Polizei ermittelt: Mann ritzt beim Zürcher Bellevue Hakenkreuz in Baum
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Polizei ermitteltMann ritzt beim Zürcher Bellevue Hakenkreuz in Baum

In Zürich wurde ein Mann dabei gefilmt, wie er ein Hakenkreuz in einen Baum ritzte. Laut der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus kam es in Zürich in den letzten Wochen bereits zu zwei ähnlichen Vorfällen.

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L. L.* (30) hatte die Szene gefilmt. «Mein Kollege und ich waren schockiert und wollten den Mann zur Rede stellen.»

L. L.* (30) hatte die Szene gefilmt. «Mein Kollege und ich waren schockiert und wollten den Mann zur Rede stellen.»

Auf die Frage, was er gegen Juden habe und wieso er das mache, erhielten die beiden aber keine Antwort, sagt L. «Er wirkte aggressiv und sagte nur, wir sollen ihn in Ruhe lassen.»

Auf die Frage, was er gegen Juden habe und wieso er das mache, erhielten die beiden aber keine Antwort, sagt L. «Er wirkte aggressiv und sagte nur, wir sollen ihn in Ruhe lassen.»

Privat
Erst als der 30-Jährige und weitere Passanten dem Mann mit der Polizei drohten, fuhr er mit seinem Trottinett davon. «Da sahen wir, dass er einen Rucksack mit aufgemaltem Hakenkreuz trug», so L.

Erst als der 30-Jährige und weitere Passanten dem Mann mit der Polizei drohten, fuhr er mit seinem Trottinett davon. «Da sahen wir, dass er einen Rucksack mit aufgemaltem Hakenkreuz trug», so L.

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Darum gehts

  • Passanten konnten kürzlich einen Mann dabei beobachten, wie er beim Bellevue ein Hakenkreuz in einen Baum ritzte.

  • Wie es bei der Stadtpolizei Zürich auf Anfrage heisst, laufen die Ermittlungen.

Bilder und ein kurzes Video zeigen, wie ein Mann am Zürcher Bellevue ein Hakenkreuz in einen Baum ritzt. Das jüdische Wochenmagazin «Tachles» berichtete zuerst darüber. L. L.* (30) hatte die Szene gefilmt. «Mein Kollege und ich waren schockiert und wollten den Mann zur Rede stellen.» Auf die Frage, was er gegen Juden habe und wieso er das mache, erhielten die beiden aber keine Antwort, sagt L. «Er wirkte aggressiv und sagte nur, wir sollen ihn in Ruhe lassen.»

Erst als der 30-Jährige und weitere Passanten dem Mann mit der Polizei drohten, fuhr er mit seinem Trottinett davon. «Da sahen wir, dass er einen Rucksack mit aufgemaltem Hakenkreuz trug.» Danach habe L. den Mann aus den Augen verloren. Eine Anzeige hat der 30-Jährige nicht erstattet.

Wie es bei der Stadtpolizei Zürich auf Anfrage heisst, werden zurzeit Abklärungen wegen Sachbeschädigung, wie auch wegen Diskriminierung und Aufruf zu Hass getätigt. «Zudem laufen die Ermittlungen zur Täterschaft», so Sprecher Marc Surber.

Das sagt ein Experte dazu

Laut Strafrechtsexperte David Gibor ist die blosse Verwendung eines Hakenkreuzes gestützt auf die Rassismus Strafnorm in der Schweiz nicht strafbar. «Strafbar ist die Verwendung eines solchen Symbols einzig, wenn damit eine schwere Diskriminierung oder Herabsetzung eines Menschen oder einer Menschengruppe aufgrund etwa der Religionszugehörigkeit zum Ausdruck gebracht wird.» Dies sei mit dem Ritzen von Nazisymbolen per se aber noch nicht erfüllt. Es brauche neben der Darstellung des Symbols noch eine eigentliche Tathandlung, wie zum Beispiel einen Aufruf zur Ungleichbehandlung der Gruppe oder eine Äusserung, welche Minderwertigkeit einer Person oder einer Gruppe wegen ihrer Religion oder Ethnie öffentlich behauptet, so Gibor.

«Uns ist dieser Vorfall bekannt. Wir sind schockiert, dass ein solches Vorgehen am helllichten Tag an einer so frequentierten Stelle vorkommt», sagt Dina Wyler, Geschäftsleiterin der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA). Man appelliere an die Bevölkerung, wachsam zu sein: «Solche Schmierereien und andere antisemitische Taten können über unser Meldetool auf der GRA-Webseite oder uns per Email gemeldet werden.»

Laut Wyler komme es immer wieder vor, dass antisemitische Symbole wie das Hakenkreuz an öffentlichen Orten aufgefunden werden. «Dieses Jahr gab es eine starke Zunahme mit mehreren Vorfällen in der Westschweiz. Aber auch in Zürich kam es in den letzten Wochen bereits zu zwei Vorfällen, wo Hakenkreuze und andere rassistische Schmierereien an öffentlich zugänglichen Orten entdeckt wurden.»

*Name der Redaktion bekannt

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Antisemitismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Tel. 147

(20 Minuten)

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