Aktualisiert 29.03.2016 13:02

Taiwan

Mann köpft Vierjährige vor den Augen der Mutter

Ein geistesgestörter Mann enthauptet vor einer U-Bahn-Station in Taipeh ein Mädchen. Die Tat hat die Debatte über die Todesstrafe neu entfacht.

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Vor den Augen der Mutter und von Passanten hat ein vermutlich geistesgestörter Mann am Montag eine Vierjährige in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh geköpft. Das Mädchen war auf ihrem Velo mit der Mutter unterwegs zu einer U-Bahn-Station, um dort Verwandte zu treffen, als der Mann sie von hinten packte und ihr mit einem Küchenmesser den Kopf abtrennte. Die Mutter stiess er von sich, als sie ihn zu stoppen versuchte. Auch sieben Passanten, die Zeugen der brutalen Tat wurden, konnten nicht mehr eingreifen. Der Mann wurde noch am Tatort überwältigt und verhaftet.

Nach seiner Festnahme wurde der 33-Jährige von einem wütenden Mob vor der Polizeiwache abgepasst und geschlagen. Auf Fernsehbildern ist zu sehen, wie der Mann auf dem Weg von der Polizeiwache zur Staatsanwaltschaft von rund einem Dutzend Menschen immer wieder attackiert wurde. Einige hatten Baseballschläger dabei und wollten offenbar in das Gebäude gelangen.

Täter war zweimal in Behandlung

Nach Angaben der Polizei war der Mann in der Vergangenheit wegen Drogenvergehen inhaftiert und hatte sich nach Schlägereien mit seiner Familie schon zweimal in psychiatrische Behandlung begeben. Laut einem Bericht der Zeitung «Apple Daily» ist er arbeitslos und lebt bei seinen Eltern.

Die Tat heizt in Taiwan die Debatte um eine Abschaffung der Todesstrafe an. Nach fünfjähriger Unterbrechung gilt seit 2010 wieder die Todesstrafe, sie wird jedoch nur bei Schwerverbrechen verhängt. Das Land ist in der Frage, ob sie beibehalten werden soll oder nicht, gespalten.

Mutter will in Ruhe trauern können

Das Parlament kündigte an, bereits am Donnerstag, 31. März, über eine Verschärfung der Strafe für Kindesmord zu beraten. Demnach soll auf die Ermordung von Kindern unter zwölf Jahren die Todesstrafe stehen; geistesgestörte Täter sollen mindestens lebenslang weggesperrt werden.

Vergeblich bat die Mutter der Vierjährigen, die Diskussion um die Todesstrafe zu verschieben, um der Familie Zeit zum Trauern zu geben. Der Fürsorgeverband White Rose Social Care kündigte für den 9. April eine Kundgebung für die Beibehaltung der Todesstrafe an.

Zwei Nachahmer am nächsten Tag

Gewaltverbrechen sind in Taiwan äusserst selten. Dennoch hat die brutale Messerattacke laut dem Nachrichtenportal Mashable.com bereits zwei Nachahmer gefunden: Ein 28-jähriger Mann attackierte einen Polizisten ausserhalb einer U-Bahn-Station nördlich von Taipeh. Der Beamte erlitt mehrere schwere Verletzungen am Rücken und am Kopf. Ein anderer Polizist, der sich gerade in der Nähe befand, konnte den Täter verhaften. Dieser gab bei der Einvernahme an, arbeitslos zu sein und aus Hass gegenüber der Polizei zugestochen zu haben.

Am selben Tag verletzte ein 23-Jähriger einen Kammerjäger mit einer Säge. Das Opfer erlitt eine fünf Zentimeter lange Schnittwunde am Handgelenk. Der Angreifer sagte der Polizei, er habe versucht, «die Kakerlaken zu schützen». (kle/20 Minuten)

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