Sexuelle Gewalt im Zug: Mann onaniert – Frau droht Busse, da sie ihn filmte
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Sexuelle Gewalt im ZugMann onaniert – Frau droht Busse, da sie ihn filmte

Auf einer Zugfahrt zwischen Paris und Poitiers masturbiert ein Mann vor einer Passagierin. Weil sie ihn filmte, droht ihr nun eine schwerere Strafe als dem Exhibitionisten selbst.

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Der Mann, der Natacha Bras gegenüber sass, hatte keine Hemmungen, vor ihr zu onanieren. (Video: Twitter/Natacha Bras)

«Völlig verdutzt» war die 37-jährige Natacha Bras, als sie die Handbewegungen des Mannes sah, der ihr im Zug gegenüber sass. Der Passagier hatte seine rechte Hand in der Hose, die schnellen Vor- und Zurückbewegungen liessen keine Zweifel zu: Der Mann onanierte gerade vor ihren Augen.

Die Szene spielte sich am Samstagabend vor einer Woche auf der eineinhalbstündigen Strecke von Paris nach Poitiers ab. Die Frau aus La Rochelle bemerkte, wie der Passagier seinen Platz gewechselt hatte, um näher bei ihr zu sitzen. Dann sah er ihr in die Augen und begann zu masturbieren. Bras zückte ihr Handy und filmte, das kurze Video teilte sie auf ihrem Twitter-Konto.

Ihr droht eine schwerere Strafe als dem Täter

«Ich wusste nicht, was ich tun sollte, der Waggon war fast leer, und in dem Moment war kein Zugpersonal da», sagt die Informatikerin, die zudem Vizepräsidentin der Organisation MoiAussiAmnesie ist, einer Vereinigung, die traumatisierten Opfern sexueller Gewalt hilft. Die Szene zu filmen, so Bras, sei die einzige Form gewesen, «mich zu verteidigen».

48 Stunden nach dem Vorfall erstattete sie Anzeige beim Polizeiposten von La Rochelle, wie France 3 berichtet. Dem Mann, der aufgrund der Aufnahme identifiziert werden kann, droht eine Klage wegen Exhibitionismus, ein Verbrechen, das mit einjähriger Haftstrafe und einer Geldstrafe von 15'000 Euro geahndet wird.

Dem Opfer droht aber eine schwerere Strafe: Weil sie den Mann filmte und somit seine Privatsphäre verletzte, muss sie im Fall einer Anklage mit einer einjährigen Haftstrafe und einer Geldstrafe von 45'000 Euro rechnen.

«Ist es meine Schuld?»

Die Zuggesellschaft SNCF bedauerte den Vorfall, meinte allerdings, Bras hätte lieber die Notrufnummer wählen sollen, statt den Mann zu filmen.

Auch in den sozialen Netzwerken wird Bras von einigen männlichen Nutzern dafür kritisiert, dass sie ihren Peiniger öffentlich blossstellte. Von einem User gefragt, warum sie nicht einfach den Platz gewechselt habe, antwortete Bras: «Ich habe es schon wieder mit jemandem zu tun, der glaubt, das Opfer sei für alles verantwortlich. Oder meinst du, dass es, weil er sich neben mich setzte, meine Schuld ist?»

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