Aktualisiert 14.10.2019 12:41

«Männergrippe»Mann ruft Krankenwagen wegen «37,8 Grad Fieber»

Bei Schutz & Rettung Zürich herrscht in der Nacht von Freitag auf Samstag Hochbetrieb. Kein Grund für einen Mann den Notruf wegen Fieber nicht zu wählen.

von
Jennifer Furer
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Ein Mann rief in einer Freitagnacht den Krankenwagen. Grund: Er habe starkes Fieber.

Ein Mann rief in einer Freitagnacht den Krankenwagen. Grund: Er habe starkes Fieber.

Schutz & Rettung Zürich
Bei der Wohnung angekommen, öffnete ein Mann Mitte dreissig mit Kind auf dem Arm die Tür.

Bei der Wohnung angekommen, öffnete ein Mann Mitte dreissig mit Kind auf dem Arm die Tür.

Schutz & Rettung Zürich
Es war der Patient, welcher den Krankenwagen gerufen hatte. Samt Kind auf dem Arm setzte sich der Mann in den Krankenwagen, so Rettungssanitäter Merkli. «Meine Kollegin bat ihn – bestimmt, aber höflich – das Kind der Mutter zu übergeben. Es gab schlicht keinen Grund, dass die Kleine bei ihrem ‹erkrankten› Vater auf dem Schoss sass, zumal die gesunde Mutter ja vor dem Auto stand.»

Es war der Patient, welcher den Krankenwagen gerufen hatte. Samt Kind auf dem Arm setzte sich der Mann in den Krankenwagen, so Rettungssanitäter Merkli. «Meine Kollegin bat ihn – bestimmt, aber höflich – das Kind der Mutter zu übergeben. Es gab schlicht keinen Grund, dass die Kleine bei ihrem ‹erkrankten› Vater auf dem Schoss sass, zumal die gesunde Mutter ja vor dem Auto stand.»

Schutz & Rettung Zürich

Toby Merkli, Rettungssanitäter von Schutz & Rettung Zürich, wollte sich um drei Uhr morgens auf der Wache Triemli gerade hinlegen, um ein wenig Schlaf zu bekommen. «Seit Schichtbeginn befanden wir uns – wie üblich für eine Freitagnacht – im Dauereinsatz», schreibt er in seinem öffentlichen Blog. «In der Hoffnung auf eine Ruhephase legte ich mich auf einen Liegestuhl im Ruheraum und schloss die Augen.»

Plötzlich ging der Pager los. «Die Einsatzmeldung lautete ‹Männlich, 37, Fieber.› – ‹Fieber?›, fragten wir uns. Na ja – in extremer oder ungewohnter Form kann es schon mal einen berechtigten Einsatz generieren», so Merkli. So könne zum Beispiel ein Fieberkrampf bei einem Kleinkind oder ein Infekt mit Temperaturen von 40 Grad und mehr, insbesondere bei älteren Menschen, sehr schnell äusserst gefährlich werden. Merkli und seine Kollegin machten sich ohne Blaulicht auf den Weg.

«Starkes Fieber»

Bei der Wohnung angekommen, öffnete ein Mann Mitte dreissig, mit Kind auf dem Arm die Tür. Es war der Patient, welcher den Krankenwagen gerufen hatte. Samt Kind auf dem Arm setzte sich der Mann in den Krankenwagen, so Merkli. «Meine Kollegin bat ihn – bestimmt, aber höflich – das Kind der Mutter zu übergeben. Es gab schlicht keinen Grund, dass die Kleine bei ihrem ‹erkrankten› Vater auf dem Schoss sass, zumal die gesunde Mutter ja vor dem Auto stand.»

Merkli erkundigte sich darauf beim Mann, was genau das Problem sei. «Ich staunte nicht schlecht, als mir der junge Mann erzählte, dass er gestern Abend 38 Grad Fieber gehabt habe, worauf er ein fiebersenkendes Medikament eingenommen habe. Nun habe er wieder starkes Fieber.» Merkli mass seine Temperatur mit einem Ohrthermometer. Dieses zeigte 37,8 Grad an.

«Es gibt Leute, die gehen mit erhöhter Temperatur noch arbeiten. Nehmen Sie doch eine weitere Tablette und bleiben Sie im Bett», dachte sich Merkli. Wenn es nicht besser werde, könne tagsüber immer noch der Hausarzt konsultiert oder ein SOS-Arzt angerufen werden. «Wir hingegen kommen mit einem Rettungswagen für Notfälle», so Merkli in seinem Blog. Er und seine Kollegin entliessen den Mann — nachdem sie ihm den Sachverhalt erklärt hatten — aus dem Krankenwagen, da offensichtlich kein dringliches medizinisches Problem vorlag.

Engpässe auffangen

Eliane Schlegel, Sprecherin bei Schutz & Rettung Zürich, sagt, dass im Blog von Toby Merkli jeweils sehr aussergewöhnliche, untypische Einsätze wiedergeben würden, die sich von den übrigen Einsätzen abhöben und eben nicht den «üblichen» Alltag der Rettungskräfte abbildeten.

Es komme aber tatsächlich vor, dass Rettungsmittel durch Bagatelleinsätze gebunden seien und möglicherweise Engpässe entstünden. Zahlen gebe es dazu keine, weil keine Statistik dazu geführt werde. «Glücklicherweise verfügen wir im ganzen Dispositionsgebiet über genügend Rettungsmittel, sodass regionale Engpässe meist durch benachbarte Rettungsdienste aufgefangen werden», so Schlegel.

Die Versorgung innerhalb der Stadt Zürich soll künftig durch zusätzliche Wachen optimiert werden, sagt Schlegel. «Ausserdem verfügt unsere Einsatzleitzentrale über die modernsten, teilweise einzigartigen Steuerungs- und Planungsinstrumente, um rechtzeitig auf Engpässe im Versorgungsgebiet reagieren und vorausschauend disponieren zu können.» Dies verhindere grösstenteils Verzögerungen.

Wann den Krankenwagen rufen?

Wann den Krankenwagen rufen?

«Grundsätzlich müssen sich die Leute bewusst sein, dass es sich beim Sanitätsnotruf 144 um eine Notrufnummer für Notfälle handelt die schnelle, professionelle Hilfe erfordern», sagt Eliane Schlegel, Sprecherin von Schutz & Rettung Zürich. Typische Beispiele hierfür seien ein Herzinfarkt, ein Hirnschlag, Kreislaufprobleme oder jegliche Art von Unfällen. «Bei Beschwerden hingegen, die nicht akut sind und mit denen man sich auch am nächsten Tag noch bei der Hausärztin oder beim SOS-Arzt vorstellen kann, erübrigt sich möglicherweise ein Anruf auf die Notrufnummer 144.»

Schlegel sagt weiter: «In der Regel gilt aber der Grundsatz: Besser einmal zu viel als einmal zu wenig den Sanitätsnotruf 144 wählen.» Die Notrufe würden in der Einsatzleitzentrale von Schutz & Rettung Zürich von «sehr kompetenten, medizinisch ausgebildeten Mitarbeitenden» entgegengenommen, welche die Situation schnell analysieren und einschätzen können, ob die Voraussetzungen für einen Einsatz des Rettungsdienstes gegeben sind. «Ansonsten haben sie die Möglichkeit, die anrufende Person darauf aufmerksam zu machen, sich beim Hausarzt oder bei der SOS-Ärztin zu melden», so Schlegel.

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