Solothurner Gerichtsfall  – Mann (58) schubste seinen eigenen Anwalt durch eine Glasscheibe

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Solothurner Gerichtsfall Mann (58) schubste seinen eigenen Anwalt durch eine Glasscheibe

Ein 58-jähriger Mann fügte seinem Rechtsanwalt bei einem Streit eine Kopfverletzung zu. Dafür hat ihn das Solothurner Obergericht nun verurteilt.

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Ein 58-Jähriger stand unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung vor dem Obergericht.

Ein 58-Jähriger stand unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung vor dem Obergericht.

20min/Simon Glauser
Dieses bestätigte das Urteil der Vorinstanz, reduzierte aber die Gefängnisstrafe.

Dieses bestätigte das Urteil der Vorinstanz, reduzierte aber die Gefängnisstrafe.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

Unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung war ein 58-jähriger IV-Rentner vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern im November 2020 zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt worden. Dies, weil er seinen Anwalt im August 2017 durch eine grosse Glasscheibenwand in seiner Kanzlei gestossen hatte. Der Geschädigte erlitt eine Kopfverletzung und eine sechs Zentimeter tiefe Schnittwunde am oberen Muskel der einen Gesässseite.

Weil der IV-Rentner das Urteil weiterzog, kam es am Mittwoch zur Verhandlung am Obergericht, wie die «Solothurner Zeitung» berichtet. Wie der Beschuldigte aussagte, habe er seinen Anwalt wegen einer Verfahrensfrist mehrfach kontaktieren wollen, dieser habe seine Anrufe jedoch ignoriert. Erst als er es mit einer anderen Nummer versuchte, sei der Anwalt ans Telefon gegangen. Daraufhin sei er unangemeldet in die Kanzlei gefahren, wo es ein Gerangel gegeben habe und sie seien beide durch die Scheibe gefallen. Auch er habe eine Verletzung der Kopfhaut erlitten, so der Angeklagte. 

«Wie ein Tier»

Sein Verteidiger plädierte im Hauptpunkt auf eine Tätlichkeit und verlangte eine geringe bedingte Geldstrafe. Der Staatsanwalt forderte dagegen eine unbedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten; Spuren, Verletzungsbild und Aussage einer Zeugin sprächen gegen die Version des Beschuldigten. Dieser habe damit rechnen müssen, dass die Scheibe zerbrechen und sein Mandant gefährliche Verletzungen erleiden würde. Der Geschädigte selbst gab vor Gericht an, «Todesangst» gehabt zu haben. Der Beschuldigte habe sich «wie ein Tier» benommen. Er benötige nun täglich Medikamente gegen Angst.

Das Obergericht bestätigte schliesslich das Urteil der Vorinstanz, reduzierte aber die Gefängnisstrafe auf zwölf Monate, sechs davon bedingt. Die Aussagen des Geschädigten und der Zeugin seien glaubhaft.

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Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

(sul)

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