Wilde Blattern: Mann klagt gegen Impfung – und steckt sich an
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Wilde BlatternMann klagt gegen Impfung – und steckt sich an

Ein 18-Jähriger verklagte seine Schule, weil sie ihn zur Windpocken-Impfung zwingen wollte. Er verlor und erkrankte – an Windpocken.

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Der Fall des 18-jährigen Jerome aus den USA geht um die Welt: Er klagte gegen seine Schule, weil sie ihn dazu bewegen wollte, sich gegen Wilde Blattern ...

Der Fall des 18-jährigen Jerome aus den USA geht um die Welt: Er klagte gegen seine Schule, weil sie ihn dazu bewegen wollte, sich gegen Wilde Blattern ...

Screenshot Youtube/WCPO.com | 9 On Your Side
... impfen zu lassen. Doch aus religiösen Gründen infizierte er sich lieber mit dem für Erwachsene potenziell lebensbedrohlichen Virus. Laut Experten des Northern Kentucky Health Departments ist das aber der falsche Weg. Eine Impfung sei sicherer.

... impfen zu lassen. Doch aus religiösen Gründen infizierte er sich lieber mit dem für Erwachsene potenziell lebensbedrohlichen Virus. Laut Experten des Northern Kentucky Health Departments ist das aber der falsche Weg. Eine Impfung sei sicherer.

iStock/Jarabee123
Immer häufiger befallen vermeintliche Kinderkrankheiten auch Erwachsene. Das ist problematisch. Denn bei allen gilt: Je älter die Betroffenen, desto grösser sind die zu erwartenden Gesundheitsrisiken.

Immer häufiger befallen vermeintliche Kinderkrankheiten auch Erwachsene. Das ist problematisch. Denn bei allen gilt: Je älter die Betroffenen, desto grösser sind die zu erwartenden Gesundheitsrisiken.

iStock/Kupicoo

Sich impfen lassen oder 21 Tage dem Unterricht und allen anderen schulischen Aktivitäten fernbleiben: Vor diese Wahl stellte eine Schule im US-Bundesstaat Kentucky im März alle Schüler, die noch nicht immun waren gegen Windpocken, auch Wilde Blattern genannt.

Dies war nötig geworden, weil sich mindestens 32 von ihnen mit der hoch ansteckenden Krankheit (siehe Box 1) infiziert hatten. Eine weitere Ausbreitung sollte so verhindert werden.

«Unmoralisch, illegal und sündig»

Der 18-jährige Jerome, ein streng religiöser Schüler, wollte sich jedoch nicht entscheiden. Weil er weder auf Schule und Sport verzichten noch sich impfen lassen wollte, zog er gegen die Schule vor Gericht. Er sah seine Rechte verletzt.

Sein Argument gemäss BBC: Impfstoffe seien «unmoralisch, illegal und sündig». Schliesslich würden sie aus abgetriebenen Föten entwickelt (siehe Box 2). Das würde seinen religiösen Überzeugungen widersprechen.

Gegenüber der «Washington Post» legte Jeromes Vater nach: «Das ist Tyrannei gegen unsere Religion, unseren Glauben, unser Land.» Sein Sohn werde bestraft, weil er ein gesundes Kind sei. «Er wird vielleicht nie Windpocken bekommen.»

Bewusst infiziert

Doch exakt das ist geschehen, wie unter anderem CNN berichtet. Genauso wie andere Mitglieder von Jeromes Glaubensgemeinschaft erkrankte auch er selbst an den Wilden Blattern. Das gab sein Anwalt Christopher Wiest gegenüber dem «Cincinnati Enquirer» bekannt.

Er selber habe dafür gesorgt, so Wiest weiter. «Ich habe den Müttern und Vätern gesagt, der schnellste Weg, das Problem mit den Windpocken aus der Welt zu schaffen, sei, sich absichtlich mit Windpocken zu infizieren.»

«Herzlose Missachtung der Gesundheit und Sicherheit anderer»

Die Verantwortlichen vom Northern Kentucky Health Department betrachten die Empfehlung Wiests äusserst kritisch. Laut ihnen sei eine Impfung viel sicherer: Eine Infektion im Erwachsenenalter könne lebensgefährlich sein. Dass das im Jahr 2019 bestritten werde, bezeichnen sie gemäss Sciencealert.com als «alarmierend und enttäuschend».

Auf die Wirkung einer sogenannten Windpockenparty zu setzen, sei ein veralteter Gedanke, heisst es in einem offiziellen Statement der Gesundheitsbehörde. Zwar werde die während einer solchen Party infizierte Person tatsächlich immun gegen das Virus, allerdings könne diese «das Virus leicht auf andere ahnungslose Menschen übertragen – auch auf solche, die besonders anfällig für diese potenziell lebensbedrohliche Infektion sind».

Die Gesundheitsexperten werden noch deutlicher: «Die Förderung der Ausbreitung einer akuten Infektionskrankheit in einer Gemeinschaft zeigt eine herzlose Missachtung der Gesundheit und Sicherheit von Freunden, Familienangehörigen, Nachbarn und ahnungslosen Mitgliedern der Öffentlichkeit.»

Die Klage Jeromes, der seine freiwillige Infektion gut überstanden hat, ist vom Gericht abgelehnt worden.

Abgetriebene Föten

Insgesamt werden die Antigene für drei Impfstoffe – Röteln, Varizellen (Windpocken) und Hepatitis A – aus fötalen Zelllinien hergestellt. Allerdings braucht man hierfür nicht ständig neue Föten. Vielmehr wurden die Zellen für die betroffenen Zelllinien einmalig in den 1960-er Jahren gewonnen und seither im Labor weitergezüchtet.

Was sind Windpocken?

Windpocken (Wilde Blattern) sind hochansteckend und werden – genauso wie Gürtelrose – vom Varicella-Zoster-Virus (VZV) ausgelöst. Die Viren werden durch Atemwegströpfchen in der Luft sehr leicht von Mensch zu Mensch übertragen, was ihnen die Bezeichnung Windpocken einbrachte. Eine Ansteckungsgefahr geht auch von der in den Bläschen enthaltenen Flüssigkeit aus.

Infizierte entwickeln Pusteln, Juckreiz und Fieber. Windpocken sind in der Regel nicht tödlich, aber besonders bei Erwachsenen kann es gefährliche Komplikationen geben. Deshalb empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) allen Personen, die Windpocken noch nicht schon in ihrer Kindheit durchgemacht haben, eine Impfung zwischen 11 und 15 Jahren.

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