10.05.2016 14:49

US-Wahlkampf

Manipuliert Facebook Millionen?

Schon länger heisst es, Facebook beeinflusse die Verbreitung politischer News. Jetzt plauderten Mitarbeiter aus dem Nähkästchen.

von
gux

Eine neutrale Plattform will Facebook sein. Eine, die das Prinzip der Meinungsfreiheit beispielhaft hochhält. Jetzt erhärtet sich der Verdacht, dass Facebook politische Inhalte manipuliert: Die Plattform soll Politnachrichten zurückhalten, die sich um konservative Anliegen drehen – und das ausgerechnet in Zeiten des US-Wahlkampfs.

Das behauptet die Website Gizmodo, die mit der Hilfe anonymer Facebook-Mitarbeiter den sogenannten Trending-Bereich der Plattform unter die Lupe genommen hat. Hier stellt Facebook Nachrichten zur Verfügung, die die Nutzer gerade verfolgen. Ein Algorithmus entscheidet, was im Trending-Bereich erscheint – und daneben auch ein ganzer Trupp von Journalisten, die die beliebten Artikel zusammenfassen, titeln und in die Trending-Box stellen.

Eigene Vorlieben im Trending-Bereich

«Wir haben regelmässig Nachrichten unterdrückt, die unter konservativen Lesern trendeten», erzählte einer dieser sogenannten Kuratoren. Stattdessen habe man Meldungen zu gesellschaftspolitischen Themen wie der Bürgerrechtsbewegung Black Lives Matter gezielt den Vorzug gegeben – selbst wenn diese es nicht unbedingt in den Trending-Bereich geschafft hätten.

Nicht selten fänden Geschichten in der Trending-Box Platz, die den politischen Vorlieben der Kuratoren selbst entsprächen, sagt die anonyme Quelle, die angibt, selbst konservativ zu sein. Aus diesem Grund seien gewisse Nachrichten, obschon unter den Usern beliebt, gar nie in der Box erschienen. Ein weiterer anonymer Mitarbeiter bestätigte dies gegenüber Gizmodo: Meldungen, die sich mit Themen aus konservativer Sicht befassten, fielen tendenziell unter den Tisch.

Auch der britische «Guardian» hatte mit einem Facebook-Mitarbeiter gesprochen. Dieser konnte die von seinen Kollegen erhobenen Vorwürfe nicht bestätigen.

Hat Facebook Verantwortung, Trump zu verhindern?

Bereits letzte Woche aber hatte Gizmodo eine interne Facebook-Umfrage öffentlich gemacht. Mitarbeiter wurden demnach gefragt, ob Facebook ihrer Meinung nach eine Verantwortung habe, die Wahl des republikanischen Präsidentschaftsanwärters Donald Trump zu verhindern.

Das Ergebnis der Umfrage wurde nicht publik – doch in diesem Fall reicht allein die Fragestellung, um die Einflussmöglichkeiten von Facebook auf den Wahlkampf zu erahnen.

Illegal wäre das nicht. «Facebook kann jedes Material verbreiten oder blockieren, das es will», sagt etwa Rechtsprofessor Eugene Volokh von der University of California. «Facebook hat die gleichen verfassungsmässigen Rechte wie zum Beispiel die ‹New York Times›. Sie können Trump komplett blockieren, wenn sie wollen.» Eine umfassende, ausgewogene und faire Berichterstattung, wie Facebook sie sich auf die Fahne schreibt, sähe dann aber anders aus.

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