06.12.2018 05:46

Stadtgärtner fällen 108 Bäume«Manchmal werden wir zusammengeschissen»

Derzeit werden in Luzern über 100 Bäume gefällt, die teils das Stadtbild über Jahrzehnte mitprägten. Entsprechend gross sind die Emotionen – und das bekommt die Stadtgärtnerei zu spüren.

von
mme

Sehen Sie im Video, wie die Stadtgärtnerei eine Kastanie an der Bahnhofstrasse fällt. (Video: gwa)

Wenn in Luzern die Kettensägen aufheulen und die Bäume fallen, steigen die Emotionen. Und derzeit werden in der Stadt einige Bäume gefällt: 108 Allee- und Parkbäume müssen weg. Darunter markante Exemplare: Zum Beispiel etliche Rosskastanien am Schweizerhof- und Nationalquai oder eine 30 Meter hohe Pappel am SGV-Steg vor dem Bahnhof. Am Mittwoch wurden Bäume an der Bahnhofstrasse gefällt.

Dass Baumfällungen in Städten wie Luzern Emotionen auslösen, kann man auch auf Social Media beobachten, etwa in einem Post des Journalisten Josef Ritler:

Die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei bekommen die Emotionen der Luzerner unmittelbar zu spüren: «Wenn wir in der Stadt Bäume fällen, gibt es ganz unterschiedliche Reaktionen. Wir werden auch gottsjämmerlich zusammengeschissen», sagt Fritz Bächle, Baumsachverständiger bei der Stadtgärtnerei. Andere Passanten würden interessiert nachfragen, was gerade gemacht werde. «Dann erklären wir ihnen das natürlich gerne», so Bächle.

So etwa als die Mitarbeiter in den vergangenen Tagen am Schweizerhofquai dort Rosskastanien fällten. «Wir werden immer wieder von Passanten gefragt, wieso wir diese Bäume fällen», sagte einer.

«Markante Bäume sieht man jahrzehntelang, bei Wind und Wetter, im Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Es gibt Personen, die haben eine persönliche Beziehung zu bestimmten Bäumen. Und plötzlich ist ein Baum weg und stattdessen ist da ein Loch im Stadtbild. Das ist natürlich ein emotionales Thema.»

Natürlich fällten seine Mitarbeiter nicht einfach Bäume, weil sie nichts anderes zu tun hätten. So müssten etwa Bäume weg, weil sie krank oder alt sind. Bächle: «Die Sicherheit in Sachen Bäumen wird in Städten natürlich höher gewichtet als bei Bäumen auf der grünen Wiese, wo niemand ist.» Zudem betont er, dass die Bedingungen für Bäume in Städten härter sind als etwa im Wald. Sie seien in Städten ganz anderen Einflüssen ausgeliefert. «Hier ist es wärmer, die Luft ist schlechter, Streusalz wird ausgeworfen und der Platz ist für alles eng. Darunter leiden die Stadtbäume.»

Doch in die Trauer um die Bäume mischt sich auch Hoffnung. Die Stadt teilte mit: «An den meisten Orten, an denen die 108 Bäume gefällt werden, werden bis im Frühling 2019 Jungbäume gepflanzt.»

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