Winterthur: Mann flieht aus U-Haft – «Haft war übertrieben»

Aktualisiert

WinterthurMann flieht aus U-Haft – «Haft war übertrieben»

Nach einer Schlägerei zwischen Kurden wurde R. S.* in U-Haft gesteckt, floh aber kurze Zeit später wieder. Nun erzählt er, wie es dazu kam.

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ced
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R. S.* wurde am 3. Februar zusammen mit seinem Bruder verhaftet.

R. S.* wurde am 3. Februar zusammen mit seinem Bruder verhaftet.

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Der Kurde brach jedoch aus dem Untersuchungsgefängnis Winterthur aus.

Der Kurde brach jedoch aus dem Untersuchungsgefängnis Winterthur aus.

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Ein Grund dafür: Der Pitbull-Züchter wollte sich um seine Hunde kümmern.

Ein Grund dafür: Der Pitbull-Züchter wollte sich um seine Hunde kümmern.

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Die Kantonspolizei Zürich verhaftete am 3. Februar mehrere Männer nach einer Schlägerei an der Technikumstrasse. In drei Fällen beantragte die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland Untersuchungshaft. Wie 20 Minuten weiss, befinden sich momentan aber nur zwei Personen in Haft – denn dem Beteiligten R. S.* ist kürzlich die Flucht gelungen.

Momentan befinde er sich an einem «sicheren Ort», sagt S. im Gespräch mit 20 Minuten. Mehr will er nicht preisgeben. Er sei geflohen, weil er sich nicht einfach dem Schicksal habe fügen wollen: «Drei Monate U-Haft für eine kleine Auseinandersetzung – das ist unverhältnismässig und übertrieben», so der passionierte Pitbull-Züchter.

«Behandelt wie ein Schwerverbrecher»

Beim Streit am 3. Februar habe es sich um einen Konflikt zwischen Kurden gehandelt. S.: «Ein Mann hatte meinen Bruder bedroht, ihm gesagt, er würde ihm den Kopf abschneiden. Das war ein riesiger Typ, alles andere als wehrlos.» Von der Schlägerei habe dieser lediglich Schürfungen und Prellungen davongetragen – und danach auf eine Anzeige verzichtet.

Umso mehr verwundert es S., dass die Staatsanwaltschaft so «unzimperlich» mit ihm, seinem Bruder und einem ebenfalls beteiligten Kollegen umgeht. «Wir wurden behandelt wie Schwerverbrecher, herablassend und respektlos», sagt der Beschuldigte. Er glaubt, wegen seiner Herkunft, seines Aussehens und seiner Statur schikaniert worden zu sein. S.: «Wir wurden als aggressive Ausländer abgestempelt. Ich glaube nicht, dass dasselbe einem Schweizer passieren würde.»

Staatsanwaltschaft dementiert rassistische Motive

Trotz eines Geständnisses habe die Staatsanwaltschaft einen Antrag auf U-Haft gestellt. Im Gefängnis sei ihm lange jeglicher Kontakt zur Aussenwelt untersagt worden. «Ich machte mir sorgen um meine Hunde. Es wäre der Staatsanwaltschaft egal gewesen, wenn diese verhungert wären», sagt S. Nun, da er geflüchtet sei, könne er immerhin wieder seinen Verpflichtungen nachgehen und müsse nicht sinnlos in einer Zelle sitzen.

Die Staatsanwaltschaft will die Flucht aus der U-Haft wegen des laufenden Strafverfahrens weder dementieren noch bestätigen. Laut der zuständigen Staatsanwältin Sabine Schwarzwälder besteht in U-Haft stets die Möglichkeit, Briefe zu schreiben und Besuche zu empfangen – man sei also nie vollständig von der Aussenwelt abgeschnitten. Sie gibt an, mit S. stets anständig kommuniziert zu haben: Sie behandle Ausländer nicht anders als Schweizer.

*Name der Redaktion bekannt.

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