Ins Netz gestellt: Mann fotografiert am Bahnhof heimlich Frauen

Aktualisiert

Ins Netz gestelltMann fotografiert am Bahnhof heimlich Frauen

Im Raum des oberen Zürichsees hat ein Unbekannter an Bahnhöfen Frauen fotografiert und die Bilder online publiziert. Der Polizei sind die Hände gebunden.

von
vro

In den sozialen Netzwerken ist die Empörung derzeit gross: Auf Flickr findet man zahlreiche Bilder von Frauen an Bahnhöfen entlang des oberen Zürichseeufers und des Obersees, die offenbar heimlich gemacht wurden – wohl mit einem Teleobjektiv. Die Bilder sind in Alben mit dem Namen «Swiss women – birdwatching in Switzerland» abgelegt.

Wer hinter den Pseudonymen des Fotografen steckt – eines davon ist ein Männername –, ist nicht bekannt. Mittlerweile wurde ein Teil der Bilder, die über Jahre hinweg gemacht wurden, wieder vom Netz genommen. Trotzdem verbreitet sich die Nachricht über die Fotosammlung über Twitter und Facebook. In den Kommentaren wird ausserdem dazu aufgerufen, den Unbekannten zu finden.

Rund zwei Dutzend Meldungen bei der Polizei

Die Frauen, die auf den Fotos zu sehen sind, sind unterschiedlichen Alters. Sie wurden beim Warten, Rauchen, Gehen, Lesen oder Sitzen fotografiert. Teilweise wurde den Frauen nachträglich mit einem Bearbeitungsprogramm ein Hut aufgesetzt oder eine Zigarre in die Hand montiert. Das Motiv dahinter bleibt unklar.

Die Kantonspolizei Schwyz hat Kenntnis von dem Fall, wie Sprecher Florian Grossmann bestätigt. «Es haben sich rund zwei Dutzend Personen gemeldet.» Das Problem: «Der Polizei sind die Hände gebunden, da es keinen Straftatbestand gibt.» Grossmann rät den Betroffenen, sich bei der betroffenen Webseite – in diesem Fall also Flickr – zu melden und eine Löschung der Fotos zu beantragen. Und er fügt hinzu: «Wir bei der Polizei haben an diesem Fall alles andere als Freude. So etwas ist nicht angebracht.»

Im Kanton St. Gallen sind noch keine Meldungen eingegangen, wie Sprecher Hanspeter Krüsi erklärt. Auch im Kanton Zürich war der Fotograf bereits unterwegs. Dort hat man aber ebenfalls noch keine Meldungen erhalten, wie es bei der Kantonspolizei heisst.

Mindestens Augenpartie verpixeln

Für den auf Medienrecht spezialisierten Anwalt Andreas Meili ist die Veröffentlichung der unverpixelten Bilder auf Flickr ein klares No-Go. «Das geht nicht. Die Einwilligung der abgebildeten Personen fehlt offensichtlich, sie posieren auch nicht.» Diese sei jedoch Bedingung, denn hier gilt das Recht am eigenen Bild – ein Persönlichkeitsrecht. Es werde verletzt, wenn jemand von einer Person ein Bild mache und publiziere, ohne deren Einverständnis erhalten zu haben, erklärt Meili.

Es gibt noch weitere Voraussetzungen: Um von einem Verstoss sprechen zu können, muss die abgebildete Person im weiteren sozialen Umfeld – also etwa in der Schule oder im Verein – erkennbar sein und nicht in einer Menschenmenge untergehen. Dies dürfte bei den meisten der betroffenen Bilder auf Flickr der Fall sein, da die Frauen herausgehoben werden. Oft ist auf den Fotos zudem das Gesicht zu erkennen. «Die Augenpartie ist ein sehr wichtiges Wiedererkennungsmerkmal», sagt Meili. «Mindestens diese müsste verpixelt sein.»

Unterlassungsklage möglich

Wer sich auf den Bildern erkennt, kann zivilrechtlich gegen den Urheber vorgehen, erklärt Meili. Die Personen können eine Unterlassungsklage einreichen. So können sie den Fotografen zwingen, das Bild zu löschen. «Je nachdem kann es auch soweit gehen, dass die Fotos vernichtet werden müssen.»

Erkennen Sie sich auf den Fotos wieder oder wissen Sie, wer der Fotograf ist? Melden Sie sich per Mail an feedback@20minuten.ch.

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