Aktualisiert 25.08.2015 07:13

Kantonsgericht St. GallenMann (25) quält Katze und schneidet ihr den Kopf ab

Unter Alkohol- und Drogeneinfluss hat ein 25-Jähriger den Kater seiner Freundin erst gequält und dann enthauptet. Am Dienstag muss er vor Gericht.

von
taw
Das Kantonsgericht am St. Galler Klosterhof. (Bild: tob)

Das Kantonsgericht am St. Galler Klosterhof. (Bild: tob)

Der gebürtige Kubaner Roberto Sanchez* (heute 25) und Penelope Garcia* (38) sind, mit Unterbrüchen, seit Ende Oktober 2012 ein Paar. Im Juli 2013 mieteten sie in Uznach SG eine gemeinsame Wohnung. Mit in der Wohnung lebte auch die einjährige Hauskatze Joshi.

Laut Anklageschrift warf Sanchez am 30. November 2013 Hauskatze Joshi gegen die Wand der Wohnung, nachdem er von ihr gekratzt wurde. Joshi zog sich eine starke Schwellung am Auge zu und konnte eine Weile nicht mehr laufen. «Wie üblich wenn er zu Hause war stand der Beschuldigte am Tattag unter Einfluss von Alkohol und Marihuana», heisst es in der Anklage.

Erst betäubt und dann geköpft

Das Leiden von Joshi war aber damit noch nicht ausgestanden. Am 9. Mai 2014 betäubte Sanchez unter Alkoholeinfluss in der Tiefgarage der Wohnung den Kater mit vier Ampullen des Lokalanästhetikums Lidocain. Laut Anklage wollte Sanchez wissen, wie das Mittel wirkt. Nach dem Betäuben steckte er Joshi in einen Sack und liess in der Garage.

Tags darauf konsumierten Sanchez, Penelope und ihr Ex-Freund in der Wohnung reichlich Alkohol. Sanchez allein trank etwa drei Liter alkoholische Getränke, schnupfte Kokain und rauchte Joints. Nach dem Gelage schliefen Penelope und ihr Ex im gleichen Zimmer. Zu viel für Sanchez: Rasend vor Eifersucht begann er mitten in der Nacht auszurasten, Geschirr zu zerschlagen und die Wohnung zu verwüsten.

Penelope verständigte um 6.46 Uhr die Notrufzentrale. Beim Eintreffen der Polizei hatte Sanchez noch 1,3 Promille intus. Nachdem die Polizei ging – Sanchez immer noch rasend vor Eifersucht – begab er sich in die Garage. Er wollte sich an Penelope rächen und ihren Kater töten. Erst versuchte er, mit einer Säge Joshis Kopf abzutrennen, danach benutzte er ein Küchenmesser. Den Katzenkörper liess Sanchez in der Garage, den Kopf nahm er mit und warf ihn aus dem fahrenden Auto in die Linth.

Sanchez geht in Berufung

Wegen dieser Vorfälle und verschiedener Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz musste sich der 25-Jährige bereits vor dem Kreisgericht See-Gaster verantworten. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Freiheitsstrafe von 180 Tagen, unter Anrechnung der 50 Tage U-Haft und eine Busse. Zudem sei eine stationäre Massnahme nach Artikel 59 StGB anzuordnen (siehe Box). Die Verteidigung wehrte sich gegen die Massnahme. Sanchez gab vor Gericht zu, Joshi an die Wand geworfen zu haben. Er gestand auch die Betäubung und Enthauptung.

Das Kreisgericht See-Gaster verurteilte Sanchez am 11. Mai dieses Jahres wegen mehrfacher Tierquälerei sowie mehrfacher Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Er bekam eine Geldstrafe von 2 Tagessätzen zu je 10 Franken, eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Monaten – beides unbedingt – und eine Busse. Weiter ordnete das Gericht eine stationäre Massnahme an.

Das Gericht stützt sich unter anderem auf ein Gutachten vom Januar 2015, gemäss dem Sanchez an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung leidet und als psychisch schwer gestört gilt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sanchez ohne Intervention rückfällig werde, sei sehr hoch.

Dieses Urteil akzeptierte Sanchez nicht, weshalb es nun am Dienstag zum Prozess vor dem Kantonsgericht St. Gallen kommt. Sanchez verlangt einen Verzicht auf die vom Kreisgericht ausgesprochene stationäre Massnahme. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Abweisung der Berufung.

* Namen geändert

Art. 59 StGB

Ist ein Täter psychisch schwer gestört, kann das Gericht eine stationäre Behandlung anordnen. Dies wenn der Täter ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat, das mit seiner psychischen Störung in Zusammenhang steht und wenn zu erwarten ist, dass dadurch die Gefahr weiterer damit verbundener Taten verhindert werden kann. Die stationäre Behandlung erfolgt in einer geeigneten psychiatrischen Einrichtung oder einer Massnahmevollzugseinrichtung.

Die Dauer der stationären Massnahme gemäss Artikel 59 StGB ist unbestimmt. Für eine solche Massnahme ist ein psychiatrisches Gutachten nötig. Erst wenn erwartet werden kann, dass der Täter keine neuen Straftaten begeht, folgt eine Entlassung. Spätestens nach fünf Jahren muss die Vollzugsbehörde beim Gericht eine Verlängerung beantragen, wenn die Massnahme weiter nötig ist.

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