Zivilcourage – Mann interveniert und rettet junge Frau vor sexueller Misshandlung
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ZivilcourageMann interveniert und rettet junge Frau vor sexueller Misshandlung

Ein BVB-Mitarbeiter beobachtete, wie eine betrunkene Frau von einem Fremden auf sein Töffli geladen wurde. Er intervenierte und informierte die Polizei. Diese konnte die Frau wenig später aus der Wohnung des Mannes befreien.

von
Jeanne Dutoit
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Im Dezember 2020 sprach ein Mann an der Kreuzung Grosspeter-/Münchensteinerstrasse in Basel-Stadt eine erheblich betrunkene Frau an.

Im Dezember 2020 sprach ein Mann an der Kreuzung Grosspeter-/Münchensteinerstrasse in Basel-Stadt eine erheblich betrunkene Frau an.

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Er wollte sie mit seinem Töffli fahren, um die «widerstandsunfähige junge Frau in seine Wohnung mitzunehmen und sie dort sexuell zu missbrauchen», so die Staatsanwaltschaft.

Er wollte sie mit seinem Töffli fahren, um die «widerstandsunfähige junge Frau in seine Wohnung mitzunehmen und sie dort sexuell zu missbrauchen», so die Staatsanwaltschaft.

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Ein Mitarbeiter der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) beobachtete die Szene, stellte den Mann und versuchte, die Frau zu schützen.

Ein Mitarbeiter der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) beobachtete die Szene, stellte den Mann und versuchte, die Frau zu schützen.

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Darum gehts

  • Im Dezember 2020 sprach ein Mann in Basel eine erheblich betrunkene Frau an und nahm sie auf seinem Töffli mit.

  • Ein Mitarbeiter der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) beobachtete die Szene, stellte den Mann und versuchte, die Frau zu schützen.

  • Er informierte die Polizei. Diese konnte in letzter Sekunde ein Sexualdelikt verhindern.

Dank den Schilderungen und Beobachtungen eines Mitarbeiters der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) konnte die Polizei eine Frau aus der Wohnung eines Mannes befreien, der sich an ihr vergehen wollte. An einem Dezemberabend im 2020 bemerkte der BVB-Angestellte eine sichtlich alkoholisierte Frau, die auf einer stark befahrenen Kreuzung im Gundeldinger Quartier Auto- und Velofahrer und -fahrerinnen anpöbelte und versuchte, die Verkehrsteilnehmenden anzuhalten. Aufgrund des «offensichtlich unzurechnungsfähigen Zustands» der Frau informierte er seinen Arbeitgeber und bat darum, die Polizei zu alarmieren.

Gegen 20.30 Uhr fuhr ein Mann mit seinem Piaggo Töffli im Gundeli umher und bemerkte die betrunkene 24-Jährige. Laut der Basler Staatsanwaltschaft fasste der damals 38-Jährige bereits zu diesem Zeitpunkt den Entschluss, die «widerstandunfähige junge Frau in seine Wohnung mitzunehmen, um sie dort sexuell zu missbrauchen.»

«Hau ab, du Arschloch»

Der BVB-Mitarbeiter beobachtete, wie der Töffli-Lenker die Frau ansprach und sie sich anschliessend zu ihm setzte. Der Zeuge eilte sofort zu dem Mann und stellte ihn zur Rede, wieso er die Frau in ihrem Zustand und ohne Helm mitfahren lässt. Dies sei keine gute Idee und die Polizei sei bereits informiert. Daraufhin warf ihm der Töffli-Fahrer ein «Hau doch ab, du Arschloch» an den Kopf, rollte über den Fuss des couragierten Zeugen und brauste mit der Frau davon.

Als die Polizei kurz darauf eintraf, übergab der BVB-Mitarbeiter den Beamten die Tasche der Frau, die sie zurückgelassen hatte und nannte ihnen das Roller-Kennzeichen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Frau am frühen Abend eine Blutalkoholkonzentration zwischen 2,7 und 3,4 Promille hatte. Der Töffli-Fahrer führte sie zwischen 20.40 und 21.00 Uhr in seine Wohnung und entkleidete sie. Sein besinnungsloses Opfer legte er laut Anklage in sein Bett, um es zu vergewaltigen oder für andere sexuelle Handlungen zu misshandeln.

Polizisten klopften in letzter Sekunde an die Tür

Gegen 21.00 Uhr standen drei Polizisten vor der Tür des Mannes. Sie klopften und klingelten mehrere Minuten lang, doch der Mann öffnete nicht, «um seinen Tatplan doch noch umzusetzen», wie der Anklageschrift zu entnehmen ist. Er sagte, er sei alleine zuhause, woraufhin die Polizisten die Wohnung betreten wollten. Er versuchte, sie daran zu hindern, versperrte ihnen den Eingang und musste gar von der Schlafzimmertür weggezerrt werden. Im Bett fanden die Polizisten schliesslich die Frau, die halbnackt unter einer Decke lag.

Nach der Tat wurden bei der Frau zahlreiche Hautunterblutungen gefunden, unter anderem am Gesäss und an der Brust. Mögliche Ursachen sind laut Gutachten stumpfe Gewalteinwirkung oder festes Zupacken. Am Dienstag muss sich der Mann wegen versuchter sexueller Nötigung vor dem Basler Strafgericht verantworten.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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