«Freiheitsflotte»: Mankell auf Kollisionskurs mit Israel
Aktualisiert

«Freiheitsflotte»Mankell auf Kollisionskurs mit Israel

Im Mittelmeer ist eine Hilfsflotte mit Gütern in Richtung Gazastreifen unterwegs. An Bord befindet sich auch der schwedische Krimi-Autor Henning Mankell.

von
pb
Ein türkisches Passagierschiff auf dem Weg von Istanbul Richtung Gaza.

Ein türkisches Passagierschiff auf dem Weg von Istanbul Richtung Gaza.

Drei Frachter und fünf Passagierschiffe mit rund 10 000 Tonnen Versorgungsgütern und 800 Aktivisten sollen sich am Freitag in der Nähe von Zypern vereinen und dann zusammen Kurs auf den Gazastreifen nehmen. Hinter der so genannten «Freiheitsflotte» stehen Organisationen aus mehreren Ländern wie Schweden, Deutschland und die Türkei.

«Wir versuchen, die Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen und der Welt mitzuteilen, dass Israel kein Recht hat, 1,5 Millionen Palästinenser auszuhungern», sagte Greta Berlin vom internationalen «Free Gaza Movement» dem «Guardian». Man bringe den Menschen in Gaza «dringend benötigte Güter, damit sie ihre Infrastruktur wieder aufbauen können». Dazu gehören Bau- und Schulmaterial, aber auch eine komplette Zahnarztausrüstung.

Parallelen zur Apartheid

Unter den Aktivisten, die sich der Flotte angeschlossen haben, befindet sich unter anderen eine Bundestagsabgeordnete der deutschen Linkspartei. Der prominenteste Mitstreiter ist der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell. Laut einer Mitteilung seines Verlags sieht Mankell, der sich seit Jahren im südlichen Afrika engagiert, «erschreckend viele Parallelen» zwischen Südafrika unter der Apartheid und dem Konflikt im Mittleren Osten.

Die Situation in Gaza sei «entsetzlich», sie gleiche «einem Freiluftgefängnis», erklärte Mankell in einem Interview. Die Hilfsflotte wolle den Palästinensern, die dort leben, zeigen, «dass sie nicht vergessen sind». Israel und Ägypten haben nach der 2007 erfolgten Machtübernahme der radikalen Hamas eine Blockade gegen den Gazastreifen verhängt. Anderthalb Jahre nach der israelischen Militäroffensive «Gegossenes Blei» sind zudem laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht der UNO erst 25 Prozent der Schäden behoben.

Israel will Flotte stoppen

Israel allerdings lässt sich nicht beeindrucken. Die Marine hat vor Gaza eine Sperrzone von 20 Seemeilen verhängt und will die Schiffe nicht durchlassen; Berichten zufolge wurde bereits ein Internierungslager für die Aktivisten eingerichtet. «Schiffe, die sich auf eigene Faust auf den Weg nach Gaza machen, helfen den Menschen dort überhaupt nicht», sagte Yigal Palmor, ein Sprecher des Aussenministeriums. Israel vertritt den Standpunkt, genug humanitäre Hilfsgüter in das palästinensische Gebiet durchzulassen.

John Ging, der Leiter des UN-Hilfswerks für die Palästinenser im Gazaatreifen, ermutigte hingegen laut dem «Guardian» die «Freiheitsflotte» und ähnliche Aktionen: «Wir glauben, dass Israel die Schiffe nicht aufhalten wird, denn das Meer ist offen.» Viele Menschenrechtsorganisationen seien mit ähnlichen Aktionen erfolgreich gewesen und hätten bewiesen, «dass es möglich ist, die Belagerung von Gaza zu durchbrechen». (pb/dapd)

Luftangriffe im Gazastreifen

Israelische Kampfflugzeuge haben in der Nacht zum Mittwoch nach palästinensischen Angaben ein Ausbildungslager der Hamas im Gazastreifen angegriffen. Dabei seien 15 Anwohner verletzt, sagten Mitarbeiter des Krankenhauses in Beit Hanun. Am Dienstag hatten militante Palästinenser am Grenzzaun zwischen Israel und Gazastreifen einen Eselskarren gesprengt und mehrere Mörsergranaten nach Israel abgefeuert. Auf israelischer Seite gab es keine Verletzten

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