Mann aus dem Sarganserland erfindet für Steuerhinterziehende fast 50 Millionen Franken
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Kreisgericht Werdenberg-SarganserlandMann erfindet für Steuerhinterziehende 47 Millionen Franken

Bei insgesamt 41 Gesellschaften soll ein Mann aus dem Kanton St. Gallen einen Kapitalerhöhungsschwindel begangen haben. Die Masche benutzte er für Firmen, die in der Schweiz Steuern hinterziehen wollten.

von
Leo Butie
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Am Donnerstag steht ein Buchhalter vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland.

Am Donnerstag steht ein Buchhalter vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland.

20Min/leo
Er habe bei insgesamt 41 Gesellschaften einen Kapitalerhöhungsschwindel begangen.

Er habe bei insgesamt 41 Gesellschaften einen Kapitalerhöhungsschwindel begangen.

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Durch Finanztricks wandelte er GmbHs in Aktiengesellschaften mit viel Kapital um und trug diese ins Handelsregister ein.

Durch Finanztricks wandelte er GmbHs in Aktiengesellschaften mit viel Kapital um und trug diese ins Handelsregister ein.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Ein Mann soll von seinem Werdenberger Büro aus bei zahlreichen Gesellschaften Kapitalerhöhungsschwindel begangen haben.

  • Er generierte für Gesellschaften, die in der Schweiz Steuern hinterziehen wollten, Eigenkapital, das grösstenteils erfunden war. 

  • Zudem nutzte er seine unterqualifizierte Wirtschaftsprüferin aus, um die nötigen Bestätigungen zu erhalten.

  • Im Gegenzug erhielt er gut bezahlte Mandate.

Ein 68-jähriger Buchhalter steht am Donnerstag vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland, weil er sich unter anderem wegen mehrfacher Urkundenfälschung und der mehrfachen Erschleichung einer falschen Beurkundung verantworten muss.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, bei 41 Gesellschaften mit Finanztricks einen sogenannten Kapitalerhöhungsschwindel begangen zu haben.

Geld aus dem Nichts fabriziert

Er ging in allen Fällen nach dem gleichen Muster vor. Als Erstes veranlasste der Mann die Einbringung von Immaterialgüterrechten, sprich, von geistigem Eigentum, gegen ein Darlehen einer GmbH. Diese bestanden jeweils aus Dingen wie Namensrechten, Backrezepten oder «Rechten an Libido-aktivierenden Heilkräutern», die keinen echten Wert hatten. 

Im nächsten Schritt wurden die Sachwerte bei der Kapitalerhöhung als Forderung der Gesellschaft verrechnet und von Fremd- in Eigenkapital umgewandelt. Schliesslich wurden diese Gesellschaften, jeweils mit einem Stammkapital von 20’000 Franken, durch den Beschuldigten in hoch kapitalisierte Aktiengesellschaften umgewandelt, beurkundet und ins Handelsregister eingetragen. Mit diesem Verfahren generierte er aus dem Nichts rund 47 Millionen Franken.

Für Steuerhinterzieher und Betrüger

Der Beschuldigte bot diese Masche ausländischen, meist aus Deutschland stammenden Firmen an. Diese Firmen wollten als millionenschwere Gesellschaft mit Sitz in der Schweiz bei den Steuern einen Vorteil erhalten. Laut Anklageschrift wollte der Beschuldigte «ausländischen Steuerhinterziehern und potenziellen Betrügern auf diese Weise ein scheinbar werthaltiges Gebilde verschaffen, um es für dubiose Zwecke zu verwenden». 

Zudem nutzte er die Unwissenheit seiner unterqualifizierten Wirtschaftsprüferin aus, die für ihn die Prüfungsberichte und Prüfungsbestätigungen anfertigte. Diese waren laut Staatsanwaltschaft «durchgehend falsch, lückenhaft und nicht regelkonform». Die Prüferin sei davon ausgegangen, dass das, was der Beschuldigte ihr vorlegte, wohl schon richtig ist, und habe mit Copy-Paste-Verfahren gearbeitet. 

Strafmass ist noch nicht bekannt

Als Dank erhielt der Beschuldigte von den Gesellschaften gut bezahlte Verwaltungsrats- und Buchführungsmandate, mit denen er ein regelmässiges Einkommen für wenig Aufwand erhielt. 

Im Jahr 2017 flog der Schwindel auf und das kantonale Steueramt erstattete gegen den Beschuldigten Anzeige. Das geforderte Strafmass ist noch nicht bekannt, wird aber an der zweitägigen Verhandlung mitgeteilt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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