Zürich: Mann meldet Polizei tote Freundin – die Tat streitet er ab
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ZürichMann meldet Polizei tote Freundin – die Tat streitet er ab

Vor dem Obergericht steht am Dienstag ein 63-jähriger Mann, der vor drei Jahren seine Lebenspartnerin verprügelt und erwürgt haben soll. Der Mann bestreitet die Tat.

von
Stefan Hohler
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In diesem Haus in Adliswil soll ein Mann seine Lebenspartnerin getötet haben.

In diesem Haus in Adliswil soll ein Mann seine Lebenspartnerin getötet haben.

Das Bezirksgericht Horgen hat ihn wegen Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt.

Das Bezirksgericht Horgen hat ihn wegen Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt.

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Vor dem Zürcher Obergericht wehrt sich der Mann am Dienstag gegen das Urteil.

Vor dem Zürcher Obergericht wehrt sich der Mann am Dienstag gegen das Urteil.

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Darum gehts

  • Ein Mann soll 2017 in Adliswil seine Freundin getötet haben. Trotz erdrückender Beweislast streitet er das ab.
  • Vor Obergericht wehrt er sich gegen das Urteil des Bezirksgericht Horgen, das ihn zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt hat.

Der Mann wollte einen Freispruch, der Staatsanwalt 15 Jahre – das Bezirksgericht Horgen hat ihn vor einem Jahr wegen vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt. Dagegen wehrt er sich vor dem Zürcher Obergericht. Beim Beschuldigten handelt es sich um einen heute 63-jährigen Schweizer. Er soll Ende Oktober 2017 in der gemeinsamen Wohnung in Adliswil seine Freundin getötet haben, wobei das Tatmotiv für das Gericht «schleierhaft» war.

Der arbeitslose Betriebsökonom und die schwer alkoholkranke Frau waren seit 15 Jahren ein Paar. Er hatte sie an Weihnachten 2002 bewusstlos im Schnee liegend aufgefunden und kümmerte sich um sie. Die Beziehung war geprägt von Streitereien, Alkohol, Trennung und Versöhnung. So auch an jenem Abend des 30. Oktober 2017, als die beiden in einem Restaurant waren. Die Frau war schwer betrunken, als sie sich auf den Heimweg machte. Einige Zeit später ging auch der ebenfalls alkoholisierte Mann nach Hause.

Mann rief die Polizei

Dort fand er die Frau schlafend auf dem Wohnzimmerboden. Er habe ihr ein paar Ohrfeigen versetzt, damit sie erwache, sagte er damals vor dem Bezirksgericht, und habe sie mit den Kleidern in die Badewanne gelegt. Am nächsten Morgen trug er sie aufs Bett und zog ihr ein Pyjama an. Aber erst eineinhalb Tage später, am Morgen des 1. November, will er gemerkt haben, dass sie tot sei, und alarmierte die Polizei.

Die Gerichtsmediziner stellten später diverse schwere Verletzungen fest: Knochenbrüche, ein gebrochener Kehlkopf, Hautunterblutungen, Quetschungen, Risse. Zudem wurden an der Vorderseite des Halses und unter den Fingernägeln der Toten DNA des Beschuldigten gefunden. Für den Staatsanwalt war klar, entweder wurde das Opfer erwürgt oder mit einem weichen Gegenstand, zum Beispiel mit einem Schal, erdrosselt. Davon würden typische Stauungsblutungen der Augenbindehäute und Brüche des Kehlkopfhornes zeugen. Hinweise auf eine Drittperson gab es nicht.

Zu zehnjähriger Freiheitsstrafe verurteilt

Doch trotz der erdrückenden Beweislast stritt der Mann ab, die Frau getötet zu haben, und verlangte einen Freispruch. Für das Gericht hatte der Mann aber die Frau stranguliert, und es verurteilte ihn wegen vorsätzlicher Tötung zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe. Weil das psychiatrische Gutachten dem Beschuldigten eine mittelgradige Verminderung der Steuerungsfähigkeit wegen seines Alkoholkonsums attestierte und von einem Eventualvorsatz ausging, fiel die Strafe relativ milde aus.

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