zu lange Musikerin, um mir irgendwelche Ziele zu setzen. Es kommt eh immer anders.

Du bist Bern immer treu geblieben. Kein Bock auf Berlin oder New York?

Ich will einfach nicht weg. Es ist toll, auf Tour zu gehen. Aber ich komme so gern heim. An die Aare. Und morgens kann ich joggen gehen, ohne überfallen zu werden (lacht).

Wie hast du es eigentlich mit deiner Schweizer Frauen-Konkurrenz? Lea Lu, Sophie Hunger & Co.?

Ich finde sie eine Bereicherung für unser Land.

Also willst du hier keinen Beef anzetteln.

Nein, sicher nicht. Solange die Girls nett sind zu mir, finde ich das toll.

Und, sind sie das?

Naja, nicht alle ...

Drei Jahre nach dem Nummer-eins-Album «Preparing to Leave» sind Lunik zurück. Die Berner haben ihr Rezept verfeinert, aber nicht geändert: Jaëls Stimme schwebt süss und warm über elf ausgewogene Pop-Nummern hinweg. Handgemacht, ganz ohne Elektronik. Geht runter wie Öl und sättigt wohlig. (Sony)

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