04.10.2019 10:53

Bezirksgericht Zürich

Mann muss wegen Seifenblasen vor Gericht

Ein Seifenblasenkünstler aus Zürich musste sich am Freitag vor Gericht verantworten. Grund: Er wechselte seinen Standort nicht nach 30 Minuten.

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Der Prozess gegen einen Seifenblasenkünstler fand am Freitag, 4.10.19, vor dem Bezirksgericht Zürich statt.

Der Prozess gegen einen Seifenblasenkünstler fand am Freitag, 4.10.19, vor dem Bezirksgericht Zürich statt.

Keystone/Christian Beutler
Der Mann musste sich vor Gericht verantworten, weil er seinen Standort nach 30 Minuten nicht wechselte.

Der Mann musste sich vor Gericht verantworten, weil er seinen Standort nach 30 Minuten nicht wechselte.

Keystone/Christian Beutler
Der Strassenkünstler soll die allgemeine Polizeiverordnung der Stadt Zürich übertreten haben.

Der Strassenkünstler soll die allgemeine Polizeiverordnung der Stadt Zürich übertreten haben.

Keystone/Christian Beutler

Ein gewisses Verständnis zeigte die Richterin zwar für den Seifenblasen-Künstler Gunnar Jauch, der seine Kunst am falschen Ort praktizierte. Sie wünschte ihm, dass er mit seinen Seifenblasen weiterhin Liebe verbreiten werde. «Aber bitte innerhalb der Regeln». An die müssten sich auch jene halten, die Gutes tun wollen. Schliesslich könne man auch kein Kinderheim ausserhalb der Bauzone bauen.

Die Richterin hofft, dass sich Jauch, der schon mehrmals wegen desselben Verstosses gegen die Polizeiverordnung zu Bussen verurteilt wurde, nun endlich an die Regeln hält — so dass der pensionierte Architekt nicht bald wieder im Gerichtssaal auftauchen muss.

Gefährlicher Standort

Hier dürfte die Richterin aber enttäuscht werden, denn Jauch kündigte schon während des Prozesses an, dass er seine Seifenblasen-Kunst weiterhin dort praktizieren werde, so sie am besten zur Geltung komme.

Und dies sei nun mal nicht am Seebecken, wo es erlaubt wäre, sondern auf dem Mühlesteg, der über die Limmat führt, oder auf dem Münsterhof. Am Seebecken würden seine Werke viel zu schnell in den Bäumen zerplatzen. Zudem sei der Standort gefährlich, weil Kinder gerne den Blasen nachrennen würden und so angefahren werden könnten.

Die Polizisten könnten auch wegschauen

Seine Kunst brauche Raum, die Blasen müssten fliegen können. «Ich habe vorher noch nie etwas gemacht, das mit so wenigen Mitteln so viel Freude bereitet.» Und im Gegensatz zum Dudelsackspieler, der nur «Amazing Grace» könne, nerve er ja auch niemanden.

Dass er sich nicht ganz an die Regeln hält, ist seiner Ansicht nach nicht verfolgungswürdig. Die Polizisten könnten auch wegschauen, viele würden das auch tatsächlich tun. «Viele kennen mich auch und grüssen, wenn sie vorbeigehen.»

«Halb so lustig wie der Wiener Zentralfriedhof»

Offenbar aber nicht alle, was die mehreren Strafbefehle erklärt, die mittlerweile auf sein Konto gehen. Für Jauch ist das alles unverhältnismässig. «Zürich ist so gross wie der Wiener Zentralfriedhof, aber nur halb so lustig», zitierte er vor Gericht einen alten österreichischen Witz. Ob er den Fall ans Obergericht weiterzieht, weiss er noch nicht.

Jauchs riesige Seifenblasen gehören seit vielen Jahren zum Stadtbild. Nachdem er im Jahr 2015 bereits einmal gebüsst worden war, weil er seine Kunst auf dem Sechseläutenplatz zeigte, versammelten sich dort rund 200 Personen und pusteten selber los.

Das Stadtparlament debattierte wegen seinem Fall auch schon über eine Ausdehnung der Strassenkünstler-Zone, lehnte dies schliesslich aber ab.

(sda)

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