Aktualisiert 18.06.2020 14:37

Rorschach SGMann mit schwarz angemaltem Gesicht verkaufte «Mohrenköpfe»

In Rorschach hat ein kostümierter Mann am Donnerstag «Mohrenköpfe» von Dubler verkauft. Die Stadt verurteilt die Aktion. Weder sie noch die Polizei kann dagegen etwas machen, weil der Mann auf privatem Grund war.

von
Michel Eggimann
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Ein Mann hat in Rorschach mit schwarz angemaltem Gesicht «Mohrenköpfe»

Ein Mann hat in Rorschach mit schwarz angemaltem Gesicht «Mohrenköpfe»

Leser-Reporter
Die Aktion fand auf einem privaten Grundstück statt und der Mann hatte eine Bewilligung vom Grundstückbesitzer.

Die Aktion fand auf einem privaten Grundstück statt und der Mann hatte eine Bewilligung vom Grundstückbesitzer.

Leser-Reporter
Deswegen kann weder die Polizei, noch die Stadt etwas gegen die Aktion unternehmen. Die Polizei ist aber ausgerückt und hat den Fall dokumentiert.

Deswegen kann weder die Polizei, noch die Stadt etwas gegen die Aktion unternehmen. Die Polizei ist aber ausgerückt und hat den Fall dokumentiert.

Kapo SG

Darum gehts

  • Ein kostümierter Mann mit schwarz angemaltem Gesicht hat in Rorschach «Mohrenköpfe» verkauft.
  • Mehrere Personen haben sich deswegen bei der Polizei gemeldet.
  • Die Aktion fand auf privatem Grundstück statt und der Mann hatte eine Bewilligung vom Besitzer.
  • Die Stadt Rorschach duldet die Aktion nicht.
  • Strafbar gemacht hat sich der Mann nicht.

Einem Leser-Reporter ist in Rorschach ein kostümierter Mann aufgefallen, der an einem Stand «Mohrenköpfe» von Dubler verkauft hat. Seit Migros diese Süssigkeit aus dem Sortiment genommen hat, ist eine grosse Debatte um das Produkt entstanden.

Der Kantonspolizei St. Gallen ist die Aktion bekannt. Sie hätten deswegen mehrere Meldungen erhalten. Mediensprecher Florian Schneider sagt: «Wir sind ausgerückt, haben die Personalien des Mannes aufgenommen, den Fall dokumentiert und die Stadt Rorschach informiert.» Zudem hätte man auch Rücksprache mit der zuständigen Staatsanwaltschaft genommen. Diese habe empfohlen nichts weiter zu unternehmen. Schneider erklärt weiter, die Aktion habe auf privatem Grundstück stattgefunden und der Mann habe eine Bewilligung des Grundstückbesitzers gehabt.

Der Mann hatte sich unter anderem das Gesicht schwarz angemalt. Dazu sagt Schneider: «Das alleine verstösst nicht gegen die Rassismusstrafnormen. Stafbar wäre es, wenn er dazu Parolen verbreitet.» Solange keine weitere Meldungen eingehen, ergreife die Polizei keine Massnahmen.

Stadt findet klare Worte zur Aktion

Die Aktion fand unmittelbar vor einem Geschäft statt. Dort heisst es, man habe keine Kenntnisse von der Aktion des Mannes gehabt und man kenne ihn nicht.

Marcel Aeple, der Stadtschreiber von Rorschach, sagt zu der Aktion: «Wir haben nichts davon gewusst. Als ich davon gehört habe, hielt ich es im ersten Moment für einen Scherz.» Weiter stellt Aeple klar, dass er die Aktion gerade in der jetzigen Debatte völlig deplatziert finde. Zudem stellt er klar: «Rorschach ist kein Boden für Rassismus. Die Aktion des Mannes wirft ein schlechtes Licht auf unsere Stadt.» Da sich der Mann auf privatem Grund aufhielt, könne die Stadt aber nichts machen.

Unterschiedliche Reaktionen

Der Leser-Reporter selbst meint zu dem Verkauf der «Mohrenköpfe»: «Ich finde die Aktion von dem Mann eine tolle Sache. Um dieses Produkt wird ein viel zu grosses Theater gemacht.» Der 68-Jährige sagt, «Mohrenköpfe» gebe es, seit er klein ist. «Diese Süssigkeit hiess schon immer so.»

Ganz anders reagiert das Kollektiv «Nette Menschen». In einer Mitteilung heisst es: «Wir müssen dieses Ereignis kritisieren, da wir nicht in einer Gesellschaft leben, die solche Akte des öffentlichen Rassismus akzeptieren kann. Das Kollektiv stört sich nicht nur daran, dass der Mann die umstrittene Süssigkeit verkauft hat, sondern besonders, dass er dabei ein Kostüm getragen und das Gesicht schwarz angemalt hat.

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