Aktualisiert 05.08.2008 10:02

PrämienschockMangelt es der Helsana an Reserven?

Die Helsana-Gruppe erhöht die Krankenkassenprämien in der obligatorischen Grundversicherung 2009 um durchschnittlich 3,9 Prozent. Im Vergleich zur Konkurrenz schiesst der Versicherer nach Schätzung des Internetvergleichsdienstes Comparis oben auf. Der Helsana mangle es an Geldreserven, kritisiert ein Experte.

von
Christian Iten

Die Helsana begründet die anstehende Erhöhung der Prämien um 3,9 Prozent mit den steigenden Gesundheitskosten und rückläufigen Kapitalerträgen.

Helsana hebt die durchschnittliche Prämienerhöhung an

Der Internetvergleichsdienst comparis rechnete nach einer Umfrage bei den 20 grössten Krankenversicherern für 2009 mit einer durchschnittlichen Erhöhung der Prämien um 2,2 Prozent. Nach der heutigen Bekanntgabe von Helsana erhöht Comparis die Zahl auf 2,6 Prozent. «Helsana schiesst mit ihrer Prämie oben auf, da sie nicht über die nötigen Geldreserven verfügt, um die Teuerung im Gesundheitswesen besser abfedern zu können», erklärt Richard Eisler von Comparis.

2008 waren die Krankenkassenprämien um 0,5 Prozent gestiegen. Es handelte sich um den schwächsten Anstieg seit Einführung des Krankenversicherungsgesetzes im Jahr 1996. Gesundheitsminister Pascal Couchepin führte den schwachen Anstieg auf seine Reformen zurück. Im langjährigen Mittel waren die Prämien um jeweils 5,2 Prozent gestiegen. Im April dieses Jahres gab Bundesrat Couchepin dann bekannt, dass die Prämien für 2009 «nur im bescheidenen Ausmass steigen werden». Er meinte damit, dass die Erhöhung nicht mehr als 4 Prozent betragen werde.

Schlechte Noten für Bundesrat Couchepin

Comparis erteilt für die Leistungen von Couchepin aber nicht unbedingt sehr gute Noten: «Dem Gesundheitsminister ist es nicht gelungen, mit seinen Reformen die Ausgaben im Gesundheitswesen zu bremsen», kritisiert Eisler. Er habe lediglich im Jahr 2006 einen Erfolg erzielt, der auf eine einmalige Senkung bei den Medikamentenpreisen zurück zu führen sei, so der Krankenkassen-Experte. «Die grossen Prämienerhöhungen werden ab dem Jahr 2010 noch kommen, wenn die Geldreserven der Krankenkassen aufgebraucht sind», sagt Richard Eisler.

Den für 2009 vorausgesagten Anstieg hat der Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz, Pierre-Yves Maillard bereits kritisiert. Die Kassen hätten in den vergangenen Jahren zu grosse Reserven angelegt. Die Versicherer müssten nun das zurückerstatten, was sie mit ihren pessimistischen Vorhersagen zu viel einkassiert hätten, forderte der Waadtländer Regierungsrat jüngst.

Helsana-Chef lenkt von Reserve-Problem ab

Der Chef der Helsana-Gruppe, Manfred Manser, verteidigt in einem Interview der Zeitung «Le Temps» den Entscheid der Gruppe damit, dass die Reserven nicht als Preisinstrument dienen dürften. Nach Ansicht von Comparis-Experte Richard Eisler lenkt der Helsana-Chef damit vom Problem ab, dass der Versicherer gar nicht über so grosse Reserven verfügt.

Sämtliche Krankenkassen haben ihre Prämien für 2009 dem Bundesamt für Gesundheit (BAG), das für die Genehmigung zuständig ist, bis Ende Juli vorlegen müssen. Die durchschnittliche Prämienerhöhung wird jeweils Ende des Sommers vom BAG bekannt gegeben.

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