Mitten im Gespräch: Mann knallt Calmy-Rey Torte ins Gesicht
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Mitten im GesprächMann knallt Calmy-Rey Torte ins Gesicht

Kaum hat sie keine Bodyguards mehr, wird Alt-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey Opfer einer Attacke. Klagen will sie gegen den Torten-Angriff nicht. «Das ist ein armer Mann», so Calmy-Rey.

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job/amc

Ein Komplize filmte den Tortenangriff von Eric Dougoud auf Micheline Calmy-Rey.

Kaum steht die im Dezember zurückgetretene Bundesrätin Micheline Calmy-Rey nicht mehr unter Personenschutz, wird sie Opfer einer Attacke. Am Montagabend verliess Calmy-Rey in Genf eine Konferenz über Menschenrechte, die im Rahmen eines Filmfestivals über Menschenrechte stattfand. Gleich vor dem Ausgang wurde sie von einem Mann bedrängt, der ihr vorwarf, die Menschenrechte verletzt zu haben.

«Ich habe sicher keine Menschenrechte verletzt», antwortet die entgeisterte Calmy-Rey. «Wirklich nicht?», antwortet der Mann, greift sich aus seiner Tasche eine Torte und drückt sie der ehemaligen Bundesrätin mit voller Wucht ins Gesicht.

Täter kämpft gegen Kantonalbank

Im Gegensatz zu anderen Tortenattacken machte sich der Täter nicht unkenntlich, sondern wollte offensichtlich erkannt werden. Auf der Rückseite seines Pullovers prangte der Schriftzug für seine Website, auf der er sich als Erich Dougoud zu erkennen gibt. Dougoud kämpft gegen die Genfer Kantonalbank, in welche der Kanton Genf wegen kaschierter Verluste im Immobiliengeschäft in den letzten Jahren 2,4 Milliarden Franken einschiessen musste. Vor ihrer Zeit im Bundesrat war Calmy-Rey Staatsrätin des Kanton Genf.

Obwohl Alt-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey mit der Faust am Auge getroffen wurde, will sie die Sache aber auf sich beruhen lassen. Sie sagte gegenüber 20 Minutes Online, dass sie nicht klagen will. «Das ist ein armer Mann, der Aufmerksamkeit sucht.» Sie habe ihren Mantel am Dienstagmorgen in die Reinigung gebracht, und damit sei für sie die Sache erledigt, sagte Calmy-Rey im Schweizer Radio DRS. «Le Matin» erklärte sie zum Angriff weiter: «Ich finde dieses Verhalten feige.»

«Ein würdeloser Akt»

Die Aggression sei inakzeptabel, sagte Bundesratssprecher André Simonazzi gegenüber Schweizer Radio DRS. Calmy-Rey könnte auch nach ihrem Rücktritt noch Polizeischutz in Anspruch nehmen. Dies will sie jedoch nicht. Sie wolle sich frei bewegen, betonte sie.

«Das ist ein feiger, niederträchtiger und würdeloser Akt», sagte der Präsident der Genfer SP, René Longet. Es sei total unfair, jemanden auf diese Weise zu ertappen, die einem freundlich zuhöre. Man könne durchaus nicht einverstanden sein mit den Urteilen in der Genfer Kantonalbank-Affäre, in der Demokratie gebe es aber andere Mittel, seine Meinung zu äussern. (job/amc/sda)

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