Strafgericht BS: Mann (24) nach Affäre der Vergewaltigung bezichtigt
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Strafgericht BSMann (24) nach Affäre der Vergewaltigung bezichtigt

Sie hatten Sex. Dann drohten sich die Arbeitskollegen gegenseitig, Geheimnisse auszuplaudern. Eine Affäre, die mit einem One-Night-Stand begann, landete nun vor dem Strafgericht.

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Ein 24-Jähriger musste sich am Dienstag wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung einer Arbeitskollegin vor dem Basler Strafgericht verantworten.

Ein 24-Jähriger musste sich am Dienstag wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung einer Arbeitskollegin vor dem Basler Strafgericht verantworten.

Keystone/Georgios Kefalas
Am Ende wurde der Mann freigesprochen. Ihm hatte eine zweijährige Freiheitsstrafe gedroht.

Am Ende wurde der Mann freigesprochen. Ihm hatte eine zweijährige Freiheitsstrafe gedroht.

20 Minuten

Zwei betrunkene Arbeitskollegen, ein Mann und eine Frau, hatten nach einem durchzechten Abend im Frühjahr 2015 einmal einvernehmlich Sex. Zumindest in diesem Punkt sind sie sich einig. Was danach geschah, musste das Basler Strafgericht am Dienstag aus teils widersprüchlichen Aussagen rekonstruieren. Dem Mann (24) wurde von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, seine sechs Jahre ältere Kollegin mit psychischem Druck weiterhin zu Geschlechtsverkehr gezwungen und somit vergewaltigt zu haben.

Als Druckmittel habe er gedroht, ihrem damaligen Freund von ihrer Indiskretion zu erzählen. Vor dieser Drohkulisse habe die Frau den Sex monatelang «über sich ergehen lassen», so der Staatsanwalt. Von der Situation gezeichnet habe sie Hilfe beansprucht. Ein Psychologe habe ihr schliesslich geraten, Anzeige zu erstatten.

Widersprüche in den Aussagen der Frau

Laut Anklageschrift soll nur der erste One-Night-Stand einvernehmlich gewesen sein. Die Frau sagte während der Verhandlung aber, die ersten drei Begegnungen seien einvernehmlich gewesen. Dann kam noch ein Treffen in einem Basler Hotel der beiden zum Vorschein. Und am Ende behauptete sie, die Drohungen seien erst zum Ende der Beziehung ins Spiel gekommen.

«Was stimmt jetzt? Sie verwirren mich», musste der Gerichtspräsident zwischenfragen. Auch wies er die Frau auf die Dimension der Vorwürfe hin: «Es geht um sehr viel. Ihm droht eine schwere Strafe», sagte er.

Beweise gelöscht

Den Geschlechtsverkehr zwischen den beiden gab der Beschuldigte zu. Weshalb er aber wegen Vergewaltigung angeklagt wurde, konnte er nicht verstehen. Aus seiner Sicht hätten es beide gewollt. Als die Frau die Beziehung beenden wollte, habe sie ihm gedroht, dem Chef zu verraten, dass er kiffe. Wann genau dies geschah, liess sich nicht mehr feststellen.

Konkrete Beweise für den seinerseits aufgebauten Druck gab es nicht. Die Frau hatte seine angeblichen erpresserischen Nachrichten gelöscht, weil sie ihr «unangenehm waren», wie sie am Dienstag sagte. Weiter gaben beide zu, bei den Begegnungen Zärtlichkeiten ausgetauscht zu haben. Für die Verteidigung stand dies im Widerspruch zur Leistung von «zumutbarem Widerstand», wie das Gesetz sie bei einer Vergewaltigung voraussetzt.

Freispruch für den Mann

Am Ende wurde der 24-Jährige von den Vorwürfen der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung freigesprochen, wie es sein Verteidiger gefordert hatte. Gedroht hatte ihm neben einer empfindlichen Verurteilung eine von der Staatsanwaltschaft beantragte bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Dass die beiden Sex zusammen hatten, erachtete das Gericht als erstellt. Auch die immer wieder genannten Drohungen konnte es nicht ausschliessen. Allerdings war der mögliche «ausgeübte Druck nicht von einer ausreichenden Intensität, um den Tatbestand einer Vergewaltigung zu erfüllen», wie der Gerichtspräsident konstatierte.

Der Anwalt des Beschuldigten hat seinem Mandanten jedoch davon abgeraten, eine Gegenklage anzustreben. Die Aussagen der Frau seien nicht als «absolut unhaltbare Lügen» widerlegt worden.

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