Gleichstellung: «Mann arbeitet Vollzeit, Frau Teilzeit»

Aktualisiert

Gleichstellung«Mann arbeitet Vollzeit, Frau Teilzeit»

In den meisten Paarhaushalten in Europa sind beide Partner erwerbstätig. In der Schweiz ist ein Modell mit Abstand am weitesten verbreitet. Kommen aber Kinder auf die Welt, ändert sich dieses meist grundlegend.

Dies geht aus einer Studie des Bundesamtes für Statistik zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Schweiz und elf anderen europäischen Ländern hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Danach wird das «Doppelverdienermodell», in dem beide Partner erwerbstätig sind, von über der Hälfte der Paarhaushalte gelebt.

In der Schweiz sind es drei Viertel. Berücksichtigt sind Paarhaushalte mit Partnern zwischen 25 und 49 Jahren.

Nach dem Modell «Mann arbeitet Vollzeit, Frau Teilzeit» leben in der Schweiz 42 Prozent der Paarhaushalte (mit und ohne Kinder), in den Niederlanden 45 und in Deutschland 33 Prozent.

Seltener arbeiten in diesen Ländern beide Partner Vollzeit: In den Niederlanden ist dies nur bei 15 Prozent der Paarhaushalte der Fall, in der Schweiz bei 23, in Deutschland bei 28 und Österreich bei 32 Prozent. In Portugal und in Finnland dagegen sind in rund zwei Dritteln der Paarhaushalte beide Partner Vollzeit erwerbstätig. In Ungarn und Rumänien sind es über die Hälfte.

Das traditionelle Modell «Mann ist vollzeitig, Frau gar nicht erwerbstätig» ist in Italien und Spanien am weitesten verbreitet (37 respektive 34 Prozent der Paarhaushalte). In der Schweiz sind es 24, in Schweden nur 13 Prozent. Nur in wenigen Prozent der Paarhaushalte arbeiten beide Partner Teilzeit oder nach anderen Modellen.

Kinder bringen grundlegende Veränderungen

Sobald Kinder im Haushalt sind, ändert sich die Lebenssituation der Eltern. Meist reduziert die Frau ihr Pensum oder gibt die Erwerbsarbeit ganz auf. Mit Kindern unter sechs Jahren arbeiten die meisten Haushalte nach dem Modell «Mann Vollzeit, Frau Teilzeit» (Schweiz 45, Deutschland 31, Österreich 38 Prozent). In 37, 42 respektive 32 Prozent der Paarhaushalte gibt die Partnerin die Erwerbsarbeit - mindestens vorübergehend - ganz auf.

Nur noch selten arbeiten in Paarhaushalten mit Kindern unter 6 Jahren beide Partner Vollzeit: In der Schweiz sind es 8 Prozent der Paare. Zum Vergleich: in 54 Prozent der Paarhaushalte ohne Kinder sind beide Partner vollzeitlich erwerbstätig.

Meist führen Kinder dazu, dass sich Paare wieder verstärkt an traditionellen Arbeitsmodellen orientieren. Egalitäre oder neue Erwerbsmodelle sind selten, sie werden vor allem von Paaren ohne Kinder gelebt.

Hausarbeit bleibt Frauendomäne

Obwohl sich in allen Ländern die Teilnahme der Frau an der Erwerbsarbeit erhöht hat, bleibt die Haus- und Familienarbeit eine Domäne der Frauen. In den meisten Ländern haben Frauen dann mit Beruf und Kindern eine höhere Arbeits-Gesamtbelastung als der Mann. Nur in der Schweiz, in Schweden und den Niederlanden ist die zeitliche Belastung zwischen den Geschlechtern etwa ausgeglichen.

In allen Ländern investieren Männer mehr Zeit in die Erwerbsarbeit, Frauen mehr in die (unbezahlte) Haus- und Familienarbeit.

70 bis 80 Prozent der nicht berufstätigen Frauen in der Schweiz, in Spanien, Deutschland, Österreich und Rumänien begründen ihr Fernbleiben vom Arbeitsmarkt mit Aufgaben in Haus und Familie. Bei Männern sind es dagegen meist gesundheitliche Gründe, die sie von der Erwerbsarbeit abhalten. (sda)

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