Aktualisiert 27.06.2014 16:10

Mutter von Bumerang-Kindern«Manchmal nervt es, Hotel Mama zu spielen»

Branka Cei (52) ist Mutter von 21-jährigen Drillingen. Zwei von ihnen sind ausgezogen - und nach zerbrochener Liebe wieder nach Hause gekommen.

Immer mehr erwachsene Kinder kehren zu ihren Eltern zurück, nachdem sie ausgezogen sind. Ist es die Pflicht der Eltern, sie wieder aufzunehmen?

Natürlich! Man hat sie schliesslich im Bauch getragen. Mir käme es nie in den Sinn, meinen Kindern nicht zu helfen. Auch meine Kinder würden mich nie hängen lassen.

In welchem Alter sind Sie selber ausgezogen?

Ich bin mit 17 ausgezogen, weil ich mich mit meinem Stiefvater überhaupt nicht verstanden habe.

Ihre 21-jährigen Drillinge leben bei Ihnen zu Hause.

Mein Sohn Renato ist noch gar nie ausgezogen. Meine Töchter Debora und Chiara dagegen sind beide mit 18 mit ihren Freunden zusammengezogen. Als die Beziehungen in die Brüche gingen, sind sie wieder zu mir zurückgekehrt. Chiara hat jetzt eine eigene Wohnung. Sie haben gemerkt, dass das Leben da draussen teuer ist und sie oft allein sind.

Waren sie froh, dass die Kinder wieder eingezogen sind?

Als ich im fünften Monat mit den Drillingen schwanger war, starb mein Mann bei einem Autounfall. Wir hatten uns so auf die Kinder gefreut. Deshalb geniesse ich die Momente mit meinen Kindern umso mehr. Ich weiss, dass jeder Tag der letzte sein könnte. Ausserdem habe ich ja nicht 20 Jahre in meine Kinder investiert, um dann zu hoffen, dass sie bald ausziehen. Wir wohnen sehr schön, haben genug Platz, und ich geniesse es, am Leben meiner Kinder teilzuhaben.

Verwöhnen Sie Ihre Kinder?

Oh ja, sie leben wie im Schlaraffenland. Schliesslich ist das Leben hart genug. Ich koche für sie und bringe ihnen sonntags manchmal das Frühstück ans Bett. Ich mache ihre Wäsche, schminke und frisiere oft meine Töchter. Sie dürfen ihre Freunde nach Hause bringen. Es gibt aber auch Regeln. So mussten sie ihre Ausbildung gut machen, sonst hätte es Probleme gegeben.

Wird Ihnen das nie zu viel?

Doch. Manchmal nervt es, Hotel Mama zu spielen. Vor allem mein Sohn ist ein totaler Pascha und lässt alles herumliegen. Für diesen Extra-Service bezahlt er 100 Franken mehr an die Miete als seine Schwestern. Manchmal wird er frech und fragt, warum ich sein Hemd noch nicht gebügelt habe. Seit einiger Zeit kritisiert er meine Gewohnheiten, etwa wenn ich spät abends noch Kaffee trinke oder rauche. Vielleicht wird es Zeit, dass er sich mal eine eigene Wohnung sucht (lacht). Nach seiner Zusatzlehre wird er das wohl auch machen.

Wertschätzen Ihre Kinder Ihre Arbeit?

Auf jeden Fall. Sie haben mir zum 50. Geburtstag 50 Rosen geschenkt. Sie bringen mir oft den Kaffee ans Bett. An meinem Hochzeitstag kommen die Kinder mit mir essen und bringen auch sonst oft kleine Geschenke mit. Im Alltag leben wir aneinander vorbei. Aber das ist normal.

Wie lange dürfen Ihre Kinder bei Ihnen wohnen?

Ich würde meine Kinder nie dazu auffordern, das Haus zu verlassen. Sie dürfen immer ins Nest zurückkehren. Hätte ich viel Geld, würde ich uns ein grosses Haus kaufen, wo ich mit den künftigen Familien meiner Kinder zusammenleben würde. Jeder hätte sein eigenes Leben, aber abends käme man zusammen und ich würde für alle kochen.

Die Realität sieht aber oft anders aus. Viele erwachsene Kinder haben nicht mehr viel mit ihren Eltern zu tun.

Es gibt Kinder, die sich nur an Feiertagen und am Geburtstag bei den Eltern melden. Eltern, die es aber kaum erwarten können, bis ihre Kinder endlich ausziehen, müssen sich auch nicht wundern, wenn sie später nicht besucht werden.

Würden Sie im Alter gern bei Ihren Kindern einziehen, statt ins Altersheim zu gehen?

Das würde ich von meinen Kindern nicht verlangen. Ich will ihnen nicht zur Last fallen. Meine Tochter Debora hat mir allerdings gesagt, dass sie mich aufnehmen würde.

Schätzen Schweizer die Familie zu wenig?

Ich als Kroatin habe den Eindruck, dass sich Schweizer eher abgrenzen und ihnen ihre Unabhängigkeit sehr wichtig ist. Viele stehen finanziell sehr gut da, aber sie unterstützen ihre Kinder trotzdem nicht. Dabei kann das Leben doch schon morgen vorbei sein.

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