Aktualisiert 25.05.2020 12:28

Kreuzlingen

Mann hat sich mit Biber angefreundet und steht für ihn regelmässig früh auf

Seit zwei Jahren besucht Pasquale Jannuzzo seinen Biber-Freund im Kreuzlinger Seeburgpark. Am Anfang war der Biber ihm gegenüber noch sehr schüchtern, doch mittlerweile hat sich das geändert.

von
Jil Rietmann

Darum gehts

  • Pasquale Jannuzzo hält im Seeburgpark seit zwei Jahren regelmässig Ausschau nach einem Biber
  • Anfangs verhielt sich der Biber noch sehr schüchtern, mittlerweile hat er sich an Jannuzzo gewöhnt
  • Der 44-Jährige steht für den Biber immer wieder früh auf
  • Jannuzzo will sich für den Schutz von Bibern engagieren

Seit zwei Jahren beobachtet Pasquale Jannuzzo regelmässig einen Biber im Kreuzlinger Seeburgpark. Am Anfang zeigte sich der Biber noch sehr schüchtern. Doch mittlerweile geht der 44-Jährige davon aus, dass der Biber ihn bereits kennt. Er sagt: «Im Vergleich zum ersten Mal wirkt er jedenfalls viel zutraulicher und zeigt sich auch längerIn den letzten zwei Wochen habe er den Biber bestimmt zwei- bis dreimal wöchentlich angetroffen. Er stehe jeweils extra früh auf, denn üblicherweise zeige sich der Biber bei Dämmerung, sei es morgens oder abends. «Ich schätze, wenn man sich ruhig verhält und Distanz bewahrt, fühlen sich Biber nicht bedroht. Besonders eine Begegnung ist Jannuzzo in Erinnerung geblieben: «An einem Sonntag schwamm er seelenruhig dem Ufer entlang, obwohl recht viele Leute da waren

Da Biber ihr Revier verteidigen und selten mehrere Biber-Familien an einem Ort leben, geht Jannuzzo davon aus, dass es sich seit zwei Jahren um den gleichen Biber handelt. Wie lange sich der Biber ihm präsentiert und was er dabei so beobachtet, geschieht jedoch immer spontan. Er sei auch schon eine Stunde am Ufer gestanden, und der Biber habe sich nicht blicken lassen.

Setzt sich für den Schutz der Biber ein

Jannuzzo bezeichnet sich allgemein als grossen Tierfan. «Beim Biber finde ich besonders faszinierend, wie er lebt, baut, entwickelt und plant. Da hat jeder Schritt für seine Biberbauten einen exakten und ausgeklügelten Plan», schwärmt er. Wie der Biber sein Heim schütze und von den Wasserständen reguliere, indem er immer eine Lösung parat habe, beeindrucke ihn. Deshalb möchte sich der 44-jährige Koch für den Schutz der Tiere einsetzen. «Ich habe mich bei Pro Natura informiert, ob und wie ich mich engagieren kann», sagt er.

Laut Pro Natura stehen in der Schweiz die Gewässer und somit auch die Wasserlebewesen, wozu der Biber gehört, unter Druck. Die Umweltorganisation startete bereits vor 17 Jahren die Aktion «Hallo Biber». Das Ziel ist es, neuen Lebensraum für den Biber zu schaffen.

Die neue «Aktion Biber und & Co.» ergänzt dieses Ziel mit weiteren Gewässerlebensräumen. Auen und Fliessgewässer werden renaturiert, Feuchtgebiete werden aufgewertet, und neue Tümpel, Teiche oder Feuchtwiesen werden angelegt. Der Biber trägt zu einem grossen Teil zur Regulierung der Biodiversität bei, andererseits zerstört er aber auch einen Teil davon durch seine Nagerei. Januzzo meint dazu: «Im Grossen und Ganzen tut der Biber der Natur aber mehr Gutes als Schlechtes.»

Biberschutz

«Aktion Biber & Co.»

Pro Natura setzt sich mit der «Aktion Biber & Co.» für ein artenreiches, grosses Gewässermosaik aus bestehenden und neuen Feuchtgebieten ein. Die Vernetzung zwischen den verschiedenen feuchten und nassen Mosaiksteinen spielt dabei eine grosse Rolle. Deshalb fordert Pro Natura eine bessere Vernetzung zwischen den verschiedenen Gewässerlebensräumen. Durch Trittsteine können Tiere und Pflanzen sich ausbreiten oder finden einen neuen Lebensraum. Auch mehr Raum für Gewässer wird erwartet. Dank Renaturierung findet eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten neuen Lebensraum an Bächen, Feuchtgebieten und Flüssen.

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8 Kommentare
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Wertschätzer

26.05.2020, 06:52

Super!!! Wir Menschen sollten uns nicht zu viel einbilden und meinen, dass wir als angebliche "Krönung der Schöpfung" alles herausnehmen können, und auf unsere Umwelt und die Mit-Lebewesen achten und wertschätzen. Gerade wir Menschen sollten auf Grund unserer kognitiven Fähigkeiten besonders auf die Umwelt und alle Lebewesen achten. Schön, dass es noch Mitmenschen gibt, die das zu schätzen wissen und dies auch respektieren!

Überlegen bitte

26.05.2020, 06:24

@Löwenmädchen; glauben Sie mir eins, wenns dem Biber zu Unruhig wird, geht er von alleine an eine andere Stelle. Das lehrte mich mein Leben als grossen Tierfreund. Das Gebiet bietet genug einsame Plätze für ihn, wenigstens dort noch. Im Moment scheints ihm auch so zu gefallen. Hätte es einen grossen Menschenauflauf, der wär LÄNGST woanders. Will er aber wohl noch nicht......

Löwenmädchen

26.05.2020, 05:58

@Verena Schneider: absolut richtig. Denn spätestens jetzt ist es mit der Ruhe vorbei für den Biber und alle wollen ihn sehen. Geniesst solche Momente doch für Euch und behaltet das dem Tier zuliebe in Eurer privaten Erinnerung!