Kriminalgericht Luzern: Mann schlägt und beisst Baby und sperrt es in Schublade ein

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Kriminalgericht LuzernMann schlägt und beisst Baby und sperrt es in Schublade ein

Das Luzerner Kriminalgericht hat einen Mann (29) zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil er seine Tochter im Säuglingsalter mehrfach misshandelte. Auch die Mutter (25) wurde vom Gericht schuldig gesprochen.

von
Gianni Walther
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Mehrfach hat ein Mann 2018 in Luzern seine Tochter misshandelt. So hatte der heute 29-Jährige das Baby geschlagen und in einer Schublade eingesperrt. Wegen der sauerstoffarmen Luft in der Schublade hatte der Mann laut Urteil des Kriminalgerichts eine Hirnschädigung der Tochter riskiert.

Mehrfach hat ein Mann 2018 in Luzern seine Tochter misshandelt. So hatte der heute 29-Jährige das Baby geschlagen und in einer Schublade eingesperrt. Wegen der sauerstoffarmen Luft in der Schublade hatte der Mann laut Urteil des Kriminalgerichts eine Hirnschädigung der Tochter riskiert.

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Das Kriminalgericht sprach den Mann unter anderem wegen mehrfacher versuchter schwerer Körperverletzung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht schuldig.

Das Kriminalgericht sprach den Mann unter anderem wegen mehrfacher versuchter schwerer Körperverletzung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht schuldig.

Gerichte Luzern
Er wird zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt.

Er wird zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt.

20min/Sara Formentin

Darum gehts

Das Luzerner Kriminalgericht hat einen Mann unter anderem wegen mehrfacher versuchter schwerer Körperverletzung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht schuldig gesprochen.

Der Mann hatte seine Tochter im Juli 2018 in eine Schublade einer Kommode gelegt und diese geschlossen, als die Tochter zwei Monate alt war und geweint hatte. Weil er sich wegen des Weinens genervt hatte, liess er sie «während fünf bis zehn Minuten in der geschlossenen Schublade» und überliess es laut Urteil «weitgehend dem Zufall, ob das Opfer einen schweren Sauerstoffmangel erleiden würde». Wegen der sauerstoffarmen Luft in der Schublade habe er eine Hirnschädigung der Tochter riskiert.

Gefahr lebensgefährlicher Hirnverletzungen

Nach dem Vorfall ging die Mutter mit der Tochter in eine geschützte Institution. Nach einiger Zeit verliess sie das Frauenhaus und nahm die Beziehung zum Vater der Tochter wieder auf. Im August kam es zu einem weiteren Vorfall: Der Mann legte seine Tochter erneut in eine Schublade und machte diese zu, öffnete sie aber nach rund einer Minute wieder.

Im Oktober 2018 hatte der Mann alkoholisiert seine damals rund fünf Monate alte Tochter gebissen und mehrfach geschlagen. Weiter hatte der Verurteilte «ihr mit einer Hand den Mund und die Nase zugedrückt, ihr mit seiner Hand beide Wangen gegeneinandergedrückt und sie mehrfach geschüttelt», wie es im Gerichtsurteil heisst. Die Tochter hatte dabei Blutergüsse erlitten. Durch die Gewalteinwirkung habe die Gefahr «schwerer, lebensgefährlicher Hirnverletzungen» bestanden. Als die Mutter einschreiten wollte, verpasste er ihr zwei Kopfnüsse. Sie erstattete darauf Anzeige bei der Polizei.

Das Kriminalgericht verurteilt den Mann zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten. Weiter muss er seiner Tochter eine Genugtuung bezahlen und die Verfahrenskosten übernehmen.

Mutter wird ebenfalls verurteilt

Die Mutter des Mädchens sprach das Gericht wegen fahrlässiger Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht schuldig. Dies, weil sie bei den genannten Vorfällen dabei war und zu wenig unternommen hatte, um ihre Tochter vor den Misshandlungen zu schützen. Die Mutter wird zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt und muss der Tochter ebenfalls eine Genugtuung bezahlen. Und: Auch die Mutter muss die Verfahrenskosten übernehmen. Die beiden Urteile sind noch nicht rechtskräftig. In beiden Fällen wurde Berufung eingelegt. 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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