16.10.2020 18:57

Lehrer enthauptet Hier erschiesst die Polizei den Verdächtigen

Ein Geschichtslehrer wurde nahe Paris bei einer brutalen Messer-Attacke getötet. Der Mann hatte in den letzten Tagen Drohungen von Eltern erhalten. Die Polizei hat den mutmasslichen Täter erschossen.

Darum gehts

  • In Conflans-Sainte-Honorine in der Nähe von Paris wurde ein Mann enthauptet.

  • Bei dem Opfer handelt es sich um einen Geschichtslehrer.

  • Der Angreifer soll ein 18-jähriger Tschetschene sein, der seine Tat auf Twitter gestand.

In Frankreich sitzt der Schock nach einer brutalen islamistischen Terrorattacke auf einen Lehrer tief. Der Mann ist nach ersten Erkenntnissen am Freitagnachmittag in einem Pariser Vorort enthauptet worden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eilte zum Tatort und fand deutliche Worte: «Unser Mitbürger wurde feige angegriffen, er war das Opfer eines bösartigen islamistischen Terroranschlags.» Die Ermittler wollen sich bald zum Tathergang und den Hintergründen äussern.

Der Vorfall hatte sich im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine am Freitagnachmittag ereignet – der Täter wurde von der Polizei getötet. Ein sichtlich angeschlagener Macron nannte in seiner kurzen Rede keine Details zum Ablauf der Tat oder zum Täter – er bestätigte auch nicht, dass der Mann enthauptet worden sein soll. «Sie werden damit nicht durchkommen», sagte er mit Blick auf Gewalt und Terroristen und weigerte sich geradezu, grausige Details zu nennen. Auch von den Ermittlern gab es zunächst keine offiziellen Informationen.

Am Abend und in der Nacht liefen Medien zufolge Durchsuchungen – ausserdem gab es mehrere Festnahmen. Berichten nach soll es sich bei den Festgenommenen um Mitglieder der Familie des mutmasslichen Täters sowie andere Personen handeln. Damit sind derzeit neun Menschen in Polizeigewahrsam, darunter ein Minderjähriger.

Opfer zeigte Mohammed-Karikaturen

Berichten und dem Bürgermeister des Vororts zufolge wurde der Lehrer auf offener Strasse angegriffen und enthauptet. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Das Opfer soll Berichten nach Mitte 40 gewesen sein und vor kurzem Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt haben, als das Thema Meinungsfreiheit behandelt wurde. Daraufhin soll es in der Schule zu Ärger und Drohungen gekommen sein. Der Mann wurde dann am Freitag ganz in der Nähe des Schulgebäudes attackiert.

Der mutmassliche Täter wurde kurze Zeit später von der Polizei aufgegriffen. Laut Medien hat er versucht, die Polizei anzugreifen – daraufhin hat diese auf ihn geschossen und ihn getötet. Unbestätigten Berichten zufolge ist er 18 Jahre alt, wurde in Moskau geboren und war den Geheimdiensten bisher nicht bekannt. Er soll «Allahu akbar» (Gott ist gross) gerufen haben und mit einem Küchenmesser bewaffnet gewesen sein. Ausserdem soll er mit der Tat im Netz geprahlt haben.

Bildung gegen Radikalisierung

Macron betonte in seiner kurzen Ansprache, dass die Bildung ein hohes Gut sei. Es sei kein Zufall, dass ein Terrorist ausgerechnet einen Lehrer ermordet habe, weil er das Land in seinen Werten habe angreifen wollen. Der Lehrer sei ermordet worden, weil er für Meinungsfreiheit eingestanden habe.

«Ich möchte heute Abend allen Lehrern Frankreichs sagen, dass wir mit ihnen zusammen sind, dass die ganze Nation heute und morgen an ihrer Seite sein wird, um sie zu schützen, zu verteidigen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre schönste Aufgabe zu erfüllen, die es gibt: freie Bürger zu machen», sagte er. Er erwähnte auch, dass die Direktorin der Schule in den vergangenen Wochen hohem Druck ausgesetzt gewesen sei – ging aber nicht auf die Hintergründe ein.

Im Kampf gegen radikalen Islamismus hatte der Staatschef zuletzt vor allem auf die Bildung als zentrales Element gesetzt. Der Fernunterricht von Kindern, die zu Hause bleiben, solle vom kommenden Sommer an strikt eingegrenzt werden, kündigte Macron Anfang Oktober an. Ausnahmen solle es nur noch aus Gesundheitsgründen geben. Unterricht sei vom Alter von drei Jahren an verpflichtend.

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Ein Geschichtslehrer wurde in der Nähe von Paris von einem Angreifer enthauptet.

Ein Geschichtslehrer wurde in der Nähe von Paris von einem Angreifer enthauptet.

REUTERS
Die Anti-Terror-Einheit ermittelt.

Die Anti-Terror-Einheit ermittelt.

REUTERS
Das Opfer wurde am Freitagnachmittag in Conflans-Sainte-Honorine nordwestlich von Paris auf der Strasse angegriffen. 

Das Opfer wurde am Freitagnachmittag in Conflans-Sainte-Honorine nordwestlich von Paris auf der Strasse angegriffen.

REUTERS

Zahlreiche Politikerinnen und Politiker reagierten geschockt auf den Vorfall. «Dieser Angriff ist nicht nur ein Angriff zu viel. Er ist barbarisch und sehr ernst», sagte David Le Bars, Generalsekretär einer Polizeigewerkschaft, dem Sender Franceinfo. «Wir befinden uns wieder in diesem Kreislauf der Gewalt. Und die Menschen sind sich dessen bewusst.»

Erst vor wenigen Wochen hatte es vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude des Satiremagazins «Charlie Hebdo» in Paris eine Messerattacke gegeben. Dabei wurden zwei Menschen verletzt – auch hier hat der Täter veröffentlichte Mohammed-Karikaturen als Motiv für die Tat angegeben.

Immer wieder islamistische Anschläge

Auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» hatte es im Januar 2015 einen tödlichen Anschlag gegeben. Aktuell läuft in Paris der Prozess gegen mutmassliche Helfer der Terrorserie im Januar 2015, bei der insgesamt 17 Menschen getötet wurden.

Frankreich wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert – dabei starben mehr als 250 Menschen. Daher ist die Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen. Frankreichs Regierung hat den Kampf gegen den Terror zu einer Top-Priorität gemacht und warnt immer wieder, dass die Gefahr von Terrorangriffen sehr hoch sei.

(SDA/fss)

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