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Damit er Vater werden kannMann ohne Hoden erhält einen Hoden vom Bruder

Eigentlich gilt: Wer keine Testikel hat, kann keine Kinder zeugen. Auf einen 36-jährigen Serben trifft das nun nicht mehr zu. Er kann ihnen sogar seine DNA weitergeben.

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Einem Soldaten, der in Afghanistan seine Genitalien verloren hatte, wurden neben dem Penis und der unteren Bauchdecke nur der Hodensack transplantiert – aus ethischen Gründen, da ein gespendeter Hoden sonst Spermien mit dem Erbgut des Spenders produziert hätte. (Video: Johns Hopkins Medicine)

Eineiige Zwillinge gleichen einander aufs Haar. Doch es gibt Ausnahmen, wie der Fall eines ungleichen Zwillingspaars aus Serbien zeigt: Während der eine mit vollständig ausgebildeten Genitalien zur Welt kam, wurde der andere ohne Hoden geboren.

Dank eines internationalen Chirurgenteams (siehe Box) ist die Ungleichheit 36 Jahre später Geschichte: In einer sechsstündigen Operation transplantierten sie dem hodenlosen Patienten ein Testikel seines Zwillingsbruders.

Schwierige Operation

Die Idee dahinter: Die Transplantation des Hodens vom Zwillingsbruder des Patienten soll zum einen den Testosteronspiegel des Mannes stabilisieren und es ihm zudem ermöglichen, Kinder zu zeugen, die seine DNA tragen, berichtet Nytimes.com. Schliesslich seien die eineiigen Brüder punkto Erbgut weitestgehend baugleich.

Weiterer Vorteil: Anders als bei Transplantationen von fremden Spendern, bei denen der Empfänger immunsuppressive Medikamente nehmen muss, damit das neue Organ nicht abgestossen wird, braucht der Hodenempfänger dies nicht zu tun.

Die Operation hatte es Medienberichten zufolge in sich. Einerseits mussten die Ärzte zwei Arterien und Venen miteinander verbinden, die einen Durchmesser von weniger als 2 Millimeter haben. Andererseits sei der Zeitdruck immens, so Bojovic laut Focus.de: «Sobald man den einen Hoden des Spenders entfernt hat, tickt die Uhr ganz schnell.» Denn ohne Blutversorgung seien Hoden nur vier bis sechs Stunden überlebensfähig.

Noch ein Eingriff notwendig

Obwohl der Eingriff gut verlaufen ist, muss sich der 36-jährige Hodenempfänger wohl noch einmal unters Messer legen. Den Ärzten war es nicht gelungen, den künstlichen Samenleiter an das Gewebe des Mannes anzuschliessen. Damit ist er momentan noch nicht in der Lage, sich normal fortzupflanzen.

Sollte er sich gegen eine weitere OP entscheiden, gäbe es zwei Alternativen: Er könnte sich einer Behandlung unterziehen, um Sperma aus dem Hoden für eine In-vitro-Befruchtung zu extrahieren. Alternativ könnte das Sperma seines Zwillingsbruders verwendet werden. Für den Hodenspender ändert sich trotz einem Hoden weniger nichts. Er soll so fruchtbar bleiben wie zuvor.

Es war erst die dritte bekannte Operation dieser Art. Die ersten beiden wurden vor 40 Jahren in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri durchgeführt.

Team mit Erfahrung

An dem Eingriff waren unter anderem Dicken Ko von der Tufts University School of Medicine in Boston und Branko Bojovic von der Harvard Medical School beteiligt. Die beiden Mediziner waren bereits Teil des Operationsteams, das 2016 die erste Penistransplantation in den USA vorgenommen hat. Damals hatte der penisamputierte Thomas Manning (Bild) ein neues Glied bekommen.

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