Tamy Glauser über ihre Biografie: «Manchmal tat es weh, manchmal gab es Tränen»

Aktualisiert

Tamy Glauser über ihre Biografie«Manchmal tat es weh, manchmal gab es Tränen»

Obdachlose, Drogendealerin, Gewaltopfer: Tamy Glauser offenbart in ihrer Biografie die dunkelsten Kapitel ihres Lebens. Sie sagt, wie es ihr nach dem öffentlichen Seelenstriptease geht.

von
Katja Fischer

Ob Freundin Dominique am Buch mitarbeitete, wie ihr Mami auf den Inhalt reagierte und wie es ist, wenn alle über das eigene Leben Bescheid wissen: Tamy sagt es im Interview. <i>(Video: K. Fischer/20 Minuten</i>

Es ist das erste Mal, dass sie so offen und detailliert über ihre Vergangenheit spricht – beziehungsweise schreibt: Mit 33 Jahren hat Tamy Glauser in Zusammenarbeit mit einer Journalistin soeben ihre eigene Autobiografie herausgegeben. Ein knapp 200 Seiten langes Buch, bei dem das Berner Topmodel nicht nur mitgeschrieben, sondern auch sämtliche Bilder und das Layout bestimmt hat. «Das war die Voraussetzung», sagt sie im Gespräch mit 20 Minuten. «Ich wollte, dass alles von mir kommt.»

Ebenfalls war klar: entweder ganz oder gar nicht. Nur die halbe Wahrheit zu erzählen, sei für Tamy nicht infrage gekommen. Entstanden ist deshalb ein Werk, das auch die dunkelsten Kapitel ihres Lebens umfasst: Von ihrem Job als Dealerin über ihre Nächte auf einer Parkbank bis hin zu ihrem Martyrium mit ihrer gewalttätigen Freundin.

Vom Regen in die Traufe

Aufgewachsen bei Pflegeeltern zog Tamy 21-jährig mit ihrer leiblichen Mutter nach New York. Als sich diese drei Monate später bereits wieder in Richtung Europa verabschiedete, zog sie in eine Loft-WG in Brooklyn – und heuerte bald mit einer Freundin bei einem Weed-Delivery-Service an.

Nach ihrer Zeit als Gras-Dealerin lernte Tamy dann an einer Party ihre spätere Partnerin kennen und zog mit ihr nach kurzer Zeit zusammen. Krankhafte Eifersucht und Schläge gehörten bald zum Alltag: «Sie schlug mich ins Gesicht und in den Bauch, zertrümmerte einen Spiegel auf meinem Rücken, warf mein Handy auf die Zuggleise, verfolgte mich mit einer Metallstange», schreibt Tamy in der Bio. «Ich rannte raus auf die Strasse, so schnell ich konnte – sie hinterher, vor aller Leute Augen, was für eine krasse Szene.»

Als die Wirtschaftskrise 2008 ihren Höhepunkt in New York erreichte, verloren sowohl Tamy als auch ihre Freundin ihre Jobs – und bald auch ihre Wohnung. Sie verbrachten einige Nächte auf einer Parkbank, bevor sie dann beim Onkel ihrer Partnerin unterkamen. Nach einem Jahr voller Prügel und Erniedrigungen flüchtete Tamy schliesslich zu ihrer Pflegemutter in den Kanton Bern zurück.

Von Stettlen nach New York – Tamys Werdegang in der Bildstrecke:

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«Ich wollte, das alles von mir kommt»: Tamy Glauser hält ihre Autobiografie endlich in den Händen. Das rund 200 Seiten dicke Buch ist Ende Oktober im Werd-Verlag erschienen, am 18. November folgt die Vernissage im Zürcher Kaufleuten.

«Ich wollte, das alles von mir kommt»: Tamy Glauser hält ihre Autobiografie endlich in den Händen. Das rund 200 Seiten dicke Buch ist Ende Oktober im Werd-Verlag erschienen, am 18. November folgt die Vernissage im Zürcher Kaufleuten.

Stevan Bukvic / Custom Images
«Tamy – Das, was ich bin, kannte ich nicht» heisst die Biografie. Darin erzählt sie von ihrer Kindheit bei Pflegeeltern in Stettlen bei Bern, ihren Model-Anfängen Anfängen in New York und einer Beziehung mit einer Frau, die von Gewalt geprägt war.

«Tamy – Das, was ich bin, kannte ich nicht» heisst die Biografie. Darin erzählt sie von ihrer Kindheit bei Pflegeeltern in Stettlen bei Bern, ihren Model-Anfängen Anfängen in New York und einer Beziehung mit einer Frau, die von Gewalt geprägt war.

Instagram
Bekannt wurde Tamy Glauser als androgynes Model, in den vergangenen Jahren lief sie für Designer wie Jean-Paul Gaultier, Vivienne Westwood oder Hubert de Givenchy. Hier schritt sie in New York für Zadig & Voltaire über den Catwalk.

Bekannt wurde Tamy Glauser als androgynes Model, in den vergangenen Jahren lief sie für Designer wie Jean-Paul Gaultier, Vivienne Westwood oder Hubert de Givenchy. Hier schritt sie in New York für Zadig & Voltaire über den Catwalk.

Dukas/Rex

Dominiques Einfluss auf die Biografie

Bei ihrer jetzigen Freundin Dominique Rinderknecht (29) ist das Schweizer Model nun angekommen. Ihr widmet sie denn auch ein ganzes Kapitel im Buch, zu dem sie die Ex-Miss Schweiz und Moderatorin ermutigt hat. «Dominique war der Auslöser», sagt sie zu 20 Minuten. «Sie sagte: ‹Du denkst jetzt schon so lange darüber nach, jetzt mach es doch einfach. Du interessierst dich ja sonst auch nicht gross dafür, was die Leute über dich denken.›»

Ob Dominique am Buch mitgearbeitet hat und wie es ist, wenn plötzlich die ganze Schweiz über das eigene Leben Bescheid weiss – das Interview mit Tamy Glauser siehst du im Video oben.

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