Strafgericht BS: Mann meldet Vermieter Gestank – dieser kommt und bricht ihm die Nase

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Strafgericht BSMann meldet Vermieter Gestank – dieser kommt und bricht ihm die Nase

Ein Mann beschwert sich bei seinem Vermieter über Marihuana-Geruch im Hinterhof. Dieser begibt sich daraufhin zu dessen Wohnung und verprügelt ihn brutal. Am Montag wird ihm wegen schwerer Körperverletzung der Prozess gemacht.

von
Jeanne Dutoit
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Weil sich ein Mann über Cannabis-Gestank beklagte, wurde er von seinem Vermieter spitalreif geschlagen (Symbolbild).
Foto: 20min/Simon Glauser


Weil sich ein Mann über Cannabis-Gestank beklagte, wurde er von seinem Vermieter spitalreif geschlagen (Symbolbild).
Foto: 20min/Simon Glauser

20 Minuten Simon Glauser
Am Montag sitzt der Beschuldigte vor drei Richterinnen und Richtern.

Am Montag sitzt der Beschuldigte vor drei Richterinnen und Richtern.

aj​
Nebst schwerer Körperverletzung ist er auch wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes angeklagt. Er soll bei der Tat bekifft gewesen sein.

Nebst schwerer Körperverletzung ist er auch wegen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes angeklagt. Er soll bei der Tat bekifft gewesen sein.

Den Titel als bester Vermieter hat er offensichtlich nicht verdient: Ein Mann (40) steht am Montag vor der Dreierkammer des Basler Strafgerichts, weil er seinen Mieter spitalreif geschlagen haben soll. Der Beschuldigte ist wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz vorbestraft und laut Anklageschrift ein erfolgreicher Kampfsportler.

Wie die Staatsanwaltschaft schreibt, gehört den Eltern des 40-Jährigen ein Wohnhaus im St. Johann-Quartier. Er selbst hat laut Anklage eine Nutzniessung an der Liegenschaft, die ihm den vollen Genuss am Vermögenswert verleiht. Am Abend des 18. Februar 2021, kurz nach Mitternacht,  wurde der Mann von einem seiner Mieter  in mehreren Kurzmitteilungen über Cannabis-Gestank informiert. Der Rauch würde vom Hinterhof kommen, so die Nachrichten.

Die Beschwerde machte den Mann wütend. Er antwortete nicht, «sondern entschied kurzerhand, seinem Mieter einen gehörigen Denkzettel zu verpassen». Der Beschuldigte, der laut Anklage bekifft war, machte sich auf, dem Mieter einen Besuch abzustatten.

Er brach dem Mieter die Nase und verletzte sein Auge

Als dieser ihm die Tür öffnete, verpasste der Beschuldigte ihm «mehrere enorm heftige Faustschläge gegen den Kopf». Das Opfer fiel zu Boden, woraufhin der 40-Jährige weiter mit Faustschlägen auf ihn einprügelte. Er befahl dem Mieter, sich nicht zu wehren, biss und schlug ihn. «Als er wieder aufstehen wollte, nahm der Beschuldigte ihn gar in den Schwitzkasten und drückte mit seinem Arm gegen den Hals», schreibt die Staatsanwaltschaft.

Das Opfer hatte laut rechtsmedizinischem Gutachten eine gebrochene Nase, eine Hautunterblutung am Auge, einen kaputten Zahn sowie Prellungen und eine Bisswunde. Schläge gegen den Kopf können lebensbedrohliche Folgen haben. Schläge auf das Auge können zum Verlust der Sehkraft führen, so das Gutachten.

Die Staatsanwaltschaft schreibt in der Anklage, dass der «kampfsporterfahrene» Beschuldigte sein Opfer lebensgefährlich oder schwer verletzen wollte und eine bleibende Entstellung im Gesicht in Kauf nahm.

So versuchte er, die Tat zu verschleiern

Nach der Attacke versuchte der Beschuldigte seine Tat zu verschleiern. Er verschickte nur wenige Minuten, nachdem er seinem Opfer die Nase gebrochen hatte, eine Nachricht, dass er im Bett sei und um diese Zeit keine Mitteilungen mehr erhalten möchte.

Der Mann ist wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes angeklagt. Es gilt die Unschuldsvermutung. 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit illegalen Drogen?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Information und Substanzwarnungen

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