Seit 50 Jahren: Mann lebt mit Rekord-Spenderniere
Aktualisiert

Seit 50 JahrenMann lebt mit Rekord-Spenderniere

1968 noch ein Experiment, heute eine Erfolgsgeschichte: Walter Thalmann bekam vor 50 Jahren in Basel eine Spenderniere, mit der er noch heute lebt – ein medizinischer Rekord.

von
mis

Im Video erklärt Prof. Jürg Steiger unter anderem, warum die transplantierten Nieren vergleichsweise lange halten. (Video: 20 Minuten/mis/sis)

Ein Wunder der Natur – wie man es auch nennen darf –, wenn das Leben einem plötzlich eine zweite Chance schenkt. Solche Gedanken gingen auch Walter Thalmann durch den Kopf, als am 5. April 1968 sein Leben mit 24 Jahren nochmals neu begann.

Scheinbar «aus Zufall», wie es Jürg Steiger, Chefarzt für Transplantationsimmunologie am Universitätsspital Basel, beschreibt, bekam Walter Thalmann an jenem Tag eine Spenderniere, die sein Leben rettete. Es ist ein medizinisches Wunder, denn die Niere funktioniert laut Steiger auch nach über 50 Jahren noch immer einwandfrei. Der heute 74-Jährige trägt weltweit die am längsten funktionierende Niere in sich. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise sind Spendernieren im Schnitt nur zwischen 10 bis 15 Jahre funktionsfähig. Zur Feier des Rekords veranstaltete das Universitätsspital Basel am Donnerstag ein Walter Thalmann-Symposium.

«Es war ein perfekter Match»

«Ich war überrascht, als ich gerade mal nach einem Tag in den Operationssaal des Universitätsspitals gebracht wurde», erinnert sich Thalmann. Der damals 24-Jährige war erst der neunte Patient, an dem in Basel eine Nierentransplantation vorgenommen wurde. Dieser Prozess verlief ungewöhnlich schnell, wie Steiger erklärt: «Die heutige Organspende-Wartezeit kann bis zu drei Jahren dauern. Bei Walter Thalmann war einfach alles ein perfekter Match.»

Thalmann war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. «Es fühlte sich an wie ein anderes Leben. Ich konnte plötzlich wieder essen und trinken», erzählt er. Ohne diese Transplantation würde er heute nicht mehr leben. Schon früh erkrankte er an einer Autoimmunerkrankung, bei der der Körper anfängt, gegen sich selbst zu kämpfen. Thalmanns Nieren wurden dadurch angegriffen und verkleinerten sich zu sogenannten «Schrumpfnieren».

Geben statt nur nehmen

Genau zehn Jahre später, im Jahre 1978, bekam Ruth Peters, aufgrund einer bakteriellen Infektion, ebenfalls eine neue Niere. Auch sie lebt nun schon seit rund 40 Jahren mit derselben Niere und ist heute dankbar für ihr neu gewonnenes Leben: «Ich war kurz vor dem Sterben und ich dachte, jänu, jetzt muss ich halt gehen. Heute ist mein ganzes Leben mit Dankbarkeit erfüllt.»

Peters setzt sich heute aktiv für die Organspende ein und ermutigte schon viele Nierentransplantations-Patienten, niemals die Hoffnung aufzugeben, denn sie ist der Überzeugung, dass eine positive Lebenseinstellung Einfluss auf den Erfolg hat. «Viele Menschen nehmen nur und geben selber nichts, deshalb möchte ich an dieser Stelle allen Spendern danken.»

Deine Meinung