Bülach: «Manchmal roch es komisch nach Gras»
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Bülach«Manchmal roch es komisch nach Gras»

Auf dem Bülacher Areal, auf dem die Polizei eine riesige Indoor-Hanfanlage ausgehoben hat, hatte es im November gebrannt. Ist das den Hanfzüchtern zum Verhängnis geworden?

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som
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Im Bülacher Industriegebiet Herrenwiesen betrieben Profi-Hanf-Bauern eine Indoor-Anlage mit 10'000 Pflanzen.

Im Bülacher Industriegebiet Herrenwiesen betrieben Profi-Hanf-Bauern eine Indoor-Anlage mit 10'000 Pflanzen.

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Am 28. Januar schlug die Polizei zu.

Am 28. Januar schlug die Polizei zu.

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Auf zwei Stockwerken stellte sie rund 10'000 Pflanzen sowie die gesamte technische Einrichtung sicher. Zwei Personen wurden verhaftet.

Auf zwei Stockwerken stellte sie rund 10'000 Pflanzen sowie die gesamte technische Einrichtung sicher. Zwei Personen wurden verhaftet.

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Das Industriegebiet Herrenwiesen am Stadtrand von Bülach ist wohl das ideale Versteck für Profi-Hanfzüchter: Mitten im Wald stehen die teils heruntergekommenen Fabrikgebäude – ab vom Schuss, erreichbar bloss über eine schmale Strasse. Handwerksbetriebe, Autospengler und Künstler haben sich hier niedergelassen. Dass hier nicht nur legal geschäftet wurde, vermuteten manche von ihnen schon seit Jahren.

«Manchmal roch es komisch nach Gras», sagt ein ehemaliger Mieter. Ebenfalls habe er sich gewundert, warum im Winter durch ein bestimmtes Dach jeweils so viel Rauch trat: «Da muss jemand sehr stark geheizt haben – die Gebäude waren schlecht isoliert.» Vor allem am Wochenende seien dubiose Gestalten mit teuren Autos vorgefahren, erzählt ein anderer Mieter: «Wir wunderten uns stets, woher sie das Geld hatten.» Gekannt habe man die Hanfzüchter aber nicht: «Hier arbeiten viel zu viele Leute.» Anscheinend wusste nicht mal der Vermieter, was sich hier abspielte, wie er auf Anfrage sagte.

Zunehmend in den Händen von Balkan-Banden

Am vergangenen Mittwoch setzte die Polizei dem Treiben jedoch ein Ende. Sie hob in einem der Gebäude eine professionell betriebene Hanfanlage mit 10'000 Pflanzen aus – diese erstreckte sich über zwei Etagen und war im verwinkelten Gebäude nur über versteckte Zugänge erreichbar. Zudem wurden bei der Kontrolle zwei Personen festgenommen.

Weil die Ermittlungen in vollem Gange sind, wollte die Polizei zur Identität der Betreiber keine Auskunft geben. Laut mehreren Anwohnern sollen jedoch «Balkan-Leute» dahinterstecken. Tatsächlich steckt der Betrieb von Hanfanlagen zunehmend in den Händen von professionell organisierten Banden mit Balkan-Hintergrund, wie etwa Eugen Rentsch, Leiter der Abteilung Betäubungsmitteldelikte der Kantonspolizei St. Gallen sagt – so hob die Polizei in der Ostschweiz letztes Jahr so viele Hanfanlagen aus wie noch nie und auch die Kapo Zürich meldete rekordverdächtige Zahlen.

Grossbrand mit Millionenschaden

Den Bülacher Hanfzüchtern könnte ein Grossbrand auf dem selben Gelände von Ende November zum Verhängnis geworden sein. Damals entstand Sachschaden in Millionenhöhe – die Ursache ist laut der Kantonspolizei Zürich noch immer unklar. Ob die Polizei im Zuge der Brandermittlungen auf die Anlage gestossen ist, wollte sie nicht sagen.

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