Manhattan-Mafia: «Teflon Don» Junior vor Gericht
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Manhattan-Mafia: «Teflon Don» Junior vor Gericht

Sie heissen «Ralph, der Leichenbestatter», «John, der Panzerknacker» oder «Carmine, die Schlange». Und sie erpressen Schutzgelder und liquidieren Verräter. Aber Sonntags gehen sie zur Kirche. Der derzeit laufende New Yorker Prozess bestätigt sämtliche Mafia-Klischees.

Was zurzeit in einem grossen Prozess über die New Yorker Mafia ans Licht kommt, erfüllt jedes Klischee. Und es zeigt: Trotz aller Erfolge der Polizei ist die Cosa Nostra, die sizilianische Mafia in New York, keineswegs geschlagen.

Der Angeklagte vor dem Bundesgericht in Manhattan heisst John Gotti Junior und ist gemäss der Staatsanwaltschaft Pate der Mafiafamilie Gambino.

Cotti wird beschuldigt, den Gründer der Bürgerwehr «Guardian Angels», Curtis Sliwa, entführt und angeschossen zu haben, weil dieser seinen Vater, Gotti Senior, kritisiert hatte.

Blut und Heiligenbild

Kronzeuge der Anklage im Gotti-Prozess ist der Killer Michael DiLeonardo. Er berichtete vor einigen Tagen, wie er am Heiligen Abend 1988 in die «Ehrenwerte Gesellschaft» aufgenommen wurde: In Anzug und Krawatte erschien er in einer Wohnung in Little Italy, einem der beliebtesten Touristenziele in Manhattan.

Dort erklärte ihm ein Consigliere (Berater des Bosses): «Das hier ist kein Club. Es ist eine Geheimgesellschaft. Es gibt nur eine Art, auf die man diese Gesellschaft wieder verlassen kann -auf einer Bahre.»

Dann stach er DiLeonardo in den Zeigefinger, liess etwas Blut auf das Bild eines katholischen Heiligen tropfen und zündete das Kärtchen in DiLeonardos geöffneter Hand an. Dazu musste dieser sagen: «Wenn ich den Eid der Omertà (Schweigepflicht) breche, soll meine Seele in der Hölle brennen wie dieser Heilige.»

«Teflon Don» und sein Nachfolger

Gottis Vater, der «Teflon Don» genannt wurde, weil lange Zeit alle Vorwürfe an ihm abperlten, galt als prominentester Gangster der USA seit Al Capone. Als er 2002 im Alter von 61 Jahren in einem Gefängnisspital an Krebs starb, bereitete ihm sein Sohn ein spektakuläres Begräbnis.

Dutzende schwarzer Limousinen und Hunderte Privatautos folgten dem Sarg durch den New Yorker Stadtteil Queens. Damals, so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft, übernahm der junge Gotti die Position des Vaters.

Vorurteile gegen Italo-Amerikaner?

Vor Gericht gibt auch er sich als Unschuld in Person. Seine Anwälte stellen die Mafia als Erfindung Hollywoods hin und werfen den Ermittlern Vorurteile gegen Italo-Amerikaner vor. Der Mafiaboss Joseph Massino sagte einmal: «Da gehen ein paar italienische Jungs zusammen essen, und dann wird behauptet, das sei die Mafia.»

Auch dafür, dass in einem Keller von Gotti 350 000 Dollar gefunden wurden, haben seine Anwälte eine Erklärung parat: Das Geld bekam er zur Hochzeit geschenkt - «Complimenti, Signor Gotti». (sda)

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